Full text: 1.1873 (0001)

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liebte, sein reicher Freund schätzte ihn. Er war mit 
einem Schlage von seinen schlimmsten Genossen befreit. 
Er war mit den Reichen im Herzen ausgesöhnt; hatten 
sie doch auch ihre Arbeit und Mühe, ihre Plage und 
Sorge! 
f' Sie er trotz seiner Last so leicht und munter ein- 
ritt, dachte er unwillkürlich an den Weihnachts¬ 
tag vor sieben Jahren zurück. Der war noch kälter 
und glänzender gewesen, als heut', da war er auf 
Schlittschuhen über den großen Weiher gelaufen, und 
hatte Elise, als sie sich endlich für ein Stündchen frei 
gemacht, auf einem Schlitten laut jauchzend vor sich 
hergeschoben, auch sich oft vornüber geneigt, um von 
ihren schwellenden, frischrothen Lippen die süßeste Be¬ 
lohnung zu empfangen. „Wie schön und lieblich, wie 
sanft und gut war sie damals?" seufzte er;'„und 
jetzt!" Sein kurzer Frohsinn wurde wieder durch die 
Wolken des Grams getrübt, die sich allmählich immer 
stärker um ihn zusammen gezogen hatten. Er ging 
langsamer, als scheute er sich, sein Haus zu erreichen. 
— O ihr Weiber! ladet nie die Schuld auf Euch, 
daß dies Gefühl sich bei euern Männern regt! — 
Er rief lieber vorher — nicht im Wirthshause, nein! 
— bei der armen Nachbarin an. 
Und das war gut. Das liebe Kind lag so lang und 
stille da! Vor der erhabenen Ruhe des Todes zerging 
Martins Bitterkeit. Und dann sprach ihm die Wittwe 
auch versöhnlich zu: „Elise ist reizbar und leichtsinnig, 
aber von Herzen gut.. Erst gestern hat sie meinem 
armen Kinde eine wunderschöne Puppenküche gekauft. 
Es war zu viel, ich weiß es, zu theuer für Euch -und 
mich; aber meinem armen Lottchen hättest Du es auch
	        
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