Full text: 20.1892 (0020)

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sieben Häuschen zu sein. Dies Glück war denn auch 
dem wackern Meister Groß zuteil geworden. 
Er verdiente es; er wußte es zu schätzen, und noch 
mehr wußte dies seine Frau. Ein Haus für sich 
allein! ein Garten daran, den man vom Fensterlein 
aus überschauen, dem man jeden freien Augenblick 
widmen konnte! das war mehr, als sie früher in 
ihren kühnsten Träumen zu hoffen gewagt hatte. 
Schiedlich und friedlich, angenehm und ersprießlich, 
und wie gut, wie gesund sür die Kinder! Wie schön 
der Blick hier auf das grüne Wiesenthal und dort 
auf den waldigen Berg! Mit Freuden war sie ein» 
gezogen, mit treuem Fleiß hielt sie das Anwesen in 
Ordnung und machte daraus, was nur möglich war. 
Die kleinen Scheiben blinkten, Flur, Stuben und Ge» 
räte waren sauber, der Garten wohlbestellt; sogar eine 
Ziege schaffte sie mit der Zeit an und suchte das 
fehlende Futter an Hecken und Rainen zusammen, 
auch ein paar Hühner hielt sie, obgleich ihr dieselben 
zuweilen auch Verdruß auf den Beeten machten, die 
frischen Eier waren gar zu erwünscht. Ihr Mann 
half ihr in seinen Freistunden redlich und besorgte 
die schwere Feldarbeit, das war ihm eine gesunde Ab¬ 
wechselung. .Das Häuschen vollends behandelte er, 
als ob's sein eigenes gewesen wäre; kleine Schäden 
befferte er geschickt selber aus. .Recht so, Meister 
Groß!* sagte Herr Lohr, auf einem Abendspaziergange, 
als er ihn einst so beschäftigt sah. .Erhalten ist so 
nötig wie erwerben. Die Axt im HauS erspart den 
Zimmermann, und ein zur rechten Zeit am rechten 
Orte eingeschlagener Nagel verhütet oft großen Scha» 
den. Wenn nur alle so willig und verständig wären!
	        

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