Full text: 23.1895 (0023)

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Bisher hatte es nicht zu seinen ewohnheiten ge- 
hört, die Mutter warten zu laſſen, Hum Slase Bier 
war er immer erſt ſpäter gegangen, wenn er überhaupt 
Neigung und Luſt dazu verſpürte. Meistens gefiel 
es ihm zu Hauſe am besten, und die Mutter ließ ihm 
einen Schoppen in das gemütliche Wohnzimmer oder 
ut r gt t LLL: 22,22; 
ym dieſe Tageszeit im Wirtshauſe sitzen zu ſehen. 
Ex kam auch anfangs über das Unbehagen nicht 
hinweg, welches ihm der Gedanke an die ihn Erwartende 
bexeitete. Erſt beim zweiten Glas begann er sich un- 
befangener zu fühlen. Schien es doch wirklich, als 
wollte ihn hier die Pein der zehn Mark wegen ver- 
laſſen, „Nur ein tüchtiges Loch in des Wirts Vor- 
rat getrunken,“ munterte er sich auf, „und das ihn 
§uzlezde Sofhſus würde gänzlich aus ſeiner Taſche 
eſchwunden ſein !“ 
s Auf das Geſpräch ſeiner Kameraden hatte er noch 
nicht achtgegeben. Allmählich legte er jedoch ſeine 
Herftreutheit ab und hörte dem zu, was ſie ſagten. 
Ihm gegenüber hatte Ludwig Butzer, ein Schulge- 
fährte Hermanns und Nachbarsſohn, Platz genommen, 
ein frecher, zudringlicher und liederlicher Burſche, der 
trog seines weit und breit bekannten Spitznamens ; 
„der rote Lut “ sich keiner allzugroßen Beliebtheit er- 
freute. Sobald dieſer ſah, daß Hermann sich noch um 
andere Dinge als um ſein Glas zu bekümmern anfing, 
ließ ihm die Luſt, mit dem stillen Jugendgenosſen an- 
zubinden, keine Ruhe mehr. 
„Schau, der Hermann!" sagte er laut genug zu 
seinem Nebenmann, daß jener es hören mußte; „wie
	        
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