Full text: 20.1892 (0020)

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Na, es ist doch heute der erste Mai! 
Ganz recht, aber woS hat der, was habe ich mit 
Hexenbouquets zu thun? 
Mein Gott, die Bouquet-, die die Majestäten an 
jedem ersten Mai am frühen Morgen erhalten; be¬ 
sinnen Sie sich doch, unv vor allen Dingen schaffen 
Sie die Bouquets. 
Ich weiß nicht-, ich habe keine Anhnung, was Sie 
meinen; erklären Sie mir doch. 
Dem Diener fängt an, ein Licht aufzugehen: 
Sie wissen nichts von den Hexenbouquets? Ja, 
wie lange sind Sie denn in der Silberkammer? 
Seit Michaelis. 
Und haben noch nie von den Hexenbouquets gehört? 
Keine Silbe, aber sagen Sie mir doch nur- 
Ich sage, jetzt machen Sie so schnell, wie nur 
irgend möglich, und besorgen zwei hübsche Bouquet-, 
binden eines mit schwarz-weißem, das andere mit blau- 
weißem Band, aber so eilig als möglich; ich wart' 
hier, bis Sie zurückkommen, nur machen Sie schnell. 
Erzählen will ich Ihnen ein andermal. 
Was blieb der Angeredeten und Angetriebenen 
übrig, als sich eiligst und schleunigst auf die Beine 
zu machen, um. wenn auch ohne Ahnung über den 
Zusammenhang der Sache, die verlangten Bouquets 
herbeizuschaffen. Freilich kam ihr auf dem Wege zur 
nächsten Blumenhandlung wohl der Gedanke, daß sich 
der Diener mit ihr einen Scherz machen wolle, oder 
daß es bei demselben wohl gar nicht richtig im Ober¬ 
stübchen sei. Aber sie war einmal unterwegs und 
tröstete sich damit, daß sie ja in ganz kurzer Zeit volle 
Klarheit erhalten werde. Die Neugierde beflügelte
	        
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