Full text: 49.1921 (0049)

21 
Alle diese Maßregeln und noch manche andere, 
zu deren Beschreibung uns der Raum fehlt, 
sollen die tägliche Förderung erhöhen. Aber der 
Verbraucher der seltenen Ware „Kohle", deren 
Mangel erfahrungsgemäß viele Störungen im Ge¬ 
folge hat, besitzt noch ein weiteres Interesse, 
nämlich, daß die Rohförderung — um diesen ge¬ 
heiligten bergmännischen Ausdruck zu gebrauchen 
— die allerbeste Ausbeute au verkaufsfähiger 
Kohle ergiebt und ferner, daß der Selbstverbrauch 
der Grube auf ein Mindestmaß reduziert wird. 
In letzterer Hinsicht trifft die französische Berg- 
verwaltung Maßnahmen, um an den unter den 
Kesseln verbrannten Kohlen zu sparen, was natiir- 
lich nur durch die neuesten Vervollkommnungen an 
den Heizanlagen zu erreichen ist, wobei man die 
Brennstoffe vollständig auszunützen vermag. 
Um die besten Leistungen aus den Brennstoffen 
herauszuholen, muß man sie in großen elektrischen 
Zentralen verbrennen, die bei der geringsten Zahl 
von Arbeitskräften den verschiedenen Motoren 
den Arbeitsstrom liefern können. Deshalb ist auch 
der elektrische Antrieb bei zahlreichen abseits ge¬ 
legenen Anlagen schon in diesem Jahre vorge¬ 
sehen, wobei in erster Linie isoliert gelegene 
Ventilatoren und Förderhaspel an verschiedenen 
in Betrieb befindlichen Schächten in Betracht 
kommen. Selbstverständlich müssen dadurch die 
in den Zentralen stehenden Maschinen zur Er¬ 
zeugung von elektrischer Kraft vermehrt werden. 
In 1921 sollen in der Weiherzentrale bei 
Quierschied 2 neue Turbo-Dynamos (mit Dampf¬ 
turbinen gekuppelte Wechselstrommaschinen) von 
7000 KW. aufgestellt werden, von denen eine 
Maschine schon von der früheren Verwaltung be¬ 
stellt war. Die Luisenthaler Zentrale erhält eine 
neue Turbo-Dynamo von 12 000 KW. Die 
zugehörigen Dampfkessel sind ebenfalls schon be¬ 
stellt. Sie eignen sich für den beliebigen Ge¬ 
brauch von minderwertigen Brennstoffen, wie 
Schlamm und Waschabgänge, deren sehr hoher 
Aschengehalt einen weiten Transport nicht ge¬ 
stattet. Trotzdem sind diese Brennstoffe für die 
Grubenzentralen recht brauchbar und ihre An¬ 
wendung bringt eine bedeutende Ersparnis an 
guter Kohle, die so in größerer Menge für den 
Verkaufverfügbar bleibt. Man kann sogar annehmen, 
daß jede seitens der Grube verbrannte Tonne dieser 
minderwertigen Brennstoffe 600 bis 700 kg guter 
Kohle für den allgemeinen Bedarf frei macht. 
Im Jahre 1921 soll auch mit der Abteufung 
von 4 Schächten begonnen werden, und zwar sind 
dies 2 Förderschächte zu Jägersfreude und Göttel¬ 
born und 2 Ventilatorschächte, von denen einer aus 
Abteilung Steinbach der Berginspektion Hl und der 
andere auf Grube Jägersfreude abgeteuft 
wird. Letzterer verdient besonders erwähnt zu 
werden, weil bei ihm das Gefrierverfahren An¬ 
wendung finden soll, daS im Saargebiet zum 
ersten Male gebraucht wird. Die Art des zu durch- 
teufenden wasserführenden Buntsandsleins läßt die 
Anwendung der sonst üblichen Verfahren nicht zu. 
Wir könnten noch lange fortfahren, eine Reihe 
sonstiger noch vorgesehener Arbeiten im Rahmen 
des leitend n Programms zu beschreiben, aber 
wir hegen Bedenken, diese kleine Uebersicht un¬ 
nötig zu verlängern. Das Vorgesagte genügt 
hinlänglich, um den Leser mit dem allgemeinen 
Gedankengange der Bergverwaltung bekannt zu 
machen, der einerseits die Vermehrung der 
Förderung und andererseits die Bereitstellung 
des größtmöglichen Teils dieser Förderung zum 
Verkaufe zur Grundlage hat. 
Die Errichtung von Wohnhäusern für unsere 
Bergleute — der Kalender bringt ja hierüber 
einen besonderen Aufsatz — soll in 1921 nicht fallen 
gelassen werden Im Gegenteil wird das schon in 1920 
begonnene Werk m erweitertem Maße fortgesetzt. 
Einiges von &ev Steinkohle. 
Als die Mönche des Klosters Klosterroda im Herzog¬ 
tum Limburg um 1100 zuerst die Brennbarkeit der Kohle 
entdeckten und ausnutzten, suchten sie vergebens nach 
einer Erklärung dieser wunderbaren Erscheinung. Er¬ 
starrte, noch brennbare Lava nannte Athanasius Kircher, 
der Erfinder des Brennspiegels, die Kohle. Der Wahr¬ 
heit näher kam um 1700 der Züricher Schenchzer, der 
Entdecker des ersten versteinerten Riesensalamandcrs; er 
bezeichnete die Steinkohle als versteinertes Holz. Lange 
Zeit galt dann die Anschauung des französischen Natur¬ 
forschers Buffon, der annahm, die Steinkohlen seien aus 
verwesendem Schlamm von Algen und Tangen gebildet. 
Diese Schwemmtheorie erhielt einen mächtigen Stoß, 
als man in den Kohlenflözen nicht nur versteinerte Blatt¬ 
abdrücke, sondern auch ganze wohlerhaltene Baumstämme 
entdeckte. Des Rätsels Lösung brachte erst das Mikroskop, 
das Gümbel 1883 auf die durch allerlei Mittel entfärbte 
und durchsichtig gemachte Steinkohle richtete. Er wies 
in der Kohle nicht nur unzweifelhafte Reste von pflanz¬ 
lichem Zellgewebe nach, sondern zeigte auch, daß Holz¬ 
zellen und Blattzellen abwechselten, daß es sich also um 
vorwiegend blütenlose Pflanzen handle, wie sie noch 
heute als Harnkräuter und Schachtelhalme unsere Wälder 
zieren. Der jüngst verstorbene Pflanzenpaläontologe Po- 
tottie bestätigte diese Untersuchungen und bestimmte die 
Steinkohlen endgültig als versunkene vorweltliche Sumpf- 
und Flachmoore, die durch übergelagertes Wasser. Luft¬ 
mangel und Gebirgsdruck in langen Zeiträumen voll¬ 
ständig zersetzt und verkohlt sind. Künstlich wurde Kohle 
in allerneuester Zeit durch Professor Bergius in Hannover 
hergestellt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.