Full text: 20.1892 (0020)

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Ich sehe Euer Häuschen immer mit besonderem Ver¬ 
gnügen an, Eure brave Frau hält'- so blink und 
blank. Wir Papiermüller sollten von Rechtswegen 
freilich alle an Leib und Seele recht sauber sein; 
unser Geschäft leitet uns dazu an. Habt Ihr wohl 
einmal darüber nachgedacht? Aus den alten, zerfetzten, 
oft schmutzigen Lumpen machen wir das schöne weiße 
Papier, worauf die weisesten Gedanken, die herrlichsten 
Lieder und Sprüche geschrieben und gedruckt werden 
können, ja Gottes Wort selbst. Freilich auch viel 
dummes und thörichtes Zeug, doch das ist nicht unsere 
Schuld; wir liefern reinen Raum für reine und edle 
Gedanken. Es kostet allerdings viele Müge, bis wir- 
soweit bringen, gelt, das wißt Ihr wohl. Noch schwerer 
ist eS, unser eigene-, bald trotziges und bald verzagte- 
Herz zu reinigen und zu erneuen, und nur GuteS 
und Liebes, Hohe- und Heilige- hineinzuschreiben; 
das bringen wir allein gar nicht fertig." 
.Wenn jedes Herz so wäre, wie daS Ihrige," be¬ 
gann Meister Groß auS innigster Ueberzeugung, allein 
sein Herr unterbrach ihn mit einem freundlichen i 
.Guten Abend!" und schritt rasch weiter. Tr wußte 
selbst kaum, wie er zu der ungewohnt langen Rede 
gekommen war. Nicht alle Häuschen, an denen er 
vorbei kam, sahen gleich wohlgehalten aus, und da er 
nicht loben konnte, so schwieg er lieber ganz und be- 
gnügte sich mit e.inem höflichen Gruß. 
Aber einmal wurde das schöne Verhältnis zwischen 
ihm und einem seiner liebsten Untergebenen doch ge¬ 
stört, ja gelöst, und daS kam so. Herr Rasch, em 
wohlhabender junger Mann auS Köln, war längere 
Zeit in Herrn Lohr- Geschäft thätig gewesen, dantt
	        

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