Full text: 58.1930 (0058)

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Der Hof des Justizpalastes in Rouen. 
Hände für eine gewisse Zeit, und auch die schließ- 
liche Rückkehr zum Mutterlande Frankreich ist 
noch keine Gewähr für Frieden. 
So streben denn mächtige Fürsten dort auf 
und bauen sich schier unbezwingliche Horste. Von 
der Hohe ihrer stolzen Wälle herab beherrschen 
sie das Land ringsum und bieten sogar dem Kö¬ 
nige selber Trotz. Aus diesen wirren Zeiten stam¬ 
men die vielen Burgen, und selbst die späteren 
Schlösser, als die Ritterschaft schon zum ruhigen 
landbauenden Provinzadel geworden war, behal¬ 
ten ein etwas kriegerisches Aussehen, wie Fontaine- 
Henri beweist! — Daneben wachsen stolze Städte 
selbstbewußter Bürger, recken in Dieppe, Lou- 
viers, Evreux, Lües prächtige Kirchen ihre go¬ 
tischen Türme und Pfeiler gen Himmel, als ihrer 
aller Krone die Kathedrale von Rouen. Und dann 
St. Michel, welch Wunder zu schauen! 
So ist die Normandie ein Land voller archä¬ 
ologischen Reichtümer, ein Ziel der Touristen, und 
daneben ein Ziel der Erholungssuchenden durch 
ihre zahlreichen berühmten Badeorte, Deauville, 
Trouville, Houlgate-le-Treport, Dieppe, Cabourg 
und manche andere. 
Schauen wir uns jetzt kurz einmal unsere Bil¬ 
der an: 
Da ist zunächst Rouen, «la reine de la 
Normandie», die „Königin" des Landes. Eine 
Stadt voller alter Erinnerungen, voll reicher 
Freuden für den Liebhaber der alten Geschichte. 
Victor Hugo, der große französische Dichter, der 
stets groß war im Prägen bedeutsamer Bezeich¬ 
nungen, nannte sie « la ville aux cent clochers », 
die Stadt mit den hundert Glockentürmen. Und 
das ist auch heute noch der erste Eindruck von 
Rouen: eine vieltürmige Stadt. Vor allem ist 
da die Kathedrale zu nennen, die Krone, 
möchte man sagen, der nordfranzösischen Gotik, 
ein überaus bedeutender Bau in der Geschichte 
der christlichen Kunst. Sie stammt aus dem 13., 
die Fassade aus dem 15. Jahrhundert. Diese zeigt 
drei Tore, überragt von turmartig nach oben 
strebendem Maßwerk, mit reichem Figuren¬ 
schmuck. Die runde Fensterrosette der Mitte ist 
durch die Spitzbogen des mittleren Portals mit 
den darüber sich im spitzen Winkel erhebenden 
Giebel und Wimperg teilweise verdeckt, bildet also 
nicht in dem Maße den Mittelpunkt der Fassade, 
wie wir es sonst von der französischen Gotik 
kennen. (Es genügt, hier in diesem Zusammen- 
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