Full text: 8.1954 (0009)

März 1954 
Seite 7 
p., w., Eigenheim^._. ^ 0W( / " 
In unserer Februarnummer machten 
wir längere Ausführungen darüber, 
mit welchen Mitteln die Bausparkasse 
des Saarlandes die Möglichkeit zum 
Bauen bietet.\ In der Ausgabe dieses 
Monats wollen wir unseren Lesern 
nahebringen, wie und mit welchen 
Mitteln eine Eigenwohnung der 
„Gemeinnützigen Genossenschaft der 
Eigenwohner e. G. m. b. H.“ 
Saarbrücken, zu erwerben ist. Wir 
wollen dabei auf die rechtlichn We 
sensmerkmale einer Eigen wohnung, 
auf die technische Seite und die Finan 
zierung eingehen, sowie einige verwal 
tungsmäßige Hinweise geben. 
In mehreren Städten des Saarlandes 
hat die „Gemeinnützige Genossen 
schaft der Eigenwohner 44 die sogenann 
ten „Etagenwohnungn“ gebaut. Die 
im Laufe der letzten Jahre mit dieser 
Art des Bauens gemachten Erfahrungen 
haben gezeigt, daß die Anfangs vie- 
lerseits gesehenen Schwierigkeiten 
praktisch nirgends in Erscheinung tra 
ten und sich dieser Wohnungstyp auf 
das Beste bewährt hat. 
Zunächst sind einmal die rechtli 
chen Wesensmerkmale zu beleuchten. 
Mit dem Erwerb einer Eigenwohnung 
begründet der „Eigenwohner“ das 
Eigentumsrecht an der Wohnung. Das 
am 13. 6. 52 erlassene „Gesetz über 
das Wohnungseigentum und Dauer 
wohnrecht für das Saarland“ schafft 
hierfür die Rechtsgrundlage. Dem Ei 
genwohner wird aufgrund dieses Ge 
setzes zunächst das Dauerwohnrecht 
eingeräumt, das auch im Grundbuch 
eingetragen wird. Jeder Eigenwohner 
wird mit dem Erwerb der Eigen woh 
nung Mitglied der Genossenschaft. 
Der Eigenwohner sorgt kraft seines 
Eigentumsrechtes für die Unterhaltung 
seiner Wohnung. Die Genossenschaft 
hingegen ist verpflichtet, die außer 
halb der Wohnung liegenden Bauteile 
zu unterhalten, wie z. B. das Treppen 
haus, Waschküche, Dach, die Außen 
front, Grünanlage usw. 
Nun noch einiges zur technischen 
Seite. Grundrißmäßig ist die Eigen 
wohnung eine in sich abgeschlossene 
Wohnung. Dieser technische Tatbe 
stand ist zugleich das entscheidende 
Wesensmerkmal für den Rechtsbegriff 
der Eigenwohnung schlechthin. Es ge 
hört darüberhinaus zu den Wesens 
merkmalen der Eigenwohnung, daß 
stets eine gewisse Zahl von in sich ab 
geschlossenen Wohnungen in einem 
Wohnblock liegen. Wieviel eingebaute 
Wohnungen nun in einem Wohnblock 
liegen richtet sich im Einzelfall nach 
den städtebaulichen und wirtschaftli 
chen Gegebenheiten. Im Regelfälle 
baut die Genossenschaft die Wohnun 
gen 1:3 und 1:4. Die Beheizung er 
folgt entweder mittels Etagenheizung 
(Warmwasserheizung) vom Keller des 
einzelnen Eigenwohners aus, oder 
auch mittels der Domotherm-Anlage. 
Das Domotherm-Heizprinzip legt die 
Wärmeentnahme mittels elektrischer 
Schaltung von der Wohndiele aus in 
die Hand des Nutzungsberechtigten 
und darf daher als die einfachste, be 
quemste und wirtschaftlichste Woh 
nungsbeheizung der Gegenwart ange 
sprochen werden. Wirtschaftlich ge 
sehen, ist diese Art der Heizung aller 
dings nur als Zentralheizung für eine 
sehr große Zahl von Eigenwohnungen 
am Platze. 
Es ist zu bemerken, daß die Grund 
rißlösung, Bauausführung und auch 
die Innenausstattung der Eigenwoh 
nungen sich betont an die qualifizier 
ten Errungenschaften der heutigen 
Wohnkultur anlehnen. Insbesondere 
wird ein wirkliches bequemes und un 
gestörtes Wohnen in der Eigenwoh- 
nung gesichert. Denn damit gewinnt 
erst der Eigenwohner als der eigene 
Herr in seiner eigenen Wohnung auch 
seine eigene Stellung gegenüber dem 
Mieter einer Etagenwohnung im Miets 
hause. 
Wie erfolgt nun die Finanzierung? 
Die zunächst veranschlagten Baukosten 
stellen sich für die Wohnung, beste 
hend aus Küche, 3 Zimmer mit Bad 
und Heizung auf ungefähr 2,8 Millio 
nen ffrs. Für den Erwerb einer Ei 
genwohnung ist Grundvoraussetzung 
die Einzahlung einer Eigenkapitals 
quote von 20 o/o der Baukosten. Dazu 
ist natürlich noch eine Fremdfinan 
zierung notwendig. Diese erfolgt in 
der Regel „dreigleisig“, d. h.: An 1. 
Stelle werden soweit als möglich Kre 
dite des freien Kapitalmarktes, an 2. 
Stelle Darlehen der Bausparkasse des 
Saarlandes über Bausparverträge und 
an 3. Stelle zinsverbilligte Regierungs 
kredite eingesetzt. Die erst- und zweit 
stelligen Kredite werden durch die Re 
gierung zinsverbilligt. Wichtig ist zu 
erwähnen, daß der einzelne Eigenwoh- 
ner allerdings mit diesen Finanzie 
rungsmaßnahmen nichts zu tun hat. 
Es ist dies vielmehr ausschließliche 
Sache der Genossenschaft. Aus dieser 
Fremdfinanzierung entstehen natür 
lich Verpflichtungen. Diese werden 
durch den Eigenwohner in der Form 
der monatlichen Nutzungsgebühren 
abgegolten. Diese Nutzungsgebühren 
setzen sich folgendermaßen zusammen : 
1. aus den anteiligen Zins- und Til 
gungsraten und 
2. aus den Bewirtschaftungskosten (ge 
ringe Verwaltungspauschale um! 
Beitrag zum Instandsetzungsfonds 
für die Bauteile außerhalb der Ei 
genwohnung). 
Die Gesamt-Nutzungsgftbühren lie 
gen bei der 4-Zimmerwohnung mo 
natlich um 13 000.— ffrs. Von diesem 
Betrag entfällt rund die Hälfte allein 
auf die Tilgung. In dieser Tatsache 
liegt die Kernfrage der Wirtschaftlich 
keit der Eigenwohnung begründet. 
Nämlich: Wer Miete zahlt, bringt die 
ses Geld ausschließlich für sein Woh 
nen im fremden Eigentum auf. Der 
Eigenwohner erwirbt mit seinen Zah 
lungen zugleich sein Eigentum. Nach 
Abtragung des Fremdkapitals hat der 
Eigenwohner nur noch die sogenannten 
Bewirtschaftungskosten zu zahlen, die 
ungefähr bei 1600.— ffrs. liegen dürf 
ten. Abschließend noch einige verwal 
tungsmäßige Hinweise. Die Eigenwoh 
nung wird an den ausgewählten Be 
werber erst nach Fertigstellung der 
Wohnung zugeteilt. Einmal soll sich 
der Bewerber anhand einer schlüssel 
fertigen Wohnung überzeugen können, 
ob sie seine Wünsche voll erfüllt. Zum 
anderen ermöglicht die fertige 
Wohnung erst den Nachweis über die 
endgültigen Baukosten und die daraus 
resultierende endgültige Höhe des 
Baukapitals und der monatlichen Nut- 
zungsgebühren. 
Der ernsthafte Interessent für eine 
Eigenwohnung kann sich bei der Ge 
meinnützigen Genossenschaft der Ei 
genwohner in Saarbrücken, Dudwei- 
lerstraße 6, melden. Die Meldung 
bindet ebensowenig, wie sich die Genos 
senschaft ihrerseits durch diese Vor 
merkung für eine Zuteilung verpflich 
tet. 
Für die Auswahl der Eigenwohner 
werden nach der persönlichen und 
wirtschaftlichen Seite hin strenge 
Maßstäbe angelegt. Diese besondere 
Vorsicht und Vorsorge bei der Auswahl 
erfordert das Wesen der Eigenwohnung 
und die Rücksicht auf die Hausgemein 
schaft, denn mit einer in dieser Rich 
tung wohl überlegten Besetzung wird 
lediglich den Interessen der Eigen 
wohner der größte Dienst erwiesen. 
(t.L)
	        

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