Full text: 33.1905 (0033)

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Abteilung will eben in ein Hans eindringen, als der 
Oberst, Graf Waldersee, seinen Leuten befiehlt, halt zu 
machen, da aus den Fenstern jenes Hauses mit weißen 
i Tüchern das Zeichen freiwilliger Übergabe gegeben 
Schlostruine Bucherbach (südw. Cölln). (Zu dem Artikel auf vorstehender Seite.) 
Feinde der Ort zu entreißen. In der Mitte rückten 
ein Bataillon vom Regiment Königin August« und drei 
Bataillone vorn Regiment Königin Elisabeth vor, um 
das Dorf nit Norden anzugreifen, während zwei Ba¬ 
taillone des Kaiser Franz- 
Garde - Grenadier - Regi¬ 
ments und zwei Batail¬ 
lone des Kaiser Alexan¬ 
der-Garde- Grenadier-Re¬ 
giments mit zwei Batte- 
rieit vordrangen, um sich in 
den Besitz der südlichenAns- 
gänge des Dorfes zu setzen, 
damit durch diese Umfas¬ 
sung dem Feinde der Rück¬ 
zug "auf St. Denis tlnd die 
Stadt abgeschnitten werde. 
Die Stärke der Franzosen 
in der von ihnen zu vertei¬ 
digenden Stellung betrug 
6000 Mann; außerdem 
warei: noch mehrere Ba¬ 
taillone auf der Straße 
südwestlich nach Paris in 
Reserve ausgestellt. 
Das Gefecht begann 
morgens um 8 Uhr mit 
Geschützfeuer, das auf Le 
Bourget gerichtet wurde. 
Darauf begann der opfer¬ 
freudige Vormarsch unse¬ 
rer braven Garde-Grena¬ 
diere. Sie konnten anfangs, 
ohne ans Widerstand zu 
stoßen, vorgehen und ihre Batterien in Stellung brin¬ 
gen, was der Feind vergeblich zu verhindern suchte. 
Diese Bataillone erreichten so die Straße südlich von 
Le Bourget, vertrieben den Feind aus seinen festen 
Verschanzungen und Ver¬ 
hauen und warfen seine 
Reserven, welche in eili¬ 
ger Flucht den Rückzug 
antraten. Inzwischen 
war es im Dorfe selbst, 
wo die Franzosen die 
hartnäckigste Gegenwehr 
leisteten, zu einem blu¬ 
tigen Handgemenge ge¬ 
kommen. General-Leut¬ 
nant von Budritzki, der 
Führer dieser Braven, 
war beim Vorgehen des 
Regiments Elisabeth an 
die Front desselben ge¬ 
ritten und hatte dann, 
nachdem er vom Pferde 
gestiegen, die Fahne er¬ 
griffen, um seine Truppen 
zum Sturm zu führen. 
Unter den denkbar schwer¬ 
sten Opfern gelang es, 
in dem Dorf festen Fuß 
zu fassen. Neben dem 
Divisionskommandeur von Budritzki siel in der Dorf- 
straße Oberst voik Zaluskowski, schwer verwundet, — 
er ist bald darauf verschieden. Auch das Regiment 
Königin Augusta war in Le Bourget angelangt. Eine 
wird. Graf Waldersee, der Kommandeur jenes Regi¬ 
ments, erst vor zehn Tagen von seiner bei dem Sturm 
auf St. Privat erhaltenen Verwundung soweit wieder 
hergestellt, daß er gu seinem Regiment hatte zurück¬ 
kehren können, sprengt 
gegen das Hans vor, um 
selbst mit den Bewoh¬ 
nern zu sprechen. Indem 
er voranreitet, trifft ihn 
aus den Fenstern dieses 
Hauses eine Kugel, die 
ihn auf der Stelle tötet. 
Ein Offizier eilt schnell 
herbei, um den gefallenen 
Regimentskommandeur 
in seinen Armen aufzu¬ 
fangen, als ihn dasselbe 
Schicksal erreicht; auch 
ihn trifft das Tvdesblei. 
Als die tapferen Garde- 
Grenadiere dies sahen, 
ergriff sie die äußerste 
Erbitterung; mit Kolben 
und Bajonett gehen sie 
vor: 
„Hei, wie wird da im Sturm 
Genommen Haus für Haus ! 
Man fegt von roten Hosen 
Das Dorf gar gründlich aus." 
Der Feind wird um 12 Uhr mittags nach hart¬ 
näckiger Gegenwehr aus allen seinen Stellungen ge¬ 
worfen und muß das Dorf Le Bourget räumen; über 
1200 unverwundete französische Gefangene fielen in die 
Tchlostruine Bucherbach. (Von Süden nach Norden gesehen.) 
(Zu dem Artikel auf vorstehender Seite.)
	        

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