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H at t ort aI(cf? at) e sprechen, der, unmittelbar von 
der Natur gespendet, reichen Segen über ein Land 
auszuschütten vermag, wenn er der Erde ab¬ 
gerungen wird. Denn in schier unendlicher Viel¬ 
seitigkeit durchdringt und befruchtet er fast alle Gebiete 
des modernen Kultur- und Wirtschaftslebens. Er weist 
neue Wege und läßt neue Ziele entstehen für die Er¬ 
forschung der Naturgesetze, für die geistigen Kräfte 
des Volkes, die nach Betätigung dränge::, und für den 
stolzen Aufbau eines im besten Sinne modernen, nicht 
nur wirtschaftlich, sondern auch ethisch durchgebildeten 
und festgefügten Staatsgebildes. 
freilich geben die Berge ihre Schätze nicht kampflos 
heraus. Längst sind die Zeiten vorüber, da im stillen 
Tale der Bergmann seinen eigenen Stollen befuhr und 
beim Klange von Schlägel und Eisen in friedlichster 
Arbeit seine eigenen Erze brach. Aus den Lebens- 
rdyllen, die in den alten Bergmannsliedern gepriesen 
werden, haben sich gewaltige Tu mm e I p I ätz e s p rü h en- 
den Lebens entwickelt. Kühner Unternehmergeist 
und Wagemut, gepaart mit einem klaren Blick für 
wirtschaftliche und soziale Möglichkeiten und 
Notwendigkeiten, seltene Ausdauer, ein gegen 
Enttäuschungen gewappneter Sinn und eine 
durchgebildete Kriegskunst gegen die Gefahren 
der Teufe sind die Grnbenbedingungen für 
die moderne Erschließung der Naturschätze. 
Eine freie und weise Berggesetzgebung, welche 
der freudigen Entwickelung dieser Grundbedingungen 
Tür und Tor öffnet und nur da bremsend eingreift, 
wo die Ueberspannung der Kräfte zum Taumeln führt, 
muß den weg begrenzen, auf welchem die Entwickelung 
vorwärtsschreitet, weitblickende Männer, die über die 
Aufgaben des Tages hinausgewachsen sind und die 
Funktionen des Linzelgliedes in: Gesamtorganismus 
zu deuten verstehen, müssen bannertragend voranschreiten 
und Kräfte sammeln zu gleichem Wegeschritt und zum 
Streben nach demselben Ziele, der Stärkung aller 
nationalen Arbeit zum wohle des gesamten Vater¬ 
landes. Nur dann wird der Bergbau seiner 
Aufgabe voll gerecht." 
Das sind inhaltsreiche Worte in wenigen Sätzen, 
die zum Nachdenken jedem Bergmann empfohlen werden 
können. Und in der Tat, soll der Bergbau seine Auf¬ 
gabe auch ganz erfülle::, so ist, das darf in weiterer 
Ausführung obiger markanter Worte gesagt werden, 
dazu in erster Linie erforderlich, daß ein gutes Ver¬ 
hältnis zwischen Arbeitern und Arbeit¬ 
gebern, zwischen Verwaltung und Beleg¬ 
schaft besteht, ein inniges Verhältnis, das alle, 
ob Beamte oder Bergleute, einander menschlich näher 
bringen soll und muß. Schon lange nicht mehr kann 
man leider ein solch gutes Verhältnis,, das auf gegen¬ 
seitigem vertrauen beruht, wie es früher der Fall war, 
dem Saarrevier nachrühmen aus Gründen, auf die wir 
hier nicht näher eingehen können und wollen, wir 
leben ja heute in einer Zeit, in welcher gerade dieses 
Verhältnis, überall, wohin wir auch blicken mögen, 
nicht das beste ist, in einer Zeit, in welcher man von 
gar vielen Seiten bemüht ist, die Arbeiter für gewisse 
Zwecke dadurch zu gewinnen, daß man in ihnen 
wünsche weckt und ihnen alles mögliche, was niemals 
zu verwirklichen ist, verspricht und auf diese weise 
manchen mit seinem Beruf bisher zufriedenen Menschen 
mit seinem Schicksal in Bader bringt, wir leben in 
einer Zeit, in welcher nicht nur die Arbeiter, sondern 
auch alle anderen Stände auf ihre Rechte pochen, sich 
immer lieber auf diese verweisen lassen, als daß sie sich 
der pflichten bewußt werden oder von anderen, 
die es gewiß gut mit ihnen meinen, an die Er¬ 
füllung ihrer Pflichten sich ermahnen lassen. 
Besonders auf einen großen Teil unserer Saarbergleute 
ist auf diese weise eingewirkt worden, leider bei vielen 
mit dem Erfolge, daß das Verhältnis, wie es über 
ein Jahrhundert zwischen Bergbeamten und Bergleuten 
hier an der Saar bestanden hat, beeinträchtigt worden 
ist. Der vernünftige Bergmann aber hat sich von 
solchem Einstuß frei gehalten, er weiß gerade so gut, 
wie der Beamte, ob hoch oder niedrig, wie der 
Kaufmann oder Gewerbetreibende, wie der Lsandwerker 
oder Tagelöhner, daß die Zeit niemals da war und 
auch nie kommen wird, welche die Wünsche jedes 
einzelnen erfüllen kann. Dem einen geht es nun ein¬ 
mal in dieser Welt besser wie dem anderen, der eine 
hat mehr als der andere, der eine spart mehr, als es 
dem anderen zu sparen gelingt usw. 
t?o begreiflich der Wunsch nach »Verbesserung der 
persönlichen Linnahmeverhältnisse eines jeden Menschen 
ist, so selbstverständlich aber muß es jedem ruhig 
denkenden Menschen erscheinen, daß in einen: großen 
Betriebe sich alles nur in einem ordnungsinäßigen 
Gange vollziehen kann, insbesondere, daß alle 
wünsche in allg en:ein zufrieden st eilender 
weise niemals erfüllt werden können. 
Gute und schlechte Zeiten wechseln miteinander ab. 
Es sei deshalb daran erinnert, wie häufig auch in 
früheren Jahren infolge Absatzmangels und sonstiger 
ungünstiger Verhältnisse Feierschichten eingelegt, die 
Löhne reduziert und Arbeiter entlassen werden 
mußten. Solche Zeiten kehren, wie gesagt, immer 
einmal wieder und wenn sie auch hart empfunden 
werden, so sind sie vielen mitunter doch eine gute Lehre 
und eine eindringliche Mahnung. 
Unser Wunsch geht dahin, daß diese schlechten Zerten 
nun überstanden sein möchten, und daß die gerbst- und 
Winterszeit eine flotte Förderung und einen flotten 
Absatz bringen mögen, damit unsere Bergknappen froh 
und wohlgemut in das neue Jahr \^\2 hineingehen 
können. Seitens der Bergverwaltung sind ja die weit¬ 
gehendsten Maßnahmen getroffen, um allen Ansprüchen 
genügen zu können, sobald reichlich Kohlenbestellungen 
einlaufen; an unseren Knappen liegt es dann, durch 
tüchtige Leistungen eine möglichst hohe Förderung und 
dadurch eine recht gute Entlohnung herbeizuführen. 
Sind die Zeiten dann wieder besser geworden, so wird 
jeder sich seines Daseins und seines Berufes freuen, 
damit es jeden: wieder zum Bewußtsein kommt, daß 
er wahrhaft Gott danken kann, ein Deutscher zu sein, 
vollkommen ist nichts in der Welt; was aber in des 
Menschen Macht liegt, seine Lage zu verbeffern, wird 
bei uns im Deutschen Reiche gewissenhafter und eifriger 
getan als anderwärts; wer es nicht glauben will, der 
gehe einmal in ein anderes Land und er wird gründ¬ 
lich bekehrt zurückkommen. 
Deshalb Kopf hoch und frohen Mutes hinein in 
das Jahr \9\2, welches unseren braven Männern vom 
Schlägel und Eisen nur Glück und Zufriedenheit bringen 
möge, welches vor allen Dingen sie verschonen möge vor 
jeglicher Gefahr und jeglichem Unglück. In diesem 
Sinne unseren Knappen ein 
herzliches Prosit Neujahr und Glückauf \ 9\2\
	        

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