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Kohlen zu den Sturzwippern nicht gehoben zu werden 
brauchen, andererseits daß die Abnehmer und ihr 
Fuhrwerk möglichst geschützt stehen. 
Die Belegschaft der Grube Velsen beläuft sich 
z. Z. (Juli iy\2) ans J579 Mann. Sie rekrutiert sich 
in der Hauptsache aus den benachbarten Ortschaften 
Ludweiler, Geislautern und Wehrden, außerdem in 
erheblichem Umsange aus Ortschaften an der Bahn¬ 
linie Bous-Dillingen-Merzig und Dillingen-Primsweiler. 
In Ludweilcr besteht, etwa 20 Minuten von der Grube 
entfernt, eine fiskalische Arbeiteransiedlung mit 
58 Wohnungen; weitere Wohnungen liegen im Butter¬ 
bachtale und ant Rotweg nahe bei der Grube Velsen. 
In Geislautern ist eine aus 4 Schlafhäusern bestehende 
Schlafhausanlage vorhanden, zu der die alten Tages- 
anlageit der stillgelegten Grube Geislautern umgebaut 
wurden, mit zusammen 146 Betten. Line Erweiterung 
ist geplant. Die Schlafhäuser staben eine besoirders 
schöne Lage unniittelbar am Wald und bieten dadurch 
einen möglichst angenehmen Aufenthalt. 
An Verkehrsmitteln sind vorhanden die Bahnstrecke 
Lürstenhausen - Großrosseln, sowie die Straßenbahn 
Völklingen-Großrosseln bezw. Ludweiler. An ersterer 
besteht, hauptsächlich für den Verkehr der Bergleute, 
seit Lüde ;908 die Station Velsengrube, etwa 
550 m von der Grube entfernt an der Zufuhrstraße 
gelegen; es laufeii durchgehende Arbeiterzüge von 
Baus bezw. teilweise Primsweiler bis Großrosseln. 
Grube Velsen gehörte bis znm April 1908 zur 
Berginspektion 1 zu Lnsdorf. An diesem Tage wurde 
sie nebst der inzwischen aufgelassenen Grube Geislautern 
der neu gegründeten B er g i nfp ekti0 n XII zu 
Jür sten h a u s e n- S a ar überwiesen. 
wir wünschen der Grube Velsen, daß sich auch in 
der Zukunft ihre Weiterentwickelung recht erfreulich 
gestaltet, sie von allen schweren Unglücksfällen, wie bisher, 
bewahrt bleibt und noch viele Jahrzehnte einerseits 
manchem braven Knappen auskömmlichen Lebensunter¬ 
halt bietet, andererseits der Staatskasse gute Ueberschüsse 
liefert. 
Sichert,eit bei Förderseilen. Nach einer Be>'tmmuug 
der Bergpoltzeiverordnuug ist zur Benutzung des Seiles bei der 
Ein- und Ausfahtt d>r Belegschaft die Erlaubnis des Oberberg- 
amtes erforderlich. Das Oberbergami stellt für jeden Förder¬ 
schacht, an dem Personensörderung stattfinden soll, eine besondere 
„Erlaubnisurkunde" aus, in welcher die Bedingungen festgelegt 
sind, unter Venen die Seilfahrt stattfinden darf. Unter anderem 
besagt diese Urkunde, baß jedes Förderseil mindestens eine 
Ofache Sicherheit im Verhältnis zur Meistbelastung bet der 
Kohlen- und Bergeförderung und eine mindestens 'O'/sfache 
Sicherheit im Verhältnis zur Metstbeiaftung bei der Personen¬ 
förderung dauernd gewähren muß. Die Sicherheit eines Seiles 
taun auf zweierlei Art ermittelt werden, einmal durch Rechnung 
und dann durch Zerreiß- und Btegeproben. Bei der rechnerischen 
Ermittelung der Sicherheit des SetleS wird die Bruchfestigkett, 
welche gleich ist Gesamtmetallquerschnitt »ml Bruchbelastung pro 
qm/m, durch die höchste vorkommende Belastung dividiert. So 
hat z. B. ein Förderseil von Sv m/m Durchmesser, das aus 6 
Litzen und jede Litze wieder aus 24 Drähten von B/2 m/m und 
S Drähten von 2 m m Dicke besteht, einen Gesamtmetallquerschnitt 
von rund 8A> Quadratmillimeter. Die Bruchfestigkeil pro 
Quadratmillimeter ist von der Härle des Materials abhängig 
und beträgt durchschnittlich 125 kg, d. h. ein Draht von 1 qm/m 
Querschnitt reißt, wenn er mit 12ü kg belastet wird. Die Bruch- 
sesttgleit des ganzen Seiles beträgt demnach 800 X 125 kg = 
100000 kg, d. h. das Seil reißt erst, wenn cs mit 100000 kg, 
das sind 20uo Zentner belastet wird. Ein Meter dieses Seiles 
wiegt ungefähr 8,2 kg. 
Die Höchbelastung des Seiles bei 400 Meter Teufe und Förde¬ 
rung mit 6 Wagen setzt sich zusammen aus: 
dem Gewichte des Fördertordes — etwa 3000 kg 
„ „ von 0 Forderwagen ä 350 kg = . . 2100 „ 
„ .. ver Ladung von 3 Wagen Kohlen L 500 kg— 1500 „ 
„ „ „ „ „ 3 „ Berge ä. 7oo kg—2100 „ 
.. „ von 450 Dieter Seil, 400 Dieter Teufe und 
50 Meter zwischen Ford.rtorb und Maschine — 450.8,2= 3690 „ 
Mithin Gesamtbelastung — . 12000 kg 
Tie Sicherheit bet der Produktenförderung ist demnach eine 
100000 
12000 = 7'7fad,e* 
Bei der Seilfahrt setzt sich die Belastung zusammen aus 
dem Gewichte desFörderkorbcsmilVerschlußtvren — etwa 3000 kg 
,. „ „ Förderseiles = ■ 3090 „ 
„ ,. von 30 Personen ä, 75 kg = . . . .... 2250 „ 
Mithin Gesamlbelastung — . 0840 Kg 
der Personenförderung ist demnach eine 
Die Sicherheit bet 
100000 
9WÖ= Atache. 
Die Ermittelung der Bruchfestigkeit eines Seiles wird in der 
Weise vorgenoinmen, daß von sämtlichen Drähten des zu 
prüfenden Seiles ein kurzes Stück in die sogenannte Seilzerretß- 
maschine eingespannt und dann solange aus Zug beansvrucht 
wird, bis es reißt. Die Belastung, b,e erforderlich ist, den Draht 
zu zerreißen, heißt Bruchbelastung und wird durch einen Zeiger 
auf einer Skala ln Kilogramm angezeigt. r ie Summe der 
Bruchbelastung sämtlicher Drähte gibt die Bruchfestigkeit des 
ganzen Seiles an. die in der Regel höher ist. als Die durch 
Rechnung ermittelte. In den letzten Jahren baut man Ma- 
I 
schtnen, in welche direkt ein Stück des Setles eingespannt und 
geprüft werden kann. 
Stach der Bergpoltzeiverordnuug müssen die zur Seilfahrt 
benutzten Seile, nachdeni sie 2 Jahre in Betrieb gewesen sind, 
abgelegt bezw. dürfen zur Seilfahrt ntchk mehr benutzt werden. 
Dasselbe ist der Fall, wenn sich am Seil eine schadhafte Stelle 
zeigt. Weil das einzige, äußerlich erkennbare Zeichen einer 
schadhaften Stelle das Auftr-ten von Drabtbrüchen ist, werden 
die Seile einer täglichen gründlichen Revision unterzogen. Der 
Bruch eines Drahtes beeinträchtigt die Stcherhei: des Seiles 
in teiner Weise. Einzelne Trahtbrüchc sind an und für sich 
ungefährlich, denn es wurde durch Versuche festgesteUl, daß ein 
gebrochener Draht in eiwa ‘/s Meter Entfernung von der Bruch¬ 
stelle wieder trägt. Es kann bei einem neuaufgelegten Seil 
vorkommen, daß einzelne Trahtbrüche auftreten, trotzdem ist das 
Seit noch nicht als ablegungtzbedürflig zu betrachten. Bei auf- 
lretenden «rüchen ist stets die Beschaffenheit des ganzen Seiles 
zu berücksichtigen. Es kann vorkommen, daß die sämtlichen 
Drähte eines Seiles gebrochen sind, das Seil aber immer noch 
die genügende Sicherheit bietet. 
(gegen Zahnweh gibt es einfache Mittel, die alle von 
diesem Uebel heimgesuchte Menschenkinder veisuchen mögen — 
vielleicht htlit's. Ist das Zalmweh rheumatischer Art, so lut 
eine Tasse Kamillentee gute Dienste; gleichzeitig steckt man ein 
paar Kamtllenblüten in das Ohr. Auch wendet man heiß- 
gemachtes Kochsalz an. das man in Mullbeuteln auf die 
schmerzende Wange legt. Man wechselt diese heißen Saizbeutel 
alle zehn Minuten und fährt damit einige Stunden fort. Unter 
Umständen wirtt geriebene, rohe Kartossel, die aus die Backe 
gelegt wird, besonders zur Nachtzeit vorzüglich. Auch Hilst es 
oft augenblicklich, wenn man Schwertliltenwurzeln taut, beivnd, rs 
wenn der Schmerz aus hohlen Zähnen herrührt. Zahnschmerz 
nervöser Natur taun auch durch Kauen, sei es eines Butter¬ 
brotes ober eines Stückes Fleisch gehoben werden. Das Kauen 
wirtt beruhigend und mildernd auf die aufgeregten Nerven. 
Schnupfen von etwas Rum ist bet Erkältung ebenfalls zu 
empfehlen. 
Bergmannssprüchr. 
„Geh' stets den Dingen aus den Grund!" 
So sprach der Vater allestuicd 
Ter Lehre treu mich zu beweisen. 
Griff ich zum Schlägel und zum Eis.n. 
Ter Morgen graut, die Sonne naht. 
Ich lieb' die dunkle Nacht; 
Längst eh' das Licht erhellt den Pfad, 
Fahr' tief ich in den Schacht. 
Der Knappe ist wohl ein verweg'ner Gesell, 
Er halt es zettlevens mit doppelter Braut; 
Du, Schatz, bist die eine, ich deicht' es dir schnell, 
Tie andre das Bergwerk heimlich und traut! 
Ter Bäcker, der backl wobl lein Brok schon allein. 
Auch fügt ohne Hilfe der Tischler den Schrcin, 
v>der der Bergmann auf allen seinen Pfaden 
Braucht laps're getreue Kameraden.
	        

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