Full text: 8.1954 (0009)

JMick in, die. "Welt 
Lohnkonflikte in England 
Der Konflikt im Maschinenbau und auf 
der Schiffswerften, wo die Arbeiterverbände 
15®/<iige Lohnerhöhungen verlangten, schwebt 
noch vor den Tarifbehörden des Arbeitsmi 
nisteriums. (siehe Mitteilungsblatt Nr. 1/2). 
Die „Goeriila'-Streiks der Gewerkschaft 
der Elektriker für eine Erhöhung des Stun 
denlohnes um 4 Pence dauern an. Unter den 
Eisenbahnergcwerksehaften herrscht eine 
starke Mißstimmung über das Anerbieten 
einer wöchentlichen Lohnerhöhung von vier 
Shilling, die nach der Zurücknahme der 
Streikankündigung gemacht wurde. Es scheint 
sicher, daß nur weitere Zugeständnisse den 
Frieden im britischen Eisenbahnwesen wie- 
derherstelien können. 
Auf der anderen Seite hat der Vorstand 
der Bergleute die Annahme des Angebots der 
Obersten Kohlenbehörde auf Erhöhung der 
Wochenlöhne um 8 Shilling, 6 Pence für Lm- 
tertagearbeiter und 7 Shilling, 6 Pence für 
Arbeiter übertage, empfohlen. 
Ein anderer Konflikt, welcher dem Ar- 
beirsminister unterbreitet wurde, weil eine 
Einigung aussichtslos scheint, betrifft 90 000 
Autobusschauffeure privater Verkchrsgesell- 
schaften außerhalb Londons. Hier wird eine 
wöchentliche Zulage von 7 Shilling gefordert. 
Eine solche Erhöhung wurde kürzlich den 
Londoner Chauffeuren bewilligt, aber die 
provinziellen Verkehrsgesellschaften weigern 
sich mehr als 4 Shilling zuzulegen. 
Kampf um d e Gewerkschaftseinheit 
in den USA 
ln einer Botschaft an den Kongreß schlug 
Präsident Eisenhower 14 Änderungen im.Taft- 
Hartley-Gcsetz vor. Die wichtigste Änderung 
fordert für Streikerklärungen geheime Ab 
stimmungen unter Kontrolle der Regierung. 
Dieser Punkt wurde von den Leitern der 
amerikanischen Gewerkschaften heftig ange 
griffen. 
Der Präsident der AFL, Meany, betonte, 
daß die Eisenhowerschen Vorschläge keines 
wegs die anfechtbarsten Teile des Gesetzes 
beseitigten. Ein Vorschlag des republikani 
schen Senators A. H. Smith, die Abstimmun 
gen nicht vor dem Streik sondern zwei oder 
drei Wochen nach seinem Inkrafttreten ab 
zuhalten, wurde von Meany für noch gefähr 
licher erklärt, der ein solches Vorgehen nack 
tes Streikbrechertum nannte, was zweifellos 
nicht die Absicht des Präsidenten sei. 
n—ähnlicher Weise äußerte sich der Prä 
sident des CIO, Reuther. Er erklärte, daß 
die Botschaft des Präsidenten einige wenige 
Verbesserungen enthalte, aber nicht den anti 
gewerkschaftlichen Charakter des Gesetzes 
als Ganzes ändere. Die vorgeschlagene regie 
rungskontrollierte Streikabstimmung in jedem 
größeren Arbeitskonflikt würde das anti- 
gewerkschaftliche Arsenal des Gesetzes nur 
mit einer neuen Waffe versehen und indu 
strielle Konflikte eher verschärfen als lösen. 
Gegenüber dem Vorschlag des Senators 
Smith betont der CIO gleichfalls, daß er das 
Taft-Hartley-Gesetz nur noch verschlimmere. 
Der Präsident der Vereinigten Bergleute, 
Lewis, betonte, daß die wenigen Vorschläge 
des Präsidenten das Taft-Hartley-Gescnz der 
organisierten Arbeiterschaft nicht annehmba 
rer machen würden. 
Der IBFG an die vier Aussenmmister 
Der Generalsekretär des IBFG, J. H. 01- 
denbroek, übersandte den Außenministern 
der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, 
Frankreichs und der Sowjetunion gleichlau 
tende Schreiben. In diesen wird die durch 
die Berliner Konferenz geschaffene Gelegen 
heit begrüßt, „den Frieden mit einer Einigung 
über die Fragen der deutschen Einheit und 
eines Staatsvertrages für Österreich zu för 
dern." 
Unter Hinweis darauf, daß der IBFG seit 
seiner Gründung betont hat, daß die freien 
Gewerkschaften „die Vorhut der Kräfte eines 
dauernden und gerechten Friedens" bilden, 
gibt das Schreiben die Ansichten wieder, die 
die leitenden Körperschaften des IBFG über 
die Wiederherstellung der deutschen Einheit 
und der österreichischen Souveränität verkün 
det haben. Erstere, sagt der Generalsekretär, 
„kann nur auf der Basis allgemeiner Wahlen 
in Gesamtdeutschland mit angemessenen Ga 
rantien für eine freie Abstimmung erreicht" 
werden. Für Österreich fordert er dringend 
den Abschluß eines Staatsvertrages, „durch 
den das österreichische Volk seine volle po 
litische und wirtschaftliche Selbstbestimmung 
zurückerhält.“ 
„Die dringende Notwendigkeit einer Lösung 
des Problems der Wiedervereinigung Deutsch 
lands" heißt es weiter in dem Schreiben „er 
gibt sich ebenfalls aus der gegenwärtigen 
Spannung in Ostdeutschland, die in den Juni- 
Ereignissen zum Ausdruck kam. Die Frei 
lassung sämtlicher im Zusammenhang mit 
diesen Ereignissen verhafteten, festgehaltenen 
und verurteilten Personen würde zur Entspan 
nung und zur Schaffung einer günstigen At 
mosphäre für freie Wahlen beitragen." 
Der Generalsekretär schließt mit der Hoff 
nung, daß die vier Außenminister in Berlin 
„die Ansichten der freien Gewerkschaften der 
Welt ernsthaft in Betracht ziehen werden. 
Sollten diese Ansichten in den Verhandlun 
gen und Ergebnissen der Konferenz vor 
herrschen, so wäre ein entscheidender Schritt 
zu der Schaffung jenes gerechten und dauern 
den Friedens gemacht, den die freie Arbeiter 
schaft erstrebt und die ganze Welt so drin-: 
gend notwendig hat." j 
Deutschlands Gewerkschalten begrilssen 
die Vierer-Konferenz 
Die Vorsitzenden der Landesbezirke Ber 
lin des DGB und der DAG, E. Scharnowsky 
und S. Aufhäuser, haben gemeinsam an die 
Konferenz der Außenminister Groß-Britan- 
niens, der USA, Frankreichs und Sowjet- 
rußlands, die am 25. Januar in Berlin begann,- 
eine Grußadresse im Namen der werktätigen 
Bevölkerung Berlins gerichtet. In ihr wird u. 
a. der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die 
„Konferenzteilnehmer als Auftakt für ein 
wiedervereinigtes neues Deutschland zuerst 
die Sektorengrenzen zwischen Ost- und West-, 
berlin aufbeben". 
Der erste Bundesvorsitzende des DGB, 
W. F citag, begrüßte ebenfalls die Konfe 
renz in einem Artikel, welcher in der Presse 
aller Welt Beachtung fand. Er betonte, daß 
der Deutsche Gewerkschaftslnind sich mit 
seiner ganzen Kraft dafür einsetzen werde, 
daß das zukünftige einheitliche Deutschland 
„ein Feind jeglicher Gewalt und autoritären 
Slaatsfiihrung und jedweder vom Volke un 
kontrollierter wirtschaftlicher Machtzusam-: 
mmiballungen wird“. < 
Der Wert der Arbeitsstunde in 15 Ländern 
Die Ilo-Nachrichten (Mitteilungen des Inter 
nationalen Arbeitsamtes) veröffentlichen in 
ihrer letzten Ausgabe eine bemerkenswerte 
Statistik über „den Wert einer Arbeitsstunde 
in verschiedenen Ländern." Als Ausgangs 
punkt der statistischen Berechnung ist die 
Arbeitsstunde in den Vereinig 
ten Staaten und der Gegenwert an Le 
bensmitteln genommen worden, der mit dem 
Dollarertrag dieser Arbeitsstunde gekauft 
werden kann. Dieser Berechnungsgrundlage 
wurde gegenübergestellt, wie lange in einigen 
Berufen und Branchen in 15 Ländern gear 
beitet v/erden muß, um den Kaufkraftweit in 
Lebensmitteln der amerikanischen Arbeits 
stunde zu erreichen. Als Vergleichspersonen 
dienten: der durchschnittliche industrielle 
Lohnempfänger, der Briefträger und der Ste 
nograph. 
Nach den Ilo-Veröffentlichungen mußten in 
nachstehenden Ländern folgende Arbeitsstun-: 
den gearbeitet werden, um den entsprechen-: 
den Gegenwert der amerikanischen Arbeits-: 
stunde in Lebensmitteln zu erhalten: 
Industriearbeiter Briefträger Stenograph 
Std. Min. Std. Min. Std. Min.- 
Südafrikanische Union 
Kanada ....... 
Belgien 
Dänemark 
Finnland 
Frankreich 
Bundesrepublik i 
Irland 
Italien 
Niederlande . . . . 
Norwegen . . . . . 
S. Weden 
Schweiz . 
Großbritannien . . . 
Australien . . . * 
0 
58 
1 
50 
1 
26 
1 
3 
1 
4 
1 
28 
2 
16 
2 
! 
1 
49 
1 
18 
1 
1 
21* 
1 
49 
2 
20 
2 
5 
3 
42 
3 
34 
3 
2 
3 
14 
5 
16 
5 
0 
2 
16 
2 
47 
1 
55 
4 
10 
5 
16 
— 
2 
51 
2 
38 
2 
34 
1 
31 
1 
55 
1 
40 
1 
15 
1 
37 
1 
27 
1 
40 
1 
58 
2 
2 
1 
37 
1 
37 
1 
37 
0 
57 
1 
3 
1 
i
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.