Full text: 41.1913 (0041)

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schaftlichen Einnahmen aus den Kohlengruben in 2 
Jahren von 1035 fl. aus 3310 fl. stiegen, also sich 
verdreifachten. Doch noch immer wurde der Bergbau 
wenig rationell betrieben. Daher machte der Kammer¬ 
rat Heuß im Jahre 1750 dem Fürsten von neuem den 
Vorschlag, die sämtlichen Steinkohlengruben 
für herrschaftliche Rechnung zu über¬ 
nehmen, und Wilhelm Heinrich ging auf denselben 
ein, gestützt auf die staatsrechtliche Anschauung, daß der 
Bergbau ein Vorrecht des Landesfürsten sei. Damit 
begann eine neue Epoche für den Bergbau im Saar¬ 
gebiet. Sämtliche Kohlengräber wurden nn Anfang 
des Jahres 1751 über ihre Berechtigung zur Kohlen¬ 
gewinnung vernommen und ihnen der Entschluß des 
Fürsten mitgeteilt; die nachweislich aufgewandten Kosten 
sollten ihnen nach Billigkeit ersetzt werden. Die 
Dudweiler Gruben wurden auf 1127 fl. taxiert und 
dieser Betrag an Meier und Gericht daselbst ausbezahlt. 
Der Betrieb wurde nun so eingerichtet, daß die Gräber 
„zur Halbschied" weiter gruben, d. h. sie erhielten für 
ihre Arbeit die Hälfte der Förderung, während die 
andere Hälfte dem Landesherrn zufiel, der das Gruben¬ 
holz lieferte, die Anlagekosten von neuen Gruben be¬ 
stritt und die Bergbeamten besoldete. Die Kohlenaus¬ 
beute wurde auf 8 000 Fuder normiert; die Untertanen 
hatten einen Vorzugspreis (6 Livres das Fuder). Als 
oberster Bergbeamter wird 1754 der Alaun- und Stein¬ 
kohlengrubeninspektor Jakob Carlin zu Dudweiler ge¬ 
nannt, drei Jahre später der Hütten- und Berginspeklor 
Johann Ludwig Hilzkron. Es begann nun erst die 
bergmännische Ausbeute der Kohlengruben, wenngleich 
der Betrieb anfangs noch recht einfach war. Aus den 
früheren Kohlengräbern bildete sich ein geschlossener 
Bergmannsstand mit besonderen Rechten und Freiheiten. 
1754 wurde die Eröffnung von Steinkohlengrnben und 
der Kohlenverkauf mit hundert Reichstaler Strafe be¬ 
droht. Bis dahin waren die Steinkohlen nur zum 
Schmieden und Kalkbrennen benutzt worden; als Haus¬ 
brand hat sie erst Wilhelm Heinrich eingeführt.' Um 
den Kohlenabsatz zu heben, erließ er 1765 an die Meier 
und Geistlichen eine Anweisung, „welcher Gestalt die 
Steinkohlen zur Erwärmung der Stuben und Behält¬ 
nisse füglich und nützlich angewendet werden können." 
Im folgenden Jahre wurden den Untertanen nicht nur 
zum Kalk-, sondern auch zum Hausbrand geringhaltige 
Steinkohlen zum Förderpreise (2 bis 3 Kreuzer für 
den Zentner) bewilligt. Dies ist der Ursprung der 
sogenannten Berechtigungskohlen. In früheren 
Zeiten holten sich die Bewohner von den zutage tretenden 
Flözen ihren Bedarf an Kohlen nach Belieben. Nach 
Einführung eines geregelten Betriebes hörte dies auf. 
und dafür wurde billiger Hausbrand geliefert. Auch 
führte man bei allen Gewerben und Fabriken, soweit 
es der Betrieb zuließ, die Steinkohlenheizung ein, so 
besonders in den Glashütten und Ziegeleien. Der 
Absatz ins Ausland ging zu Wasser und zu Land be¬ 
sonders nach Lothringen und Frankreich, dem Elsaß, 
der Pfalz und bis nach Frankfurt hin. Für die Kohlen¬ 
ausfuhr wurden mit einzelnen Unternehmern besondere 
Verträge abgeschlossen, so erhielt der Kaufmann 
Röchling den Absatz zu Schiffe saarabwärts, der 
von der „Kohlwage" ausging. Später wurde ein 
zweites Magazin in L o u i s e n t h a l angelegt. Im 
Jahre 1765 schickte der Kurfürst Karl Theodor von der 
Pfalz eine Kommission nach Saarbrücken, um sich über 
Tage, Güte und Preis des Steinkohlenbrandes zu 
unterrichten, den er zu „besserer Ökonomie seiner aller- 
zeit geliebten treuen Untertanen" einzuführen gedachte. 
Am 27. Mai 1765 kam zwischen dem Kurfürsten und 
dem Fürsten Wilhelm Heinrich ein Vertrag zu Stande, 
durch den sich der letztere verpflichtete, an Kurpfalz 
jährlich 50 000 Zentner Steinkohlen zu verkaufen, die 
zu Schiff über Koblenz nach Mannheim verfrachtet 
wurden. Doch dieser Vertrag war nicht von langer 
Dauer, daSaarbrückenüberBezahlungmit „verrufenem" 
Gelde, Kurpfalz aber über das viele „Geriß" der 
Kohlen klagte. 1767 befanden sich in Dudweiler, 
Sulzbach, Burbach, Gersweiler, Rnßhütte, beim Platin¬ 
hammer, in Klarenthal, in Schwalbach, Wellesweiler 
und Schiffweiler Kohlengruben. In Dudweiler war 
die ergiebigste Grube die Landgrube am brennenden 
Berge; hier wurden auf ein Lachter 180 Zenter Kohlen, 
jährlich im ganzen 1650 Fuder (zu 30 Zentner) ge¬ 
wonnen. Außerdem befanden sich in der Dudweiler 
Gemarkung noch an 12 andere Gruben oder vielmehr 
Stollen. Der Gesamtabsah war 1768, im Todesjahre 
des Fürsten, bereits auf 12 768 Fuder (beinahe 400 000 
Zentner) gestiegen, die 32 882 fl. einbrachten. Er hatte 
sich also seit der Einziehung der Gruben (1751) ver¬ 
fünffacht; davon wurde etwa die Hälfte ausgeführt. 
Auch für die S a a r i n d u st r i e war die Regie¬ 
rung Wilhelm Heinrichs epochemachend. Zunächst er¬ 
fuhr das seit alter Zeit im Lande betriebene Eifen- 
hültenwesen eine großartige Förderung, indem die vor¬ 
handenen Werke vergrößert, neue angelegt und die 
Verarbeitung des Roheisens vervollkommnet wurde. 
Auf dem Neunkirchener Werk, das 1748 eine 
Frankfltrter Firma auf 16 Jahre für 3500 fl. in Pacht 
nahm, wurde ein Stahlhammer und eine zweite Schmelze 
erbaut. Die Pächter erhielten das Recht, den Eisen¬ 
stein durch die Untertanen in der Umgegend graben 
zu lassen, auch auf ihre Kosten Steinkohlen zu brechen 
und 5000 Klafter Holz zum Preise von 4000 fl. aus 
den herrschaftlichen Waldungen zu beziehen. Ter 
Hüttensaktor zog 28 Arbeiterfamilien aus Württemberg 
heran. Im Übrigen waren die Arbeiter auf den fürst¬ 
lichen Werken durchweg Einheimische, und wir finden 
in den Pachtverträgen die ausdrückliche Bestimmung, 
daß auf den Hüttenwerken möglichst Leute aus der 
hiesigen Gegend beschäftigt werden sollten. Das 
Geislauterner Werk, sowie die Fischbacher 
Schmelze und der Scheidter Hammer waren 
für 8000 fl. verpachtet. In Geislautern waren zwei 
Schmelzöfen und ein Walzwerk in Betrieb; auch Stahl 
wurde hier fabriziert und zwar hatte das Werk solchen 
Ruf, daß 1756 der „Stahlmacher" Eberhard Groll 
mit zwei Stahlarbeitern von der preußischen Regierung 
aus Geislautern nach Malapane in Oberschlesien ge¬ 
zogen wurde, um dort die Stahlfabrikation einzuführen. 
Der Betrieb der S u I z b a ch e r Schmelze ist da¬ 
durch besonders merkwürdig, daß hier zuerst auf dem 
Festland der Versuch gemacht wurde, zum Schmelzen 
der Eisenerze an Stelle der Holzkohlen „ausgezogene 
Steinkohlen" (Koks) zu verwenden. Auf diesen Ge¬ 
danken kam man infolge der erschreckenden Abnahme 
der Wälder. Die Herrschaft Ottweiler hatte damals 
30 000 Morgen holztragenden Bodens, davon waren 
1788 schon zwei Drittel abgeholzt. Ein Morgen lieferte 
durchschnittlich 20 Klafter, doch die Hütte zu Neunkirchen 
brauchte jährlich 14 400 Klafter, fodaß die baldige Er¬ 
schöpfung des Waldbestandes vorauszusehen war. 
Schon früher hatte man die Steinkohle möglichst viel¬ 
seitig nutzbar zu machen versucht. 1748 war im Fisch¬ 
bachtale eine Rußhütte errichtet worden, deren Fabrikate 
zur Bereitung von Druckerschwärze und blauer Farbe 
dienten; 1757 übertrug Wilhelm Heinrich die gesamte
	        

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