Full text: 23.1895 (0023)

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womöglich vermehrte und verbesserte Auflage erleben.“ Der 
König lachte. Wieder war es Weihnachtsabend geworden 
und wieder erhielt der General v. Malachowsky vom König 
ein Angebinde überſandt ~ daſſelbe Büchlein mit noch be- 
deutenderem Inhalt. Auf dem Titelblatte aber stand von 
des Königs Hand geſchrieben: „Yweite vermehrte und ver- 
beſſerte ~ aber auch lezte Auflage.“ 
Der Regenſchirm der Kaiſerin von Deſster- 
Lin Gt hubie Mohr Monarchin" bekannt erte 
überaus rüſtige Fußgängerin, unternahm kürzlich einen ziem- 
lich weiten Ausflug in die Umgebung, begleitet von einer 
Hofdame. Plötzlich stellte sich ein Platzregen ein. Allein 
die Kaiſerin war durch den heftigen Regen nicht in Ver- 
legenheit geſett, ſpannte ihren Schirm auf und ging ruhig 
. weiter. In der Nähe von Weidlingau bemerkte die hohe 
Frau unter einem dichtbelaubten Baum ein vielleicht acht- 
jähriges hübſches Mädchen stehen, das sich da vor dem Naß- 
werden ſchüßen wollte. Die Kaiſerin trat auf das Kind zu 
und begehrte irgend eine Auskuuft, die ihr auch erteilt wurde. 
Die Fragerin dankte dem Mädchen freundlichst, als dieses. 
plößlich bat: „Guä’ Frau, bitt’, laſſen S' mich unter'm 
Schirm mitgehen!“ HBereitwilligſt wurde nun dieſem An- 
ſuchen willfahrt und luſtig ſchwaßend ging das Mädchen mit 
den beiden Damen. Die Kaiſerin erkundigte ſich über die 
Verhältnisse der kleinen Begleiterin, ob ſie in der Schule 
brav ſei u. ſ. w. Als der Regen nachgelaſſen hatte, wollte 
sich dann die Kleine mit einem „Küß’' d' Hand !“ entfernen,. 
als ihr die Naiſerin ihren eigenen Schirm reichte. ,„Da haſt 
Du, den Schirm ſchenke ich Dir, damit Du, wenn es wieder 
regnet, nicht naß wirſt.“" Die Kleine meinte überraſcht : 
„Na, gnä’ Frau, haben denn Sö ſo viel Geld, daß S' ſich 
an neuchen Schirm kaufen können ?“ Als nun die Monarchin 
höchlichſt ergößt dem Mädchen den Schirm aufdrang, da 
nahm ihn daſſelbe endlich und eilte hochbeglückt nach Hauſe. 
Vor einiger Zeit machte nun die Kaiſerin eine Spazier-
	        
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