Full text: 1.1873 (0001)

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wo er mehrere Einkäufe machte und baar bezahlte. 
„Martin", sagte der Wirth, der ihn selbst bediente, 
,,dn bist mir lieb und werth, aber von deiner Frau 
ist's doch nicht schön, daß sie mir das Geld verträgt 
und in die Stadt läuft, nachdem ich ihr so viel ge¬ 
borgt habe. Kannst du nicht, — willst du nicht viel¬ 
leicht eine Kleinigkeit abbezahlen?" 
„Heute nicht," stieß Martin so heftig hervor, daß 
der Wirth fast bange wurde. — „Nun, nun, es hat 
ja noch Zeit — komm herüber und nimm einen Bittern, 
man kann's vertragen bei diesem Hundewetter; es wird 
übrigens kälter die stacht." Der Mann sah fast bieder 
aus, wie er da stand mit dem freundlichen Gesicht, 
dem runden Bäuchlein und der weißen Schürze davor, 
und doch warb er jetzt wieder um Sündengeld, und 
wußte es auch. — D über manche Schnapsverkäufer! 
Sie wollen leben, das ist richtig, aber au den Groschen, 
die sie einem Trunkenbolde entlocken und seiner Frau 
und seinen Kindern entziehen, kann doch kein Segen 
haften! 
Martin kämpfte männlich sein Gelüst nieder, brummte: 
„Nein, guten Abend!", zündete seine kurze Pfeife an 
und stieg entschlossen die schlüpfrige Treppe wieder 
hinunter. Als er auf der untersten Stufe war, klopfte 
ihm Jemand ans die Schulter; er wandte sich um und 
sah dem krummen Jost in's tückische Gesicht. Dieser 
hatte ihn vom Wirthszimmer aus erspäht, war ihm 
eiligst nachgeschlichen und ries mit seiner heisern Stim¬ 
me : „Oho, ist das eine Art, so still an guten Freunden 
vorbei zu gehen? Wo willst du denn hin?" „Das 
geht dich nichts an!" erwiderte Martin, durchaus nicht 
höflich; es that ihm wohl, seinem Aerger Luft zu
	        
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