Full text: 21.1893 (0021)

— 49. —

nur nod) aud feiner Frau und einem längft ermadféneti
Gobne beftand, febr bebaglid aber ftill im Verkehr
mit einigen gleidgefinnten Freunden. Neben Lottchen
waren nod) zwei Mädchen und ein bejahrter Diener
vorhanden, fo daß die ftreng verteilte Urbeit feinen
befonders drückte, Dafür mußte fie denn freilich. bis
in’8 Heinfte mit der größten Sorgfalt und Genauigkeit
ausgeführt werden, daß alles vor Sauberkeit glänzte
und das Œffen pünftfid zur beftimmien Minute auf
dem Tijche ftand. Das war [o red nad) Sotidjens
Sinn, bie ihre gütige Qerrim tüglid lieber gemamn -
unb aud) ibr immer lieber wurde. Frau Robenbad),
vom garter Gejunbbeit unb etmaà nugenleibenb, jaB
einen großen Zeil des Tages, aierlid) und fein ange.
gogen mie ein Püppden, auf bem Sofa, mit einer
leichten Handarbeit befhäftigt, ein wenig lefend ober
mit einer Freundin ploudernd. Dod) lenkte fie das
moblgeregelte Hausmefen mit ebenfo fanfter mie fefter
Hand. Mie kam ein hartes Wort aud ihrem Munde
unb nur im Notfalle ein ernfte&, Sie war jehr wohl»
tbütig unb empfing oft Bejud) von QGeijtfiden und
anberem Armenfreunden, aud) von iBebrüngten felbjt,
benen fie mit Weisheit unb llmfidjt au ratem unb gu
helfen fuchte und dabei aud) perfönlide Mühe und
weite Günge nidt fdeute. Dann jap fie wieder ftills
vergnügt auf ihrem Sofaplägdhen und regte die feinen
Hände jdheinbar nur langjam, und bod) war, ehe man
ji$'8 perjab, ein Paar Strümpfe, eine warme Dede
fertig, für irgend Jemand, ber'é braudjen Konnte, im
eigenen Hauje ober draußen. - Dies ftile Wirken
madte auf Sottden einen tiefen Œinbrud. „Man
lam viel Gutes fchaffen, ohne gerade Schweiß zu

4
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.