Full text: 41.1913 (0041)

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Unteroffizier fuhr herum und sah mit dem weit offenen 
Munde voll Speck und Brot noch komischer aus. 
„Ölkopp! Alter dummer Olkopp! Lebst du denn 
wahrhaftig noch. Junge, Junge! Das ist ja ein Wunder! 
Ich habe schon 'ne Meldung an den Herrn Oberst 
geschrieben, wegen deiner Ehrentafel, weißt du. Und 
nun lebt der Kerl auf einmal! Mensch, dafür muß 
ich dir 'n Kuß geben, sowahr ich dein aller Rekruten¬ 
vater bin, denn du machst mir Ehre!" 
Und der von harten Diensterfahrungen gereifte 
Mann stand mit Tränen der Freude in den Augen 
am Lager seines jungen Kameraden und rieb seine 
bärtige Wange an der schmal gewordenen Backe 
des Verwundeten. Das nannte er küssen. Gleich 
darauf stolperte er sporenklirrend hinaus und alarmierte 
die ganze Besatzung der Feste, und alle kamen herbei 
und staunten, daß der zerschundene, zerbläute und halb 
verblutete Reiter wieder zum Leben erwacht war. 
Karl Giebels große Kinderaugen staunten über dies 
alles. Er wollte allerlei fragen, aber das erlaubten 
die Schmerzen nicht, die ihn quälten. So lächelte er 
nur freundlich und verfiel matt und müde wieder in 
Schlaf. 
Aber doch gings langsam weiter und nach zwei 
Wochen durfte Notnagel ihm erzählen, wie die Leute 
der Feste eines Tages die Kolonne befreiten, den ganzen 
Reichtum an Lebensmitteln und Munition hinter den 
Mauern bargen und nun aushalten konnten, bis die 
starke deutsche Streitmacht von Norden her kommend, 
den Süden befreien würde. „Und das unsere Knochen 
noch nicht im heißen Sande des Affenlandes bleichen, 
das ist allein dein Werk, du guter alter Öltopp! Und 
ich hab' schon alles gemeldet. Vier große Bogen voll 
habe ich geschrieben. Ja, wenn wir einst zu Hause 
ankommen, dann werden sie dich ehren, mein Junge!" 
Karl drückte seinem Unteroffizier schweigend die 
Hand. Ihm fehlten die richtigen Worte, seine Freude 
auszudrücken. Aber in stiller Nachtstunde träumte er 
glückselig von dem grünen Eichenkranz, der die Ehren¬ 
tafel schmückte. Der schillernde Zweig winkte ihm zu 
und legte seine blanken Blätter liebkosend um einen 
ganzneuenNamenundderhieß: „KarlGiebel, Gefreiter." 
Wie unser Reiter es träumte, so ist es geworden. 
Als er eines Tages am Stock humpelnd, mit dem 
Arm in der Binde, auf dem Appellplatz seines alten 
Regiments angekommen war, da führte ihn der Oberst 
selbst in das Kompagnierevier, und staunend stand der 
Afrikainvalide vor der Ehrentafel und las flüsternd 
und tief ergriffen unter den sür's Vaterland Verwun¬ 
deten seinen eigenen Namen. Der Eichenkranz um¬ 
schloß ihn und die Lichter der Heimatsonne spielten 
mit den grünen Blättern, die wie Gold schillerten, als 
wenn sie frisch aus dem Bergwald gekommen wären. 
Ein interessanter Transport eines der größten Maschinenteile 
für die neuen Gasmaschinen der elektrischen Zentrale 
der Kraft- und Wasserwerke auf Grube 
Heinitz ist in diesem Bilde festgelegt. Es handelt 
sich hier um den Transport eines der vier großen Kur¬ 
belgestelle vom Grubenbahnhofe Heinitz am Jnspektions- 
qebäude vorbei nach der Zentrale. Das im Bilde 
funken ist. In solchen Fällen mußte der Wagen mit 
Winden herausgehoben und auf dicke eiserne Platten 
gesetzt werden. Diese Arbeit war äußerst mühsam und 
stellte große Anforderungen und Sachkenntnis an die 
mit dem Transport betrauten Personen. Vor der 
Zentrale angelangt, wurden die Maschinenteile auf 
vorgeführte Stück hat ein Gewicht von 840 Ztr. 
Zu der Fortbewegung desselben auf besonders stark 
gebauten Wagen, waren mitunter bis zu 30 Pferde 
erforderlich. Die Kurbelwellen dieser Maschinen wiegen 
sogar040Ztr. DerTransportdieserschwerenMaschinen- 
teile gestaltete sich unter Umständen recht schwierig, indem 
es des öfteren vorkam, daß der Wagen unter dem 
kolossalen Gewicht an verschiedenen Wegestellen einge- 
starke Holzbühneu gesetzt und alsdann mittelst Häspeln 
und Winden auf die vorgerichteten Fundamente trans¬ 
portiert. Die gewaltigen Maschinen von je 4600 (PS 
wurden von der Firma Ehrhardt & Sehmer in Schleif¬ 
mühle gebaut. Der Transport der sämtlichen Maschinen¬ 
teile war dem Fuhrunternehmer Baum in Altenwald 
übertragen worden.
	        

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