Full text: 23.1895 (0023)

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Eylau’ſchen Stallknechte übergeben hatte und galoppierte 
davon –~ wohl mit dem bitteren Gefühl im Bujſen, daß 
Menſchen, die er Jahre lang reichlich belohnt hatte, gerade 
in einem Augenblicke ſo undankbar gegen ihn handeln konn- 
ten, wo alles darauf ankam, daß der Feldherr wieder unter 
sicherem Geleite zu ſeinem Generalstabe zurückkehre. ~ Hätte 
der Küster, nachhem Napoleons Begleitung geflohen war, 
die Kirchenthür wieder verſchloſſen, ſo wäre der mächtigste 
aller Kaiſer gefangen geweſen, und die Weltgeschichte ſeit 
1807 hätte einen anderen Verlauf genommen. Viel Blut 
wäre erſpart worden und des Küsters Name wäre unſterb- 
lich gewesen. 
y Kaffee Kaiſer Ro tbar ts. Es war etwa vor 
sechszig Jahren, als ein auf einem Aussfluge begriffener 
Schullehrer an einem heißen Sommertage von Tilleda aus 
den Kyffhäuſer bestieg und ſchweißtriefend oben anlangte. 
Dort warf er sich neben dem verfallenen Erfurter Thore, 
sogenannt, weil man auf dieſer Stelle die Türme von Erfurt 
Fehen kann, in's Gras und rief in ſeiner fröhlichen Laune: 
„Ach, Kaiſer Rotbart, ich wollte, Du ſchickteſt mir eine Tasse 
guten Kaffee !! Kaum hatte er die Worte geſprochen, als 
aus dem Erfurter Thore ernst und ſchweigend eine Jung- 
frau hervortrat mit einer Taſſe Kaffee in der Hand, die ſie 
dem Fremdling darbot. Dieſer erbleichte, ſprang auf und 
rannte voller Entſeßen von dannen, den Berg hinunter bis 
Tilleda. Hier vermochte er im Gaſstzimmer vor Aufregung 
kaum sein Abenteuer zu erzählen und verfiel noch an dem- 
ſelben Tage in ein hitiges Fieber, das ihn an den Rand 
des Grabes brachte. Bald erklärte ſich aber auch die Ge- 
spenslergeſchichte. Eine Geſellſchaft aus Frankenhauſen hatte 
den Berg beſucht und im Thorgewölbe ſich einen Kaffee ge- 
kocht. Als man dabei war, ihn zu trinken, war der Lehrer 
erſchienen und hatte jenen Ausruf gethan, worauf eine junge 
Dame, den Scherz verfolgend, ihm eine Taſſe Kaffee hinaus- 
trug. Obgleich, als die Erkrankung des Erſchrockenen be- 
kannt wurde, das junge Mädchen ſselbſt an sein Krankenlager
	        
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