Full text: 41.1913 (0041)

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Ans dem deutschen Diamantenlande. 
Von Hans Fischer. 
Über 17 000 junge Leute, Offiziere und Mann¬ 
schaften, sind mährend der Kriegszeit in Südwestafrika 
hinausgegangen. Hunderte von ihnen sind von Lüderitz- 
bucht durch den tiefen Sand der Namibwüste unter 
den sengenden Strahlen der afrikanischen Sonne land¬ 
einwärts gezogen. 
Die vielen Reiter, die durch die sandige Schale 
des beinahe vegetationslosen 150 Kilometer breiten 
Wüstengürtels in das Land hinaufritten, ahnten nicht, 
daß ihre Tritte die kostbarsten und schönsten aller 
Edelsteine in die Erde stampften. Und wenn sie, ge¬ 
blendet von dem Blinken und Flimmern der vielen 
kleinen Steinchen im hellen Sonnenglanze, die schmerzen¬ 
den Augen abwendeten, dann dachten sie nicht daran, 
daß zahllose Diamanten frei zutage liegend, ihre Feuer¬ 
strahlen zu ihnen emporsandten. 
Ich bin während meines Aufenthaltes in Südwest¬ 
afrika ebenfaus diese Strecke gezogen. Wer hätie 
mmals, wenn er im Sande ein glitzerndes Steinchen 
gewahrte, an Diamanten gedacht. Die ganze Wüste 
flimmert am Boden von kleinen und kleinsten Gesteins¬ 
kristallen und Glimmerstückchen, die aus dem Granit 
der Berge ausgewittert sind, und niemand achtet weiter 
darauf, wenn auch em Partitelchen einmal stärker 
glänzt, als das andere. Das Allermerkwürdigste ist, 
daß der ganze Eisenvahnbau von Lüderitzbucht nach 
Keetmannshoop über das diamantenhaltige Gelände 
Hinwegegang, n ist, ohne daß dabei ein einziger Stein 
gefunden wurde. 
Der Wassermangel in der Wüste und die dadurch 
erzwungene möglichste Beschleunigung bei der Durch¬ 
querung des Dünengürtels erklärt es zur Genüge, daß 
sich die Diamanten hier zu beiden Setten des einzigen, 
von Taus, nden begangenen Zugangsweges nach dem 
Innern 25 Jahre lang der Entdeckung entzogen. 
Im Mai 1908. als die Bahn längst Keetmanns¬ 
hoop erreicht Halle, fand, wie erwähnt, ein mit Erd¬ 
arbeiten beschäftigter Neger den ersten Diamanten. 
Der Mann hatte früher in den Diamantmmen der 
De Beers-Gesellschaft in Kimberley gearbeitet und 
kannte die Edelsteine ganz genau. Er begab stcy zum 
Oberbahnmeister Stauch und zeigte diesem seinen Fund 
mit den Worten: „Mister, ick hat een Demant!" 
Stauch besah den Stein, fragte den Eingeborenen aus 
und ließ nach weiteren Steinen suchen, und da ergab 
sich die überraschende Tatsache, daß sich in der Nähe 
dort ein richtiges Diamantfeld befand. Die Gegend 
besteht aus seinem Sand, au£ dem oben eine Schicht 
von kleinen, linsenförmigen Steinchen ruht, die einen 
Durchmesser von ungefähr 5 mm aufweisen. Quarz, 
Achat, Jaspis und schwarzer Kieselschiefer sind die 
hauptsächlichsten Bestandteile des vom Winde ge¬ 
schlissenen Steingemengsels. Zwischen diesen kleinen 
Steinchen liegen die Diamanten. 
Als die Kunde von den Edelsteinfunden auftauchte, 
wurde natürlich ganz Lüderitzbucht mobil. 30—40 
Schürfscheine wurden an einem Tage bestellt und auf¬ 
gebaut. Mit Pferden, Mauleseln, Karren und Wagen 
zog ganz 
Lüderitzbucht 
hinaus, um 
sich den besten 
Platz zu 
sichern. Und 
zur freudigen 
Überraschung 
fand man, 
daß es sich 
nicht um ein 
vereinzeltes 
Vorkommen 
handelte, son¬ 
dern, daß 
kilometerweit 
nordwärts, 
hauptsächlich 
aber südwärts 
der Sand 
Diamanten 
enthielt. 
Da die Gewinnung der Diamanten noch in den 
Anfängen ist und überhaupt in primitivster Weise vor 
sich geht, so sieht man auf den dortigen Feldern noch 
nichts von großartigen Anlagen, wie man sie in den 
Diamanlminen von Britisch Südafrika vorfindet. 
Baracken und Zelte, herumwimmelnde Menschen und 
Pferde, das ist im besten Falle alles, was es zu sehen 
gibt. Aber bei all dem sind doch schon Millionen aus 
dem Sande herausgeholt worden. 
Auch die Stadt Lüderitzbucht selbst hat ganz anderes 
Gepräge bekommen. Es herrscht dort eine fieberhafte 
Tätigkeit. Jeden Tag werden neue Diamantgesell¬ 
schaften mit mehr oder minder reeller Grundlage ge¬ 
gründet. Manche verschwinden ebenso rasch von der 
Bildfläche, wie sie aufgetaucht sind. Immerhin gibt 
es schon eine Reihe von Gesellschaften, die ernsthaft 
bewertet werden, wie der Kurszettel der Lüderitzbuchter 
Börse ausweist. 
Durch die überraschenden Funde von Diamanten 
in Deusch-Südwestafrika ist das Interesse weiterer 
Kreise geweckt worden, so daß es den Lesern will- 
Die Diamantenstadt Lüderitzbucht.
	        

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