Full text: 33.1905 (0033)

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Saarbrücken im 30 jährigen Kriege. 
Von Prof. Ruppersb erg-Saarbrücken. 
(®i Anfange des 17. Jahrhunderts herrschte allent- 
?idl halben Wohlstand im Saarbrücker Lande. In 
Saarbrücken residierte Graf Ludwig, der die 
sämtlichen Länder des Walramischen Stammes in seiner 
Hand vereinigt hatte und nun über die Grafschaften 
Saarbrücken und Ottweiler, die Herrschaften Blieskastel, 
Kirchheim und Lahr, die Vogtei Herbitzheim, das Amt 
Saarwellmgen und über die überrheinischen Graf¬ 
schaften Naffau-Weilburg und Wiesbaden-Idstein gebot. 
Das alte Schloß in Saarbrücken hatte er mit 
einem Aufwand von 93000 Gulden zu einem präch¬ 
tigen Herrschersitz umgestaltet; gegen seine Städte 
Saarbrücken und St. Johann erwies er sich sehr 
freigebig, stattete das Hospital reichlich aus und ver¬ 
wandelte die Lateinschule in Saarbrücken 1604 in 
ein mit tüchtigen Lehrkräften und reichen Einkünften 
versehenes Gymnasium. In den beiden Städten, die 
zusammen beinahe 6000 Einwohner hatten — eine für 
jene Zeiten ansehnliche Zahl — blühte mancherlei Ge¬ 
werbe und ein ausgedehnter Handel; dazu hatten die 
Bürger ansehnlichen Grundbesitz. Aber auch auf dem 
Lande herrschte Wohlstand und Zufriedenheit. Der 
Bauer wurde der Früchte seines Fleißes froh. Die in 
Dudweiler, Sulzbach und der Grafschaft Ott- 
weil er gegrabenen Steinkohlen fanden besonders 
nach der Pfalz zu lohnenden Absatz; der Stapelplatz 
für den Schiffsverkehr war die Ko hl wage in Saar¬ 
brücken. Im Sinnertal, bei Schiffweiler, Wiebels¬ 
kirchen, Neunkirchen und Geislautern pochten die 
Hämmer der gräflichen Eisenhütten, die den im 
Lande selbst gegrabenen Eisenstein verwerteten, doch 
auch lothringische Erze einführten. Bei Wehrden 
bestand eine Kupferhütte und in Warndtwalde bei 
Wilhelmsbrunn betrieben um ihres Glaubens willen 
vertriebene Franzosen, die der Graf in den heutigen 
Dörfern Ludweiler (Ludwigsweiler) und Naßweiler 
(Nassauweiler) angesiedelt hatte, mehrere Glashütten. 
Um den Handel zu fördern, verabredete Graf Ludwig 
mit dem Herzog von Lothringen die Schiffbar¬ 
machung der Saar von Herbitzheim bis Saar¬ 
brücken. 
Dieser erfreuliche Zustand des Landes fand ein 
klägliches Ende durch den 30jährigen Krieg. Die 
Ursache des Krieges war im Grunde, daß der Kaiser, 
welcher von Jesuiten in der Anschauung erzogen war, 
daß die Evangelischen fluchwürdige Ketzer seien, diese 
nicht als gleichberechtigte Untertanen anerkennen, son¬ 
dern mit Gewalt in den Schoß der katholischen Kirche 
zurückführen wollte. 
Der friedliebende Graf Ludwig hielt sich in diesem 
Kriege neutral, mußte aber trotzdem die traurige Er¬ 
fahrung machen, daß kaiserliche Kriegsvölker und die 
mit diesen verbündeten Spanier seine Länder auf das 
schmählichste aussogen und verwüsteten. 
In Vorahnung schwerer Zeiten ordnete Graf Lud¬ 
wig auf den 1.Januar 1622 einen allgemeinen Buß- 
und Bettag an; zugleich wurden die Städte Saar¬ 
brücken und St. Johann in Verteidigungszustand 
gesetzt. Und der erwartete Feind blieb nicht aus. 
„Am 26. Juli 1622", berichtet der Rektor''des Gym¬ 
nasiums in Saarbrücken, Schröter, „ist das spanische 
Kriegsvolk in die benachbarten Dörfer gekommen. Gott 
woll' uns vor allem Übel gnädig behüten." Diese 
Spanier waren auf der Verfolgung des Grafen Mans¬ 
feld begriffen, der sich aus der Pfalz nach dem Elsaß 
zurückgezogen hatte. 
Zwei Jahre später führte die feindliche Haltung 
der Franzosen kaiserliche Truppen in unser Land. Aus 
den Jahren 1626 und 1626 wird die Anwesenheit der 
Kurtenbachschen, Schmidtschen und Kratzischen Regi¬ 
menter gemeldet, welche die Vorräte der Landbewohner 
völlig aufzehrten. Und obwohl der Graf eine kaiser¬ 
liche Salvagardia (Schutzbrief) erwirkte, kamen im 
Jahre 1627 Fuggersche und Pappenheimsche Kriegs¬ 
völker ins Land, die große „Jnsolenzien" verübten. 
Am schlimmsten aber trieben es einige Kompagnien 
des Obersten Kratz, der einen geringfügigen Vorfall 
benutzte, um einen förmlichen Raub- und Plünde¬ 
rungszug gegen die Grafschaft Saarbrücken ins 
Werk zu setzen. Mit acht Kompagnien erschien sein 
Oberstleutnant in unserer Gegend und legte sich in 
Fechingen ins Quartier. Ein gleichzeitiger Bericht 
sagt darüber: „Und ist dieses Volk mit solchem Be¬ 
drohen ins Land kommen, daß alles, was nassauisch 
wäre, ihnen preisgegeben sei. Ganze Herden von 
Schafen und Rindvieh, und alles, was von Pferden 
meilenweit zu bekommen war, ist abgetrieben und ver- 
partiert (verteilt) worden. Man hat der Herrschaft 
Höfe nicht geschont, ja mit Abnahme des Viehes sich 
bis an die Stadttore gewagt, allda der jungen Herr¬ 
schaft Pferde weggenommen, das Siechhaus beb St. 
Johann geplündert und die Inwohner daraus ver¬ 
trieben, die Gräflich Begräbnis zu Arnual und die 
Kirche spoliert (beraubt), alle Türen solcher vornehmen 
Kirchen, ja diejenige, so zum Gewölb der Begräbnis 
geht, mit Gewalt verschlagen und alles, was zu be¬ 
kommen gewesen, mitgenommen. Die andern aber sind 
ins Köllertal gerückt vor das Schloß Bucherbach, 
haben zum Schein 6000 Rthlr. Brandschatz gefordert, 
alsbald die Schäferei und herrschaftlichen Hof nebst 
einem Teil der Dörfer Kölln und Engelfangen, 
18 Häuser, im Beisein der Hauptleute Gauch und 
Weiler in Asche gelegt, sodann folgenden Tags auch 
die herrschaftliche Mühle zu Elm angezündet." 
„Als die zu Völklingen gelegenen vier Kompag¬ 
nien abmarschiert, haben sie noch Tags zuvor die herr¬ 
schaftliche Heuscheuer zu Fürstenhausen nebst 
6 Häusern zu Völklingen verbrannt, dann etliche 
Häuser, so sie unterwegs angetroffen. Und als sie vor 
der Stadt Saarbrücken vorüber marschiert, ist das 
nächstgelegene Dorf Malstatt unter der Herrschaft 
Augen zu sonderlichem Despekt (Verachtung)^derselben 
freventlicher Weise von ihnen angesteckt und 20 Häuser 
mit allem Getreide, Fütterung und herrschaftlichem 
Zehnten verbrannt worden." 
Vorher schon hatte der Graf von Schlick das Tal am 
Fuße der naffauischenFestungH omburg geplündert, das 
Dorf Beeden zu Grunde gerichtet, alles bewegliche 
Eigentum fortgeschleppt und den gräflichen Beamten 
hohes Lösegeld abgefordert. Von dort rückten die 
Kaiserlichen vor das Schloß Neunkirchen, in welches 
die Untertanen aus den umliegenden Dörfern ihre 
Habe geflüchtet hatten, zerhieben das Tor, raubten 
| alles, was ihnen von Wert dünkte, und mißhandelten
	        
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