Full text: 53.1925 (0053)

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Entwicklungskurve derj Slerne 
Sie zeigt, wie die Sterne nach ihrer Geburt aus dem Ursprungsnebel sich zusammenziehen, wobei sie ihre Temperatur bis zum 
Maximum vermehren, und sich dann immer mehr abkühlen bis zum Verlöschen. 
vom Aeräen uns vergehen der Sternes 
Ein Dichter erzählt von einer Rosenfamilie, deren 
einzelne Mitglieder immer nur einen Tag lebten. 
Während dieses kurzen Zeitraumes sahen sie das Ant¬ 
litz ihres Gärtners natürlich unverändert, sodaß 
sich bei allen diesen Rosen der Gedanke festsetzte, daß 
er von Ewigkeit her bestünde und weiter in Ewigkeit 
fortbestehen würde. 
Gerade so geht es uns Menschen, in bezug auf den 
gestirnten Himmel. Seit den wenigen Jahrhunderten 
der Menschheitsgeschichte hat sich für unser Auge an: 
Himmel nicht viel geändert und die Sterne galten uns 
immer als das Symbol der Unveränderlichkeit. Heute 
wissen wir, daß die Sterne, von denen unsere Sonne 
nur eine Mittelgröße darstellt, den Regeln der Natur 
fick» anpassen müssen, daß sie geboren werden, leben 
-und vergehen. 
Obgleich die ganze bisherige Dauer der Menschheit 
nur einen flüchtigen Moment gegenüber dem Leben 
der Sterne darstellt, läßt uns doch der Himmel alle 
Phasen der Entwickelung der Gestirne erkennen. Man 
weiß jetzt, daß die Lichtoasen, die das Fernrohr in 
der ungeheuren Raumwüste erspäht und die man 
Nebelflecken nennt, die überwältigend großen Ge¬ 
burtsstätten sind, aus denen die künftigen Sonnen 
hervorgehen. Viele dieser Nebel stellen Anhäufungen 
von phosphoreszierenden Gasen dar, deren Ausdeh¬ 
nung und Verdünnung jede Einbildung übertreffen, 
und die fast überall m der Milchstraße vorhanden 
sind. 
Seltsamerweise zeigt das Spektroskop — ein In¬ 
strument, das die aufgefangenen Strahlen in die ein- 
*) Text und Bilder nach einem gle chnamigen Aufsatz in der 
Zeitschrift «Ti'NIustrutiou», Paris, der einen Auszug aus dem 
lesenswerten Buche <Le Royaume des Cieux» von Charles Nord 
mann darstellt. 
zelnen Lichtarten zerlegt und je nach ihrer Wellen¬ 
länge verschieden stark bricht und ablenkt, sodaß man 
statt eines einfarbigen Lichtfleckens entweder ein zu¬ 
sammenhängendes buntes Farbenband oder getrennte 
verschiedenfarbige Streifen erhält — in den Nebel¬ 
flecken nur 3 Gase: das Nebulium, das bisher auf der 
Erde noch nicht gefunden worden ist, Wasserstoff und 
Helium. Man ist über diese Erscheinung im unge¬ 
wissen. Manche meinen, daß in diesen Nebeln eine 
denl absoluten Nullpunkte nahekommende Kälte 
herrsche und daß bei dieser tiefen Temperatur nur die 
der Verflüssigung am meisten Widerstand leistenden 
Elemente, wie Wasserstoff und Helium, in Gasform 
existieren können. Andere glauben wieder, daß die 
schweren Atome anderer Elemente sich erst im Lause 
der größeren Verdichtung heranbilden, oder daß mög¬ 
licherweise diese schweren Atome schon im Innern des 
Nebels vorhanden sind. In diesem Falle können wir 
die schweren Atome nicht nachweisen, weil nur das 
Licht der äußeren Partien zu uns dringt. 
Was die Entstehung des Nebelleuchtens anbelangt, 
so wissen wir seit einigen Jahren, daß es herstammt 
von den Ausstrahlungen der Sterne in Form der 
Hertzschen Wellen, die den Raum nach allen Seiten 
hin durchziehen, und die die Eigenschaft haben, ver¬ 
dünnte Gase zu erleuchten. 
Es ist nun nicht schwer, sich den Weg vorzustellen, 
wie die Sterne aus diesem Himmelsprotoplasma, als 
das man die Nebel ansehen muß, geboren werden. Die 
nebeligen Gase verdichten sich durch die gegenseitige 
Anziehung ihrer einzelnen Teilchen immer mehr nach 
der Mitte zu. Durch diese Bewegung der Konzentra¬ 
tion entsteht die ungeheure Wärme, die wir bei den 
Sternen finden. Man hat berechnet, daß die Wärme¬ 
menge, die von dem Nebel erzeugt wurde, aus dem 
unser Planetensystem hervorgegangen ist, wenn mau
	        
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