Full text: 8.1953 (0008)

November 1953 
Seite 5 * 
Sozialgeschichte der industriellen Arbeitswelt 
Wie bauen aut! 
Ja, wir bauen wirklich auf. ln einem fast 
atemberaubenden Tempo schießen Hochbau 
ten aus der Erde, neue Straßenzüge entste 
hen, alte werden ausgebessert und den Er 
fordernissen des modernen Verkehrs ange 
paßt. Selbst der weit über die Grenzen un 
seres Saarlandes berühmte oder besser berüch 
tigte Kuehenberg in Wiebelskirchen scheint 
jetzt endlich glatt gebügelt zu werden, zur 
großen Freude der über Federbrürhe klagen 
den Autofahrer. Und doch, wir werden der 
baulichen Wiedergeburten oder Neugeburten 
oft nicht recht froh, da wir aus Erfahrung 
befürchten, daß hinter den Baumaßnahmen 
mit all ihrem „Owerasch“ — wie man hier 
zulande so schön sagt — wieder neuer 
„Owera ch“ steht. 
Alte Straßendecken werden aufgerissen, 
Kompressorenlarm dringt in die geplagten 
Ohren der Passanten und Anwohner, die diese 
Ner jnmusik im Hinblick auf die neue 
Pracht, die entstehen wird, willig ertragen. 
Endlich ist das Werk gelungen, und eine 
neue Asphaltdecke glänzt in dem nun schon 
spärlich gewordenen Sonnenschein. Der Bür 
ger atmet auf! Doch leider zu früh, Neue 
Kolonnen rücken heran, und das alte Spiel 
besinnt von vorn. Aufgerissen wird die schöne 
neue Decke utid Kraterlandschaften bieten 
sich wieder dem entsetzten Auge. 
Mühsam nahmen wir im Sommer durch 
Staub, in der Regenzeit durch Pfützen und 
Schlammlöcher unseren Weg vom Bahnhof 
zur Brauerstraße, bis nach emsigem Arbeiten 
über die Ursulinenstraße ein herrlicher 
Asnhalttcnpich gelegt war. Doch nur kurz 
währte die Freude, da man mittlerweile ent 
deckt hat, daß der Sulzbach kanalisiert wer 
den muß. Und wieder sind wir von den 
Bcgehern bequemer, städtischer Straßen zn 
Alpinisten geworden, die über Berg und Tal 
die neue Baustelle umgehen müssen. 
„Muß das denn sein?“, entringt sich der 
geplagten Seele des Wanderers zur Arbeite 
st "tte, oder hätte man nicht die Arbeiten 
miteinander verbinden können? Vielleicht hätte 
man durch richtige Planung sogar Geld spa 
ren können, auch unser Geld, denn von un 
teren Steuergroschen wird et ja wohl ge 
nommen. 
Tempo, Tempo! Munter schreitet der Stra 
ßenbau fort, aber bitte, Ihr die es angeht, 
plant doch so, daß nicht die erfreulichen Ar 
beiten des Wiederaufbaus zur reinen Be- 
sebäftigungstheorie werdenl *** 
iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiii 
Offene Sekretärstelle 
Der Vorstand des Industrieverbandes 
Metall hat beschlossen, für den 1. Ja 
nuar 1954 einen Sekretär einzustellen, dem 
die Aufgabe zufällt die Angestellten 
gruppe im L V. Metall zu betreuen. Es 
mögen sich jedoch nur solche Kollegen 
melden, die schon mindestens 5 Jahre 
Mitglied der EG und mindestens 3 Jahre 
als Funktionär für den I. V, Metall tä 
tig sind. Ferner können nur solche Kol 
legen berücksichtigt werden, die in Au 
ges Seilten fr agen Erfahrung haben. Selbst 
geschriebener Lebenslauf, sowie Bewer 
bung und Zeugnisabschriften sind an den 
Vorstand des I. V. Metall, Saarbrücken 
3, Brauerstraße 6—8, einzureichen. 
IlllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllUllllll 
Patentiertes Verfahren in der Lebensmittel- 
branrhe. Die Tendenz, fertig verpackte Lebens 
mittel aller Art herzu9tellen, hat sich in den 
letzten Jahren immer weiter durchgesetzt. In 
der Fleischwaren-Industrie steht frische geräu 
cherte Wurst im Darin an erster Stelle. Da es 
bisher nicht möglich war, geräucherte Wurst 
in Dosen zu konservieren, beschränkte man sich 
auf die Herstellung von Leber- und Blutwurst 
in Dosen, die sich schon einer allgemeinen Be 
liebtheit erfreuen. Jedoch mußte die begehrte 
Art der Brühwurstsorten immer noch als frische 
Wurst im Darm gekauft werden. Hier Abhilfe 
zu schaffen, war das Ziel langer Versuche, die 
nun abgeschlossen, und die Konserve unter 
dem geschützten Namen „Friwuco“ wird in 
Bälde auf dem Markt sein. FRIWUCO ist fri 
sche, hygienisch in einer Pergamenthülle ge 
räucherte Wurst, in der Dose konserviert. Ein 
Anlaufen oder sogar Schmierigwerden des Dar 
mes, wie das bei frischer Wurst oft der Fall 
ist, fällt bei „Friwuco“ vollständig fort. Die 
Hülle ist nach den angesteilten Versuchen am 
fünften Tage noch so trocken wie am ersten. 
Soziaigeschiehte der industriellen Arbcitswelt* 
ihrer Krisenformen und Gestaltungsversu 
che. Mit Beiträgen von Giselher Wirsing, 
Hyacinthe Dubreuil und Edward Little. 
Dritte neubearbeitete und erweiterte Auf 
lage. 10.—13. Tausend. 358 Seiten. Leinen 
12 DM. Verlag Josef Knecht — Carolus 
druckerei — Frankfurt a. M. 
Das Werk ist aufgeteilt in ein Kapitel: Ge 
schichte der industriellen Arbeitsverfassung und 
ihrer sozialen Problematik. Einzelabschnitte be 
treffen u. a,: l. Die industrielle Arbeit im Blick 
feld der Sozialgeschichte. II. Vom Mittelalter 
bis zur industriellen Revolution. III. Der Durch 
bruch der industriellen Revolution. IV. Die Ent 
faltung der Fabrikindustrie bis zur Gegenwart. 
V. Die Arbeitsentwicklung im modernen Groß 
betrieb. VI. Der Industriebetrieb als Reehts- 
form, seine Unterscheidung vom Unternehmen. 
Im zweiten Teil wird der Kampf um die 
soziale Arbeitsordnung behandelt und zwar in 
folgender Gliederung: I. Die Aufgabe der sozia 
len Betriebspolitik. II. Das erste Stadium: Die 
sozialen Lösungsversuche im 19. Jahrhundert. 
III. Das zweite Stadium: 1. Die Rolle der So 
zialpolitik und des Arbeitsrechts. 2. Die Be 
triebspolitik der Unternehmer seit 1900. 3. Psy- 
chotechnik und Taylorismus. IV. Das dritte 
Stadium: 1. Das Arbeitsproblem im volkspoli 
tischen Blickfeld. 2. Vorschläge und Ansätze zur 
neuen Arbeitsordnung. 3. Das Problem der sinn 
vollen Reproduktion der Arbeitskraft. V. Zur 
Ueberwindung der Kampffronten: 1. Die Ar 
beiterschaft vor der Arbeitsfrage. 2. Bedingun 
gen der Kooperation. 
Ein Anhang betrifft die Probleme: Der Indu 
striearbeiter in der neuen Volksbildung. Die 
strukturelle Arbeitslosigkeit im volkspolitischen 
Aspekt. 
* 
Der Verfasser ist vor allem in d e n Gewerk 
schaftskreisen bekannt und ein Begriff, die sich 
in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg mit 
der Akademie der Arbeit in Frankfurt befaßt 
haben. Von 1921 bis 1933 war Dr. Ernst 
Michel hauptamtlicher Dozent an der betr. Aka 
demie, 1931 wurde er zum Honorarprofessor 
in der Wirtschaft«- und sozialwissenschaftlichen 
Fakultät der Universität Frankfurt ernannt. Der 
Gelehrte hat also seine Lebensaufgabe der wissen 
schaftlichen Untersuchung und Förderung eines 
wichtigen Teiles der Arbeitswelt gewidmet. Seine 
Bücher, Schriften und Vorträge haben in Fach 
kreisen und darüber hinaus bei allen an der 
Arbeitswelt Interessierten seit Jahrzehnten all 
gemeine Aufmerksamkeit erregt. Wichtige Un 
tersuchungen sind unangetastet geblieben, über 
Weilerungen und Auslegungen mögen manche 
Auffassungen auseinandergehen. Diesbezüglich 
ist ja niemand sicher, ob seine Ausführungen 
nicht mißverstanden oder gar mißbraucht wer 
den. Man kann es jedenfalls als ein großes Plus 
bez.! ' neu, daß das deutsche Schrifttum auf 
diesem wichtigen Gebiet ein solches Werk in 
Originalfassung vorlegen kann. 
Obwohl die gründliche Behandlung der Ma 
terie notwendigerweise eine Reihe von Fach 
ausdrücken verlangt, ist die Sprache insgesamt 
dennoch so, daß eine breite Schicht sie ohne 
weiteres klar versteht. Der kundige Gewerk 
schaftler wird die Tatsachen und Theorien, das 
reine Wissen und die Meinung auseinanderhal 
ten und das Wesentliche nachprüfen können. 
Vieles sieht man durch die Lektüre mit den Au 
gen des Wissenschaftlers weit ausgebreitet vor 
sich. Die Auswirkungen der toten Welt der 
Materie auf den lebendigen Organismus des ein 
zelnen wie der Gesamtheit erhalten in einer 
gründlichen Beleuchtung ihre genaue Definition 
Die neuen Erkenntnisse und Bestätigungen, die 
jeder für sich und für das Ganze aus diesem 
Studium der Probleme gewinnen kann, müssen 
unbedingt fruchtbringend sein. Ueber manches 
wird man gewerksehaftlicherseits zu diskutieren 
haben, die Auffassungen werden zu Vergleichen 
und zu Klärungen drängen. Das gewaltige Ge 
biet der Arbeitswelt bedarf dringend einer im 
merwährenden Diskussion. In der Arbeitswelt, 
die aus der kapitalistischen Epoche entstanden 
ist, begegnen wir auf Schritt und Tritt gleich 
sam einem gordischen Knoten. Was uns einer 
Lösung der schwierigen Probleme näherbringt, 
ist lebhaft zu begrüßen. Das Werk Ernst Mi 
chels ist mit eine Handhabe. - A- 
Streik-Bonds. Der Verband der USA-Ge- 
werkschaft „Vereinigte Hutarbeiter“ (AFL) hat 
die Ausgabe von 500 000 Dollar in 3prozen- 
tigen Bonds autorisiert. Herausgeber der Bond» 
ist der Verband selbst. Sie werden an seine 
in Arbeit stehende Mitglieder verkauft, um 
einen langwierigen Streik gegen die Ameri 
kanische Hutkoroporation zu finanzieren. Der 
Verband hat Streikunterstützungen von 25 
und 30 Dollar die Woche drei Monate lang 
bezahlt. In den ersten 10 Tagen wurden 
200 000 Dollar dieser Bonds verkauft. 
7)ie JAeatecaemeinde teilt mit: 
HHIIH1IIHI1limHIB»IIIHmitlllt1llll!rtlllHIHHII1HB0II«IUM«HIWll»HHIHIimill!UIIII» 
Folgende Veranstaltungen des Stadt 
theaters Saarbrücken finden im Monat 
November im Rahmen unserer Mieten 
statt: 
Sonntagsmiete: 
15.11.1953: Die Meistersinger von Nürn 
berg von Richard Wagner. 
Diese Vorstellung beginnt ausnahms 
weise um 17 Uhr. 
Montagsmiete: 
16.11.1953: Wie es euch gefällt! Lust 
spiel von William Shake 
speare. 
Winter-Mäntel 
alle Farben und Preislagen 
30.11.1953: Die Zauber flöte. Oper von 
Wolfgang Amadäus Mozart. 
Die Vorstellung am 15. 11. 1953 (Mei 
stersinger) ist ausverkauft. 
Für alle übrigen Veranstaltungen der, 
Sonntags- wie auch der Montagsmiete 
können noch einige Abonnements abgege 
ben werden. Wir bitten Interessenten, sich 
mit der Hauptkasse der Hauptverwal 
tung (Brauerstraße 6—8, Zimmer 10) 
oder mit den Kreisgeschäftsstellen der 
Einheitsgewerkschaft in Verbindung z« 
setzen. 1 
Dauer« 
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Arbeitet 
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Verstärkt 
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