Full text: 20.1892 (0020)

fetzte er dieselben Gefühle bei allen andern voran» 
und hütete sich, fie ohne Not abzustumpfen; er be¬ 
gegnete dem Jüngsten und Geringsten mit einer wohl¬ 
thuenden Achtung. Im Lause seines langen Leben- 
Hat er gewiß manchem ein ernstes, aber wohl keinem 
je ein absichtlich verletzendes Wort gesagt und ist im 
ganzen noch besser dabei gefahren, als man hätte er¬ 
warten sollen. Denn bei allen anständigen Leuten 
wirkte sein bloßes Kopfschütteln mehr, als da» laute 
Schelten eine- andern; sie sahen ihm nach den Augen 
und hatten nicht eher Ruhe, bis diese freundlichen 
Sterne wieder im alten Glanze leuchteten. 
Von dem Wert einer behaglichen Heimstätte durch¬ 
drungen, hatte er schon frühzeitig begonnen, auch nach 
Kräften für gesunde Arbeiterwohnungen zu sorgen und 
zunächst auf einem seiner Grundstücke vor dem Orte 
sieben Häuschen nach wohlüberlegtem Plane erbaut. 
Es waren nur kleine einstöckige Hütten in Fachwerk; 
der Raum, in den man durch die HauSthüre trat, 
diente zugleich als Küche; an ihn schloffen sich Stube 
und Kammer; die steile Treppe führte zum Söller 
hinauf, von dem man noch zwei Dachkämmerchen mit 
schräger Decke abgespart hatte. Aber unterkellert 
waren fie, und schön gelegen am sanften Südabhange 
de» auf dem Gipfel noch bewaldeten Hügel», und zu 
jedem gehörte ein Garten und ein Stückchen Kartoffel¬ 
land. Ein gemeinsamer fließender Brunnen lieferte 
allen da- nötige Trinkwaffer; auch hatte mau nicht 
weit zu dem hier noch klaren Bache. Da bei all 
diesen Annehmlichkeiten Herr Lohr die Miete so 
billig wie möglich stellte, so galt eS mit Recht für 
einen beneidenswerten Vorzug, Bewohner eine- dieser
	        

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