Full text: 1.1873 (0001)

fcenn Salomon in aller seiner Pracht. (Dieser schöne 
Spruch ist nur zum Troste der Kleinmüthigen geredet, 
die unter der Last der Sorgen gebückt einhergehen, 
nicht zum Deckmantel der Faulheit!) Denkt, daß eine 
ordentliche Frau einen guten Mann glücklich, und einen 
schwachen respectabel machen kann, daß sie seine Ge¬ 
hülfin, seine bessere Hälfte, seine Krone und Hausehre 
sein soll, und nicht blos etwas, wozu allerdings die 
leichtsinnigste noch gut genug ist, wofür aber die an¬ 
ständige Sprache keinen Namen mehr hat! 
Als Martin sein Häuschen erreichte, fand er die 
Stube schmutzig und kalt und leer; die Kinder, zwei 
prächtige Buben von drei bis vier Jahren, lagen im 
Bette, hatten aber ein Töpfchen Apfelmuß erwischt 
und sich und die Betttücher gräßlich damit zugerichtet. 
„Papa, Papa!" riefen sie vergnügt. 
„Wo ist die Mutter?" fragte er. 
„In die Stadt, und wenn wir hübsch artig sind, 
bringt uns morgen auch das Christkindchen viel mit!" 
Ingrimmig heizte er ein, wusch sich und zog andere 
Kleider au. Dann befahl er den Knaben aufzustehen 
und reinigte sie oberflächlich, so gut er konnte. 
Im Schranke fand er nur Brod. Da sprang er 
in's nächste Wirthshaus hinüber, dessen Besitzer zu¬ 
gleich einen Kramladen hielt, und holte Bier, Lyoner 
Wurst und Käse. Und so aß er denn, ohne warme 
Speise, ohne Frau, ohne Gebet und ohne Freude. 
Zum Glück waren wenigstens die Kinder vergnügt und 
stießen mit ihren kleinen Gläschen unermüdlich an sein 
großes; es ist ein Segen, daß sie noch keine Vergleiche 
zwischen sonst und jetzt anstellen, und sich jeder Klei¬ 
nigkeit freuen können. , v
	        
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