Full text: 41.1913 (0041)

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kleide- und Waschraum sind nicht getrennt, wie man es 
neuerdings vielfach findet, sondern vereinigt; dabei ist 
aber durch reichliche Belüftung im Oberlicht außerhalb 
der Badestunden für ausgiebige Trocknung der Gruben¬ 
kleider gesorgt. 
An der anderen Seite des Ganges liegen die freundlich 
ausgestattete Kafseküche, das Verbandszimmer und 
Abortanlagen. 
von der Mitte des Ganges aus führt rechts ein 
Ansgang zur Lampenstube mit mechanischer Lampen¬ 
reinigung und einer erplosionssicheren Benzinlagerung 
für j8 ooo 1 nach dem System Martini & Hünecke. Sie 
gestattet den Bezug des Benzins, das früher fässerweise mit 
der Fuhre von der Bergfaktorei Saarbrücken abgeholt 
werden mußte, in Tankwagen auf den: Eisenbahnwege. 
In der Lampenstube ist auch die Telephonzentrale 
untergebracht. Es sei dabei bemerkt, daß an diese Zentrale 
nicht nur fast sämtliche Bureaus, sondern auch ein weit¬ 
verzweigtes Betz in der Grube selbst angeschlossen ist. 
Es leistet in der Förderung und im sonstigen Gruben¬ 
betriebe viele Dienste und soll namentlich auch im Ernst¬ 
fälle für Rettungszwecke dienen. 
vonderLampcnftubegelangenwir, in gleicher Richtung 
weitergehend, zum Verlesesaal. An seinen 4 Ecken 
sind Steigerbureaus angeordnet; an der einen Längsseite 
liegt das Materialienmagazin mit Eingang zur 
Gezäheausgabestelle vom Verlesesaal aus. Das Magazin, 
das sich im Kellergeschoß auch unter den Verlesesaal 
erstreckt, ist zur Verminderung der Feuersgefahr mit 
eisernen Schränken und eisernen Regalen ausgestattet; 
es besitzt einen Aufzug zwischen Keller- und Obergeschoß 
sowie eine mechanische Oelzapfanlage. Die verschiedenen 
Delsorten, die im Betriebe Verwendung finden, werden 
bei dieser Anlage in großen Kesseln aufbewahrt, aus 
denen sie mit Hilfe von Druckluft abgezapft werden. 
Die Bureaus des Obersteigers, der Fahrsteiger und 
anderer Beamten liegen im zweistöckigen Mittelbau, dem 
Verwaltungsgebäude, das an der Straße entlang 
Verlesesaal und Badeanstalt, sieüberragendund von einem 
Turm gekrönt, auch äußerlicb zu einem einheitlichen 
Ganzen harmonisch vereinigt.'"') Außer den Bureaus 
enthält dieser Mittelbau noch das Beamtenbad, Räume 
der Kaffeeküche für Beamte und im Untergeschoß eine 
helle, geräumige Kochküche, in der alljährlich Koch- und 
Bähkurse für die Bergmannstöchter stattfinden. Erwähnt 
sei schließlich noch die ausgedehnte elektrische Uhren¬ 
anlage, die sich über die gesamten Tagesanlagen erstreckt 
und auch zu selbsttätigen Signalen beim verlesen (nebst 
Vorsignalen für die Steiger), beini Beginn und Schluß 
der Schicht, sowie bei pausen herangezogen werden wird. 
vom Zechensaal begeben sich die Bergleute am Ge¬ 
bäude der Hauptfördermaschine vorbei zur S ch ach th a l l e. 
Bier sehen wir drei Kreiselwipper mit ebensoviel Lese¬ 
bandsystemen, unter ihnen eins mit einer Kontrollein¬ 
richtung für unreine Kohlen. Die Lesebänder liegen 
parallel zu den Gleisen des Grubenbahnhofs. Letzterer 
ist von der Ebene der übrigen Tagesanlagen durch eine 
m hohe Futtermauer getrennt, die beiderseits in 
nächster Zeit noch fortgeführt wird. Zwei elektrisch 
angetriebene Schiebebühnen besorgen den Rangierbetrieb. 
Die Kohlenwäsche, deren Bau vor kurzem be¬ 
gonnen wurde, wird von Meguin & Lo. in Dillingen 
geliefert und soll stündlich \oo t leisten. 
*) Die Leser des „Bergmannsfreund" werden sich 
erinnern, daß wir im Vorjahre einen ausführlichen 
Artikel über dieses Gebäude brachten. 
Das 30 m hohe Schachtgerüst ist, wie der Schacht, 
für zwei Förderungen eingerichtet, eine Haupt- 
förderung mit Fördergerippe von 4 Etagen zu je 
2 Förderwagen mit 500 kg Inhalt hintereinander und 
eine Bebenförderung für 2 Etagen zu je t Magen. 
Die Hauptfördermaschine ist eine moderne Koepe- 
Maschine mit Zwillings-Tandem-Anordnung und einer 
Treibscheibe von 8 m Durchmesser; sie ist erbaut von 
der Friedrich-Milhelm-Hütte in Mülheim (Ruhr). Die 
Bebenfördermaschine ist eine altere Bobinenmaschine 
mH Bandseilen. 
Unter den übrigen Tagesanlagen sind noch besonders 
erwähnenswert das Kesselhaus und die M a schinen- 
halle. Ersteres hat \2 Flammrohrkessel von insgesamt 
92? 9,11 Heizfläche, größtenteils mit mechanischer Murf- 
feuerung ausgestattet; zwei von diesen Kesseln dienen 
zur Beheizung der Gebäude. Die Kohlen werden z. Z. 
größtenteils von der unteren Lesebandbühne der Rätter- 
halle aus den Griesbehältern abgezogen und durch einen 
Stollen und einen Aufzug zu den über den Kesseln 
liegenden Kohlenbunkern gebracht. Bach Fertigstellung 
der Mäsche treten darin entsprechende Aenderungen ein. 
Zur Zeit werden zwei weitere Keffel (Hochleistungs- 
Röhrenkessel mit je 240 gm Heizfläche) beschafft. Zur 
Kesselanlage gehören ein Economiser von 540 gm Heiz¬ 
fläche und ein 50 m hoher Kamin. I" der Maschinen¬ 
halle sehen wir einen Kolbenluftkompressor von 3000 cbni 
Leistung auf 6 Atm., erbaut von jdokorny & Mittekind, 
einen Abdampfturbokompressor mit Fcischdampfstufe von 
der Gutehoffnungshütte für 6000 ct>m, der den Abdampf 
der vorhandenen Dampfmaschinen, namentlich der beiden 
Fördermaschinen, ausnutzt, sowie einen fünfstufigen Hoch- 
druckkomprefsor mit elektrischem Antrieb für 845 cbm und 
t 50 Atm. von Rud. Meyer, A. G. zu Mülheim (Ruhr). 
Letzterer betreibt die Druckluftlokomotivförderung auf 
der I. Sohle, die mit 4 Lokomotiven umgeht und den 
Hauptteil der Förderung bewältigt. Die Druckluft¬ 
lokomotiven speichern Luft von 130—\40 Atm. in ihren 
4 großen Vorratszylindern auf; die Luft wird nach 
Reduzierung auf 10 Atm. (bei den Zwillingsmaschinen) 
bezw. auf 16 und 4 — 5 Atm. (bei den Verbundmaschinen) 
in den Arbeitszylindern nutzbar gemacht. Die Loko¬ 
motiven haben bei einer Belastung mit 40 Magen und 
bei 3 m Geschwindigkeit einen Aktionsradius von 2 km, 
d. h. sie können mit einer Füllung 40 leere Magen 
vom Schacht aus 2 km ins Feld fahren und 40 be¬ 
ladene Magen zun: Schacht zurückbringen. 
Außerdem enthält die Maschinenhalle die Haupt- 
schaltanlage der Grube. Der elektrische Strom wird 
von den Zentralen Heinitz und Louisenthal mit jo000 
Volt geliefert und in einer Unterstation in Velsen auf 
5000 Volt umgeformt; außer zu dem Hochdruck¬ 
kompressor findet er u. a. Anwendung für den Betrieb 
von 2 Kreiselpumpen von 2 bezw. 5 cbm minütlicher 
Leistung, die auf der II. Sohle stehen und vorwiegend 
Masser vom Spülversatz pumpen; ferner am Ostschacht 
für den Betrieb eines weiteren Reserve-Kompressors 
von 4500 cbm und 6 Atm. Endpressung und des 
Grubenventilators — es sind zwei Rateauventilatoren 
für 6000 bezw. 7000 cbm bei 120 mm Depression und 
3,3 qm Grubenweite vorhanden, von denen der kleinere 
in Reserve steht —. Der größere der beiden Ventilatoren 
hat eine Umkehrvorrichtung, sodaß er im Bedarfsfälle 
statt zu saugen auch Metter in die Grube blasen kann. 
Für den Landabsatz ist eine Land Halde mit besonderer 
Einfahrt von der Zufuhrstraße aus angelegt. Unter 
Ausnutzung der Terrainverhältnisse hat man durch 
vertiefte Lage der Landhalde einerseits erreicht, daß die
	        

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