Full text: 1.1873 (0001)

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gegönnt, nicht wahr, Martin?" Sie weinte leise und 
auch er kaute so sonderbar und verzog so merkwürdig 
sein Gesicht. „Hätt' ich das gewußt!" dachte er. 
Sprechen konnte er nicht, er drückte ihr die Hand, 
setzte unbemerkt eine Flasche Wein auf den Tisch und 
schlich hinaus. 
Jetzt stand er vor seinem Hause. Wie wird's 
drinnen wieder aussehen? Aber das Gefühl, seiner 
Frau gestern in einem Puncte Unrecht gethan zu haben, 
stimmte ihn sanft und nachsichtig. „Muthig hinein! 
Stell' Dir's so schlimm wie möglich vor, dann ist's 
immer noch etwas bester. Du willst nicht wild werden. 
Du willst sie mit Geduld bessern — es ist wahr, sie 
hat ein gutes Herz." 
Aber was ist das? Er bemerkt es mit Staunen. 
Der kurze Weg von der Straße bis zur Treppe, und 
die Treppe selbst ist sorgsam vom Schnee reingefegt, 
mit Sand bestreut! Und dennoch klopft er die Füße 
ängstlich ab, als er in den Flur tritt, so sauber hat 
er ihn seit Jahren nicht gesehen! Kopfschüttelnd öffnet 
er die Thür des Zimmers: wie glänzt das erst im 
hellen Scheine der Wintersonne, die lustig durch die 
spiegelblanken Scheiben bricht! Die Dielen des Fu߬ 
bodens sind so weiß gescheuert, daß man davon essen 
könnte, der schwarze Ofen strahlt eine behagliche Wärme 
aus und auf dem Tische prangt ein glitzerndes Christ¬ 
bäumchen. — Und da stehen die beiden Bübchen in 
ihrem Sonntagsstaat, gewaschen und gekämmt, die 
Wänglein so rund und voll und frisch und roth, man 
hätte hzueinbeißen mögen, und Martinchen trommelt, 
und Paul reißt wie toll an der Schnur, daß sein 
Hampelmann die verrücktesten Bewegungen macht!
	        
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