Full text: 41.1913 (0041)

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kommen sein dürfte, etwas Näheres über den Diamanten 
und seine Fundstätten zu erfahren. 
Der Diamant — chemisch ein Kohlenstoff — ist unter 
allen Edelsteinen der wichtigste, wenn auch keineswegs 
der wertvollste. Was ihn aber vor allen anderen Edel¬ 
steinen in erster Linie auszeichnet, ist seine große Härte, 
sein hohes Brechungs- und Lichtzerstreuungsvermögen, 
dem er sein prächtiges Farbenspiel und seinen Glanz 
verdankt, und endlich seine Reinheit und verhältnis¬ 
mäßige Größe, in der er im Gegensatz zu anderen 
Edelsteinen wie Smaragd, Rubinen und Saphir ge¬ 
funden wird. 
Wegen seiner großen Härte findet der Diamant 
nicht nur Verwendung als Schmuckstein, sondern wird 
auch vielfach in der Technik gebraucht. Der großen 
Härte verdankt der Diamant auch seinen Namen, der 
vom griechischen „adamas", der „Unbezwingliche", ab¬ 
geleitet wurde. 
Die Reinheit und Durchsichtigkeit ist für den Wert 
der Diamanten zunächst bestimmend. Im allgemeinen 
stellt man fich unter einem Diamanten einen farblosen, 
klaren und durchsich¬ 
tigen Stein vor. Dem 
ist nun durchaus nicht 
so, denn nur etwa ein 
Viertel aller gefun¬ 
denen Diamanten hat 
diese Eigenschaft, wäh¬ 
rend ein anderes Viertel 
schwach und die übrige 
Hälfte mehr oder we¬ 
niger lebhaft gefärbt 
ist. Abgesehen von 
einigen ausgezeichneten 
grünen, dunkelblauen 
und blutroten Exem¬ 
plaren, die aber nur 
selten in den Handcl 
kommen und meist in 
den Händen der Minen¬ 
besitzer bleiben, sind die 
„blauweißen", wie sie 
in Brasilien und In¬ 
dien vorkommen, die 
wertvollsten. Die Kap¬ 
diamanten haben häufig einen Stich ins Gelbe. 
Abgesehen von der Reinheit und der Farbe ist auch 
die Größe der Diamanten für ihren Wert von Be¬ 
deutung. Das Einheitsgewicht, nach dem die Edel¬ 
steine gehandelt werden, ist das Karat — 0,205 Gramm. 
Kostet nun 1 Karat eines Diamanten z. B. 500 Mark, 
so soften 2 Karat von derselben Qualität nicht etwa 
1000 Mark, wie man annehmen sollte, sondern etwa 
2000 Mark. Bei größeren Gewichten ist dann der 
Unterschied noch beträchtlicher. Begründet ist diese 
sprunghafte Preissteigerung dadurch, daß für einen 
Edelstein ein Gewicht von über 1 Karat immerhin 
noch die Norm ist. Der größte bislang überhaupt 
gefundene Diamant ist in englischem Besitz. Er wurde 
am 26. Januar 1905 20 Meilen nordwestlich von 
Pretoria entdeckt. Sein Rohgewicht betrug 3024^4 
Karat — 620 Gramm, seine Länge 112 mm, die Höhe 
65 mm und die Breite 51 mm. Seinen Wert schätzte 
man auf 10000000 Mark, er wurde aber für 3000000 
Mark von der südafrikanischen Regierung angekauft 
und als Beweis ihrer „Loyalität" König Eduard von 
England als Geburtstagsgeschenk am 9. November 1907 
überreicht. 
Was die Kunst des Schleifens anbelangt, so ist 
diese schon recht alt. Zuerst dürfte sie in Indien aus¬ 
geübt worden sein. Erst verhältnismäßig spät kam 
sie nach Europa. Die Diamantschleiferei wird haupt¬ 
sächlich in Amsterdam und Antwerpen ausgeführt; in 
Deutschland in Idar und Hanau. Idar schleift aus 
eigene Rechnung, und die von dort kommenden Edel¬ 
steine erfreuen sich wegen ihres vorzüglichen Schliffes 
eines guten Rufes. Wegen seiner außerordentlichen 
tärte kann der Diamant nur mit seinem eigenen 
ulver geschliffen werden. 
Daß die Kunst des Diamantschleifens gerade in 
Indien ihren Anfang nahm, kann nicht überraschen; 
stammen doch auch die ältesten Diamantfunde, die 
gleichzeitig die schönsten und berühmtesten Steine liefer¬ 
ten, aus diesem Wunderlande. Bis zum 18. Jahr¬ 
hundert versorgte Indien die ganze Welt mit Dia¬ 
manten, heute ist die Produktion kaum noch nennens¬ 
wert. Der Diamantüberfluß in Indien war so groß, 
daß die Edelsteine vielfach zur Ausschmückung der 
alten Götzenbilder benutzt wurden. 
Ebenso wie Indien 
hat auch Borneo in 
früheren Zeiten be¬ 
trächtliche Mengen des 
Edelsteins hergegeben. 
In den letzten Jahr¬ 
zehnten jedoch ist die 
Produktion sehr zurück¬ 
gegangen. 
Nächst den indischen 
Fundstätten sind die 
brasilianischen Dia- 
mantvorkommen die 
ältesten. Sie wurden 
im Jahre 1728 von 
Goldsuchern entdeckt. 
Am ergibigsten ist heute 
die Provinz Bahia. 
Ebenso wie die in¬ 
dischen gehören auch 
jetzt noch die brasiliani¬ 
schen Steine zu den 
besten. Vom Beginn 
der Produktion bis 
zum Jahre 1850 sind etwa 10000000 Karat, das sind 
44 Zentner im Werte von über 300 Millionen Mark 
erbeutet worden. Für die letzten 50 Jahre wird der 
Ertrag auf weitere 200 Millionen Mark geschätzt. 
Die Diamantfunde in Australien, China und Nord¬ 
amerika sind für den Welthandel belanglos. An der 
Spitze marschiert jetzt Südafrika, das °/io des ganzen 
Welthandels an Diamanten deckt. 
Der erste südafrikanische Diamantfund fällt in das 
Jahr 1867. Ein Händler erhielt ihn von einem Bur, 
der von seinem Werte keine Ahnung hatte. Der Stein 
wog 241/4 Karat und brachte später 100000 Mark. 
Zwei Jahre später erhielt derselbe Bur von einem 
Hottentotten für 80000 Mark einen Diamanten von 
831/2 Karat. Dieser Juwel wird auf eine halbe Million 
Mark geschätzt und befindet sich im Besitze einer eng¬ 
lischen Gräfin. 
Schnell verbreitete sich damals die Kunde von dem 
neuen verheißungsvollen Diamantenfunde, und zahl¬ 
reiche Abenteurer stürmten aus aller Herren Länder 
herbei. Die Erwartungen wurden nicht getäuscht; 
hunderte von Gruben, eine neben der anderen, führten 
in die Erde hinab und in rapidem Tempo entwickelte 
Diamantenwäscherei bei Kolmanskop.
	        

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