Full text: 20.1892 (0020)

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zufrieden sein. Dein seliger Vater war gewiß ritt 
guter Mann, und häuslich dazu, aber zweimal in der 
Woche ging er in seinen Kegelklub, und ich hab' oft 
auf ihn gewartet." 
,Du hättest ihn bester ziehen sollen." 
.Das sagt sich so leicht, wie es sich schwer aus» 
führen läßt. Es gehört viel Weisheit und Sanftmut 
dazu." 
.Ich möcht's zur Abwechselung einmal mit etwas 
Ernst und Entschiedenheit versuchen. Wenn er wieder 
über Gebühr ausbleibt, so hol' ich ihn!" 
.Das laß nur ja bleiben, Kind! Der Zehnte 
kann's nicht vertragen, und Schräder erst recht nicht, 
-so weit ich ihn kenne. Vermeide alles, was wie Be¬ 
vormundung und Gelüst nach Herrschaft aussieht, be¬ 
sonders vor Zeugen. Glaube mir, es thut nicht gut." 
Eine volle Wocke lang folgte die stürmische Jugend 
dem Rate des milden Alters, doch dabei war im 
Grunde wenig Verdienst. Drei Tage lang nämlich 
ging der junge Ehemann überhaupt nicht aus; am 
Mittwoch machte er zwar zeitig F ierabend, war jedoch 
pünktlich zum Abendessen wieder daheim. Auch am 
Samstag nahm er dasselbe gemeinsam mit seiner 
Eheliebsten ein, empfahl sich dann aber gegen halb 
neun, und als es zehn schlug, war Elise noch immer 
allein. Ein Weilchen geduldete sic sich noch, der 
mütterlichen Warnungen eingedenk; dann siegte der 
Zorn über die Wehmut, und rasch entschlosten eilte 
sie dem Säumigen nach. 
Im Ratskeller waren noch etwa sieben Gäste bei¬ 
sammen; ein Kleeblatt spielte Skat, die anderen, 
oarunter Meister Schräder, unterhielten sich weise
	        

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