Full text: 21.1893 (0021)

a,

„Sa, Lottchen jdjügt nad) ihrem Vater“,- fagte
Mitller freundlid nidenb. : "ME d mn
Die Lebrgeit ging rafd herum. Im zweiten Jahre
gab bie brave Hofenwirtin ihrer fleißigen Sebülfin
aud freien Stiiden (don ein wenig Lohn. Unb'als
fió bann auf einem gropen Gute eine einträglide
Stelle für Lottden darbot, ftand fie bem Forttommen
pes SRübdjen8 nidt im Wege. Um eine Nachfolgerin
brauchte fie nicht verlegen zu fein, fie Hatte die Uus-
mabi; aud) ftatbdjen bot fid) am. ,SIber bie ift mir
au bübfd für ein offenes Haus”, fagte die Wirtin zu
Holder. Sie Hatte vieleidht nod) anbere Orilnbe für
ihre Wblehnung.
Der Abfjchied fiel dem guten Lotthen fhwer,. Sie
wäre gerne in den gewohnten Verhältnifjen geblieben.
Die Trennung von Eltern, SGejhwiftern und Freun-
binnen preßte ihr bittere Thränen aus, Ihr soute
nidt& Gutes unb diesmal täufchte ibr banges Wore
gefühl fie nicht, A
Denn ihre neue Herrin war nidt nur bodmâtig
und anjprudydvoll, fondern launifd) und ungerecht
dazu. Sie verlangte viel für den Hohen Lohn, den fie
zahlte und fie hatte felten ein Wort der Anerkennung
für den treueften Dienft. Lernen konnte man etwas —
auf ihrem Gdjofje, bejomnber8 raftlod arbeiten, vom
frühen Morgen bis in die Nacht, aber viele Freude .
war für bie. Leute dort nicht zu ‚finden. Obgleid
das Gut nur etwa drei Meilen von Linden entfernt. -
lag, war Lotthen wie durch eine tiefe Mluft von all
ihren Lieben getrennt. . Nur ‚einmal erhielt fie: mit
Mühe einen kurzen Urlaub und Hatte die :erfte Freude
an ibrem fauer perbienten Gelb, .al& fie milfommene
	        

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