Full text: 49.1921 (0049)

14 
42 000 Fuder, sodaß die Gesellschaft gegen Ende 
der Pachtzeit nahezu die dreifache Förderleistung 
als zu Anfang hatte. 
Nach Ablauf des Pachtvertrages mit der Ge¬ 
sellschaft Equer, im Jahre 1608, wurden die 
Gruben unter die Oberleitung der Administration 
der kaiserlichen Domänen gestellt. Die Oberauf¬ 
sicht wurde dem bisherigen Generaldirektor 
Savoye belassen. Außer diesem waren damals an 
Angestellten vorbanden: Gangloff, 1. Direktor: 
Duhamel. Ingenieur: Knörzer, Berginspektor: 
Eberhardt, Oberschichtmeister zu Sulzbach: Bar¬ 
tels, Oberschichtmeister zu Wellesweiler: Posth, 
Oberschichtmeister zu Rockershausen und Heintz, 
Oberschichtmeister zu Kohlwage. Außerdem gab 
es auf jeder Grube noch einen Maitre mineur 
(Steiger) und einen Controleur, die den Gruben¬ 
betrieb zu führen hatten. 
Die Belegschaft der staatlichen Gruben zählte 
im Jahre 1808 579 Arbeiter. Im Jahre 1809 
wurde die Grube zu Jägersfreude und Ritten¬ 
hofen und im Jahre 1810 die Grube zu Guichen- 
bach in Betrieb genommen, wobei sich jm Jahre 
1813 eine Belegschaftsstärke von 693 Mann und 
eine Förderung von 55 567 Fuder ergab. 
Im Jahre 1604 erteilte die französische Regie¬ 
rung auch eine Konzession zur Steinkohlenge¬ 
winnung an eine private Gesellschaft, nämlich an 
die frühere Gewerkschaft der Grube Hostenbach. 
Betriebstechnisch wurde unter der Napoleo¬ 
nischen Regierung mancher Fortschritt erzielt. Co 
wurde nach den Grundsätzen des französischen 
Berggesetzes vom 24. VII. 1791 das ganze Gru¬ 
bengebiet rißlich festgelegt und das ganze Gru¬ 
benfeld in einzelne Konzessionsfelder abgeteilt. 
Ueber den technischen Betrieb der Saarbrücker 
Gruben unter der französischen Herrschaft geben 
Aufzeichnungen aus dem Anfange des 19. Jahr¬ 
hunderts einigen Aufschluß. Danach bestand der 
Betrieb im wesentlichen aus diagonal ansteigenden 
Abbaustrecken, die im Pfeilerbau abgebaut wurden. 
Zur Förderung in den Abbauen dienten durchweg 
nur Karren. Schon vor dem Jahre 1810 soll 
es zu Grube Gersweiler auch schon eine Art Streb¬ 
bau gegeben haben. Dortselbst wurden die oberen 
1,80 Meter mächtigen Flöze von fast horizon¬ 
taler Lagerung in einzelnen Streifen von 6 Metern 
abgebaut und die leeren Räume mit den fallenden 
Flözbergen ausgefüllt. Wenn diese nicht aus¬ 
reichten, dann wurden auch einzelne Steinpfeiler 
zur Sicherung des Hangenden bezw. der Tages¬ 
oberfläche gesetzt. 
Frühzeitig hatte auch die französische Regie¬ 
rung schon die Notwendigkeit einer Bergschule zur 
Heranbildung technischer Grubenbeamten erkannt. 
Im Jahre 1308 wurden Anordnungen zur Errich¬ 
tung einer Ecole pratigue des mines (Bergschule) 
in Geislautern getroffen. In dieser Schule sollte 
hauptsächlich Unterricht im Steinkohlenbergbau 
und im Eisenhütten-Betrieb abgehalten werden. 
Trotzdem mit der Errichtung des Schulgebäudes 
im Jahre 1609 begonnen und sogar ein Direktor 
für die Schule ernannt worden war, kam der Plan 
leider, vielleicht Geldmangels wegen, damals noch 
nicht zur Verwirklichung. 
Bemerkenswert aus der französischen Zeit bleibt 
auch die erste feste Gründung einer Knappschafts¬ 
kasse für die Saarbergleute. Es bestand zwar 
schon seit dem Jahre 1769 eine sogenannte „Bru¬ 
derbüchse" für die Bergleute der Fürstlich-Nassau- 
Saarbrück'schen Gruben, die allerdings nur die 
Unterstützung erkrankter Kameraden zum Zwecke 
hatte. Da diese Bruderbüchse keineswegs den 
Ansprüchen der Bergleute genügte, so schlossen 
sie im Jahre 1797 mit einander einen dauernden 
Vertrag und bildeten zur gegenseitigen Unter¬ 
stützung unter dem Namen „Knappschaftskasse" 
einen besonderen Fonds, der durch aus der Ar¬ 
beitermitte gewählte Vertreter verwaltet wurde. 
Das am 21. 2. 1601 vereinbarte Statut stellte 
die Bestimmungen über die Verwaltung der Kasse 
und ihre Leistungen fest. Auch die Grubenverwal¬ 
tung leistete Beiträge zu der Knappschaftskasse, 
aus der Kch der heutige Saarbrücker Knapp¬ 
schaftsverein entwickelt hat. 
Außer den unter Staatsverwaltung stehenden 
Gruben sind noch die im Saargebiet zu damaliger 
Zeit entstandenen Privatbetriebe zu erwähnen, so 
die schon genannte Grube Hostenbach und andere 
Privatbetriebe, ebenfalls auf dem Banne Hosten¬ 
bach und Cchaffhausen. Die Gemeinde Püttlingen 
hatte sich während der Revolutionszeit der Grube 
im Bauernwald bemächtigt und diese an einen 
Privatmann Kövenig verpachtet. Diesem gelang 
es trotz mehrfacher Erlasse der frairzösischen Re¬ 
gierung bis zum Jahre 1816 Pachtbesitzer der 
Grube zu bleiben. Außer den oben erwähnten 
pachtweise betriebenen Gruben gab es noch die so¬ 
genannten „Glashütten-Gruben". Diese waren zu 
fürstlicher Zeit den Glashüttenbesitzern pachtweise 
zur Gewinnung der Bedarfskohlen überlassen und 
verblieben auch während der französischen Zeit 
in deren Besitz. Es waren dies die Glashütten zu 
St. Ingbert, Friedrichsthal, Quierschied, Merch¬ 
weiler und Sulzbach. 
Mit dem zweiten Pariser Frieden ging im Jahre 
1815 das ganze Caargebiet an Preußen über, das 
die Steinkohlengruben als Staatsbetrieb übernahm 
und am 22. 9. 1816 ein Bergamt in Saarbrücken 
errichtete, dessen Amtsräume auf dem Schloßplatz 
gelegen waren. 
as Schalenpaar im Schachte zeigt, 
Was wechselnd mir das Leben bringt: 
Die eben sank, schau, wie sie steigt; 
Die eben stieg, schau, wie sie sinkt! 
M. Erone.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.