Full text: 53.1925 (0053)

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Ansicht 
einer 
Gegend 
in der 
Eifel. 
wo 
Schinder¬ 
hannes 
tätig war. 
„Handel" erwarben haben wollten, an ihre Wohnstätte 
zurück. 
Seltsamerweise beging keiner Verrat, denn alle 
diese außerhalb des Gesetzes stehenden Leute hatten 
doch ein gewisses Ehrgefühl — sie haßten die An¬ 
geberei. Übrigens waren sie alle durch einen fürchter¬ 
lichen Eid zum gegenseitigen Schutze verbunden. Der 
Denunziant wurde mct dem Tode bestraft und nichts 
konnte ihn vor der Ahndung seines Verrats erretten. 
Man kann wohl sagen, daß die meisten Inhaber- 
von Herbergen und Kneipen Helfershelfer der Ban¬ 
diten waren, was verständlich wird, wenn man er¬ 
fährt, daß die Revolution sie fast dem Ruin nahe 
gebracht hatte. 
Man kann bei diesen Herbergen zwei Arten unter¬ 
scheiden. Die einen lagen meist abseits der Landstraße 
und dienten den Dieben als Unterschlupf. Das waren 
Zufluchtsstätten, deren ganzes Personal, vom Herrn 
bis zum Knecht, Mitglieder der Bande von Schinder¬ 
hannes war. Man nannte diese Herbergen in der 
Gaunersprache „Kochmerberje". 
Waren die Gendarmen einmal einem Mitgliede der 
Verbrecheraesellschaft auf der Spur, so zog dieses sich 
in ein solches Asyl zurück, wo geheime Schlupfwinkel 
es aufnahnren. Oder man brauchte die Adresse eines 
Mitglieds der Bande, um ihm irgend eine Nachricht 
oder Geld zukommen zu lassen, dann hatte man nur 
nötig, sich an eine solche „Kochmerberje" zu wenden. 
Dort wußte man, wo sich der Gesuchte aufhielt; man 
wußte auch, wo der Hauptteil der Bande und wo ihr 
Oberhaupt Schinderhannes zu finden waren. 
Im übrigen unterschied nichts diese Verbrecher- 
kneipen von den anderen; der unverdächtige Reisende, 
der hier logierte, wurde weder belästigt noch beraubt. 
Wenn man sich aber zu wißbegierig zeigte, ohne im¬ 
stande zu sein, das geheime Zeichen zu geben, war es 
gefährlich stir den Neugierigen, sich allein auf die 
Landstraße zu wagen. 
Die Gendarmen wurden als Vertreter der öffent¬ 
lichen Macht in diesen Herbergen gut ausge¬ 
nommen. 
Neben diesen Herbergen, die als Zufluchtsstätten 
oder Versammlungslokale dienten, gab es viele andere, 
die sich auf guten Fuß mit den Banditen gestellt 
hatten. Von hier aus wurden die Räuber über alle 
Bewegungen der Polizei und des Militäraufgebots 
benachrichtigt; drohte irgend eine Gefahr, so wurden 
sie rechtzeitig gewarnt. AIs Lohn dafür konnte der 
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