Full text: 56.1928 (0056)

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lacken, Phonographenwalzen, Durchschreib- und 
Kohlepapier usw.. .. Häufig wird es auch zwecks Ent¬ 
färbung raffiniert, und in 'diesem Zustand wird es 
in weitem Umfang als Zusatz zum Hartparaffin bei 
der Herstellung von Kompositionskerzen verwendet, 
die wegen schönen elfenbeinfarbiaen Aussehens, guter 
Leuchtkraft und sparsamen Verbrauchs sehr begehn 
sind. 
^ Alter Berggesang. ^ 
Ein Bergmann träget Sorgen des Morgens 
[frühauf, 
Das machen die Sorgen, die wecken ihn auf. 
Wir fahren getroste zum Schachte hinein, [feit 
Eine Leiche kann mancher diese Schicht wohl noc 
Keine Schwaden, gift'ge Wetter erschrecken uns nich> 
Wir machen ja gerne eine fröhliche Schicht. 
Viele Brüder und Bergleut' haben sich ersetzt, 
Wie mancher im Abteufen hat sich durch den 
[Schuß verletzt 
Lieben Brüder und Bergleut', wir wollen lebet 
vergnügt 
Dieweil wir noch haben das Leben besiegt! 
Bergmannslied von der Ruhr. 
Zitiert nach Paul Grabetn. 
Ein Königsgrab an der Saar. 
(Die Klause bei Serrig). 
egenüber Serrig erhebt sich am linken Saarufer 
auf einer Höhe die Klause mit dem Grabe 
des blinden Königs Johann von Böhmen. 
Es ist geschichtlich denkwürdiger Boden, wo wir 
stehen. Unweit davon, weiter rückwärts auf der Höhe, 
liegt das stille Dörfchen Kastell, einst, wie der Name 
schon verrät, ein römisches Grenzfort, ein Castellum. 
Manche blutigen Kämpfe haben sich in btefer Ge¬ 
gend abgespielt, bevor die freiheitsliebenden keltischen 
Bewohner des Landes ihren Nacken der römischen 
Weltherrschaft beugten. Es ist, als ob Caesar in seinem 
„Gallischen Krieg" hier diesen Ort gemeint habe, als 
er das befestigte Laaer seines tüchtigsten Generals, 
des Legaten Titus Labienus, schildert, den er zum 
siegreichen Kampfe gegen die tapferen T r e v i r e r 
unter ihrem heldenmütigen Führer Jnduciomar aus- 
gcsandt, wenn er schreibt: „des Labienus Lager war 
durch Natur und Kunst außerordentlich fest. Zwi¬ 
schen ihm und dem Feinde war ein Fluß mit steilen 
Ufern, der sich nicht gut überschreiten ließ". — Später 
belagerten und erstürmten schließlich die Franken auf 
ihrem Zuge nach dem Westen dies Castellum und zer¬ 
störten die blühenden römischen Siedelungen, die 
ringsum entstanden waren. — Heute noch sehen wir 
sowohl hoch oben im harten .Felsgestein römische 
Grabstätten als auch im Talgrunde römische Grab¬ 
mäler, Denksteine und Inschriften, und an der deut¬ 
lich erkennbaren Heerstraße längs des Flusses fand 
man Ruinen von Wohngebäuden und Aquädukten 
und viele Tongefäße, Waffen und Münzen aus fünf 
Jahrhunderten. 
Die Klause selbst entstand um das Jahr 1600. 
Damals erbat sich ein französischer Fran¬ 
ziskanermönch namens R o m e r h von dem 
Abte des berühmten Klosters St. Maximin in Trier, 
zu dessen Sprengel die Gegend gehörte, die Erlaubnis, 
sich als Klausner dort inmitten der Felsen nie¬ 
derlassen zu dürfen. Eine Urkunde des Klosters Beu¬ 
rig erzählt, mit welcher Mühe und Arbeit er sich 
dann dort oben seine Klause schuf. Zuerst mußte 
ihm eine Laubhütte zum Obdach dienen. Kräuter 
und Beeren des Waldes lieferten ihm die Nahrung. 
Zeitweise zwangen ihn die auch das Saartal durch¬ 
tosenden Kriegswirren, in einer schwer zugänglichen 
Felsenschlucht auf der Südseite des heutigen Dorfes 
Kastell seine Zuflucht zu suchen. Herrschte wieder 
Ruhe, so arbeitete der Einsiedler an seiner Klause, 
in der er wie in einer Klosterzelle leben wollte. In 
dem mächtigen Felsen höhlte er zwei Kämmerchen 
aus, die uns heute noch (vor dem Königsgrabe lie¬ 
gend) erhalten sind, und die man zeitweise irrtümlich 
für römische Wachtftüben gehalten hat. Auch ein aus 
einem benachbarten Felsen ausgehauenes Kreuz ist 
heute noch zu sehen. — Endlich, nach langer müh¬ 
seliger Arbeit konnte der Eremit seine Klause bezie¬ 
hen. Doch sein Sehnen war noch nicht gestillt; er 
verlangte nach einer Kapelle, um den Seelen der 
Bewohner der Umgegend zu dienen. Der Trierer 
Erzbischof und Kurfürst Lothar, an den er sich ge¬ 
wandt, erfüllte ihm diesen Wunsch und ließ auf dem 
Felsenvorsprung vor der Klause, kühn über dem Ab¬ 
grunde, eine Kapelle zu Ehren des hl. Kreuzes und 
der hl. Helena im romanischen Stile errichten, die 
er den Beuriger Franziskanern zur Besorgung, .zu¬ 
wies. — 
Zwei Jahrhunderte hindurch folgte ein Klausner 
dem anderen. In der vorderen Tür des Königs¬ 
grabes sehen wir einen alten Fensterstein einge¬ 
mauert, der den Namen eines dieser Nachfolger No- 
merhs erhalten hat, nämlich: „Frater Michael Hend¬ 
rix, Eremita 1686". — Die Reihe der Klausner 
endete mit dem Ablauf des 18. Jahrhunderts. Den 
folgenden Kriegsstürmen fiel auch die Kapelle zum 
Opfer; nur ihr starkes Gewölbe schützte sie vor ganz-
	        
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