Full text: 1952 (0007)

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September 1952 
Arbeits- und berufspolitische Probleme 
Die klare Herausstellung arbeits- und be- 
rufspolitiseher Probleme in dem nachste 
henden Artikel verdient besondere Beach 
tung, zumal eine Reihe von Vorschlägen ge 
macht werden, deren Prüfung die Grund 
lage für eine gesunde Weiterentwicklung 
sein kann. 
Auf einige Abschnitte sei die Aufmerk 
samkeit besonders gelenkt, und zwar: Ar 
beitsbeschaffung und Vermittlung, Mangel 
berufe und Ueberschußbevufe, Kurzarbeit, 
INoistandsarbeit, Aufgaben der Betriebslei 
ter und Betriebsräte, Schulung, Landes- 
stockgeider, Berufsaussichten, das Problem 
der Kräfteverteilung, die Wohnungspolitik. 
Die Arbeitsverwaltung hat zu wählen: 
entweder die ihr übertragenen Fachaufga 
ben, wie Arbeits-Vermittlung, Berufsbera 
tung, Arbeitslosenversicherung u. Arbeits 
beschaffung weiterhin zusammenhanglos 
zu „erfüllen“ und damit ihre Daseinsbe 
rechtigung als Fachverwaltung bald zu 
verlieren, wobei wieder wie früher die 
Kreisverwaltungen die gesamten Aufga 
ben übernehmen werden, oder sie geht 
von der Arbeitsvermittlung zur Arbeits 
politik von der Berufsberatung zur Be- 
rufspolitik 
Ober und gewinnt damit ihr Ansehen, 
besonders in der Wirtschaft, wieder zu 
rück. 
Das Hauptziel muß dabei in der Lieber 
windung der Arbeitslosigkeit überhaupt 
und in der Verringerung der gesteiger 
ten Unruhe und Bewegung auf dem Ar 
beitsmarkt liegen, d. h. also, in einer 
weitgehenden Üeberwindung der Arbeits 
losenhilfe, der Arbeitsvermittlung und 
des ganzen mechanisch- und technischen 
Ausgleichsverfahrens. Die Arbeitsverwal 
tung muß von den. Symptomen, vom 
Oberflächenbereich der Arbeitsnot hin 
wegkommen und sich dem tieferen Ursa 
chengebiet derselben zuwenden, also von 
der Verwaltung der Arbeitslosigkeit zur 
Gestaltung des gesamten Arbeitslebens 
gelangen. Dies heißt aber nichts ande 
res, als daß die Arbeitsverwaltung die da 
hinterliegenden Verhältnisse besser ord 
net, die die notbestimmenden Faktoren 
sowohl auf der Bevölkerungsseite als auch 
auf der wirtschaftlichen Seite besser auf 
einander abstimmen. 
In der heutigen Arbeitsnot offenbart 
sich, kurz gesagt, ein besonders star 
kes Spannungsverhältnis zwischen Mensch 
und Arbeit, zwischen Bevölkerung und 
Was soll der Berufsberater den ratsuchen 
den Jugens bieten, wenn in seinem Bezirk 3/4 
der Wirtschaft zur Schwerindustrie hin aus 
gerichtet ist? Wie soll der Kriegsbeschädigten 
vermittler die Beinamputierten betreuen, wenn 
die entsprechende Industriearbeit und Leicht 
arbeit in seinem Bezirk fehlt? 
In einem Arbeitsaratsbezirk haben sich bei 
einem neuerrichteten Betrieb der sogenann 
ten Leichtindustrie 10 mal soviel Frauen zur 
Arbeit gemeldet, als aufgenommen werden 
konnten, alles Frauen, die nicht einmal als 
Arbeitslose beim Arbeitsamt gemeldet waren, 
also als „stille Reserve“ anzusprechen sind. 
An einer anderen Stelle des Wirtschafts 
lebens stoßen wir auf zahlreiche im Berufs 
leben überanstrengte 40- und 45 jährige „berg 
fertige Leute“, die rasch im Leben verbraucht 
sind und als Frühinvaliden vor uns stehen! 
In einem Werk arbeiten 600 Menschen in 
zwei Schichten, also 12 Stunden am Tage. 
Sie könnten bei normaler Arbeitszeit, als* 
bei 8 Stunden, auf der einen Seite 200 neue 
Arbeitsplätze für Arbeitslose freimachen und 
sie könnten — würden sie auf diese Weise 
mit ihren Kräften besser haushalten — auf 
der anderen Seite ihr Berufsalter später ein 
mal um 5 oder 10 Jahre erhöhen. Hier also 
ein unverantwortlicher Kräfteverschlciß, dort 
ein ebenso unerhörtes Brachliegen und Ver 
schwenden wertvollster Volks- und Arbeits 
kraft — übrigens mit ganz derselben gesund 
heitlichen und geistigen Auswirkung. So wie 
wir auf der einen Seite in ausgesprochenen 
Mangelberufen und Mangelbezirken nach Tech 
nikern und bestimmten Facharbeitern rufen, 
nach Erfindern and Forschern, nach Steno 
typistinnen und Sprachkundigen, nach Land- 
ar b e itern und Bauarbeitern, nach handfesten 
Männern in den mittleren Alterschichten usw., 
so liegen an anderer Stelle wertvolle Bega 
bungen, wertvolles Menschengut brach und so 
warten Männer und Frauen, vor allem auch 
Jugendliche auf einen durchgreifenden zwi- 
Bchenbezirklichen und zwischenberuflichen 
Spannungsausglcich. Oder sie warten auf Ge 
legenheit zu beruflicher Ausbildung und Ver 
vollkommnung, zu Fortbildung oder Umschu- 
^ un _S> warten auf Schaffung zusätzlicher und 
geeigneter Dauerarbeit an ihrem derzeitigen 
Wohnort. 
Nach diesen Betrachtungen treten die kon 
kreten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen 
klar hervor. 
Kritik und positive Vorschläge 
Wirtschaft, das gemildert werden muß. 
Und dies nennen wir Arbeitspolitik und 
Berufspolitik. 
Auf der einen Seite — z. B. im nördlichen 
Teil des Landes — sind arbeitsfähige und 
arbeitswillige Menschen da, auf der anderen 
Seite — z. B. in den Industriezentren — 
fehlt es an solchen, das bedeutet, also Ar 
beitslosigkeit und Arbcitermangel in einem 
verhältnismäßig kleinen Lande. 
Hier können ferner aufstrebende Men 
schen, tüchtige Menschen, nicht zum Zuge 
kommen, keine Lehrstellen finden, nicht 
vorwärtskommen, werden nicht, was sie 
gerne möchten und wozu sie das Zeug in 
sich haben. Dort schreit die Wirtschaft ge 
radezu nach tüchtigen Arbeitern, nach Fach 
kräften und Spezialkräften, nach Spitzen 
leistungen und Qualitätsleistungen; d. h. also 
Mangelberufe und Ueberschußberufe, feh 
lende Auslese und qualitative Kräftevertei 
lung. 
Ganz besonders aber können Aeltere und 
Erwerbsschwächere, Frauen und Jugendliche 
keine Tätigkeitsgebiete finden, weil die für 
sie geeigneten Arbeitsplätze bereits besetzt 
und verbaut sind, es also an der richti 
gen Planung und Ordnung auf dem Ar 
beitsmarkt fehlt. 
Und schließlich arbeiten an zahlreichen 
Stellen die Menschen viel zu lange — ver 
zehren also zuviel Arbeit und verbrauchen 
sich zu rasch — während an anderen Stel 
len kurzgearbeitet wird. So herrscht also 
eine große Unordnung auf dem Arbeits 
markt. Mangelbezirke neben Ueberschußbe- 
zirken, Kurzarbeit neben Ueberzeitarbeit, feh 
lende Berufsleistung neben brachliegenden Be 
gabungen. 
Das Charakteristikum des Arbeitsmarktefl 
ist nicht so sehr die Arbeitslosigkeit, sondern 
seine Unausgeglichenheit. Und wenn man 
eine Arbeitspolitik, d. h. also eine Ausgleichs 
politik betriebe, dann hätten auch die mei 
sten, der heute noch bei den Arbeitsämtern 
registrierten rund 5000 Menschen und die 
mindestens rund 7000 bei den Arbeitsämtern 
nicht registrierten Arbeitslosen (stille Re 
serve) Arbeit und Brot, und sie hätten darü 
ber hinaus die richtige Tätigkeit im Berufs 
leben inne, wodurch eine viel höhere Produk 
tionsleistung in der Volkswirtschaft zustande 
käme. 
Erst wenn zwischen der bestehenden Bevöl 
kerungsstruktur und der Wirtschaftsstrukfur 
eine volle Ausgeglichenheit besteht, kann man 
von einer Harmonie sprechen, die wir in der 
Arbeitspolitik anzustreben haben. 
Männerarbeitsbezirke oder Frauenarbeitsbe 
zirke, Schwerarbeiterbezirke oder Leichtarbei- 
terbezirke, einseitige weitschichtige Landwirt- 
schaftsdistrikte oder massierte Kohlen- und 
Eisengebiete sind darum immer vom Uebel, 
sie sind krisenschwach und anfällig. Sie schöp 
fen immer nur einen Bruchteil ihres Arbeits 
kräftevorrates aus und überbeanspruchen an 
dere Teile dabei. Wohlstand kann aber nur 
dann entstehen, wenn alle arbeitsbereiten 
Menschen nach ihrer Art Güter und volks 
wirtschaftliche Werte sehaffen dürfen. 
Auf der Bevölkerungsseite müssen die ge 
kennzeichneten ausgleichenden und berufslen 
kenden Maßnahmen erfolgen. Auf der wirt 
schaftlichen Seite müssen endlich echte Ar- 
beitsbeschaffungs- und Arbeitsverteilungsmaß- 
nahmen eingeleitet werden. Immer in gegen 
seitiger, wechselseitiger Richtung. 
Allen voran hat eine Art Inventuraufnahme 
auf dem Arbeitsmarkt in Form der systema 
tischen Arbeitsberatung zu gehen. Jeder ein 
zelne Arbeitslose und Arbeitsuchende, jeder 
Jugendliche und Erwerbsbeschränkte, beson 
ders jene Unterstützungsempfänger, die sich 
jahrelang durch eine bescheidene Provisions 
tätigkeit oder durch Schwarzarbeit einen Ne 
benverdienst geschaffen haben und somit zu 
„Rentenempfängern in der Arbeitslosenversi 
cherung“ geworden sind, aber auch jeder Ar 
beitswillige der nicht mehr zum Arbeitsamt 
eht, der der „stillen Reservearmee“ ange- 
ört, muß dem Berufsberater und Fachver 
mittler — evtl, in Verbindung mit Arzt, Leh 
rer und Psychologen - bekanntwerden, und zwar 
mit all seinen Fähigkeiten und Schwächen, was 
seinen Niederschlag auf der Berufskarte beim 
Arbeitsamt finden muß. Daraus resultiert so 
dann alles, was in der Arbeitspolitik praktisch 
geschehen muß. 
Dieses System der Arbeitsberatung und Be 
rufsberatung ist notwendig, um aus der ver 
schwommenen und angriffsfähigen Lage im 
Bereich der Arbeitslosigkeit hinauszukommen. 
Man sollte mit Konsequenz und doch mit echt 
sozialer Grundeinstellung eine Bereinigungs 
aktion durchführen. 
Die Berufsberatungsstellen sind keine Mas- 
senabferiigungen, sondern Instrumente der Ar 
beitspolitik. Hier werden nicht Menschen 
registriert und abgefertigt, sondern warmher 
zig beraten, überzeugt und gelenkt, und zwar 
bis der optimale Arbeitsplatz und Beruf ge 
funden ist;! 
Die kurzfristigen Arbeitslosen, die sogenann 
ten fluktuierenden Kräfte, die ihre Stellen 
wechseln, oder aus Saisongründen vorüberge 
hend aus der Wirtschaft ausscheiden, sind 
eigentlich überhaupt keine Arbeitslosen im so 
zialen Sinne. Sie stellen deshalb auch keine 
rößeren Anforderungen und keine größeren 
robleme dar. 
Es ist gelungen, die Saisonarbeitslosen durch 
eine sogenannte Winterwetterregelung so aus 
zuscheiden, daß die im Außendienst, nament 
lich in der Bauwirtschaft Beschäftigten, das 
ganze Jahr bei ihren Betrieben verbleiben, 
aber künftig jeden frostfreien Tag ausnutzen 
müssen, um nur bei starker Kälte oder anhal 
tendem Schnee- und Regenwetter in den Ge 
nuß der Wetterregelung zu kommen, die als 
eine Art Kurzarbeiterunterstützung endlich 
aber auch gemeinsam von den Arbeit 
nehmern und dem Betrieb getragen werden 
muß. 
Die Maßnahmen gegen die Schwarzarbeit 
im Sinne der Sozialversicherung dürften bei 
günstiger Arbeitsmarktlage und bei Wiederein 
führung des Ermittlungsdienstes durch die Ar 
beitsämter den Kreis der Schwarzarbeit er, die 
sogenannten „beschäftigten Arbeitslosen“, wei 
ter einengen. 
In einem gut geleiteten Arbeitsamt ist die 
Zahl der ledigen Arbeitslosen immer nur ge 
ring, da ihr Verwendungsspielraum, ihre Um 
stellungsfähigkeit auch zu allen möglichen Ge 
legenheitsarbeiten hin ziemlich groß ist. 
Die Prüfung der Arbeitswilligkeit wird der 
bewährte Arbeitsvermittler ständig an asozia 
len und arbeitsscheuen Arbeitslosen vornehmen 
und diese durch alle möglichen geeigneten Er 
ziehungsmaßnahmen auszukurieren versuchen. 
Eine weitere Kategorie Arbeitsloser bilden 
die am falschen Ort wohnenden Menschen: im 
sogenannten zwischenbezirklichen Ausgleich 
müssen sie an die Arbeit herangebracht wer 
den, was in vielen Fällen eine arbeitsorien 
tierte Wohnungspolitik voraussetzt. 
Beschäftigungsarme und dadurch überfüllte 
Gebiete werden entlastet und kräftesuchende 
und menschenarme Gebiete aufgefüllt. Die so 
genannten aufnahmefähigen Aktivräume sind 
Saarbrücken, Hombnrg und Saarlouis. Darüber 
hinaus geht der Abfluß auch in das lothrin 
gische Grenzgebiet. Je mehr dabei ein selbstän 
diger Fluß, ein natürliches Gefälle von den 
übersetzten nach den unterbesetzten Räumen 
geschaffen werden kann, umso besser. 
Es geht also darum, für die am falschen 
Platz, d. h. in verkehrsungünstig gelegenen 
Ortschaften wohnenden Kräftereserven u. a. 
auch Mittel des Landesstocks der Arbeitsver 
waltung in Form von Wohnungsbaukrediten, 
aber Einzelkrediten, zum Einsatz kommen 
zu lassen. Bei der Arbeitsberatung im Abgabe 
gebiet und bei der Betriebsberatung im Auf 
nahmeort, muß der Finanzierungsplan für den 
Einzelfall ermittelt und der etwaige Beitrag 
aus dem Landesstock der Arbeitsverwaltung 
festgelegt werden. Zum arbeitsorientierten 
Wohnungsbau gehört auch der Auf- und Aus 
bau von Lebrlingsheimen. Auch dadurch wer 
den junge Menschen den aufnahmefähigen Ge- 
In der Berufsberatung für Jugendliche muß 
die Frage mehr wissenschaftlich geklärt werden, 
wo und wieviel Bedarf in den kommenden Jah 
ren in den einzelnen Berufen an 'wirklichen: 
Lehrlingen besteht. So gut der Ruf .'„Jedem 
Jungen und jedem Mädchen eine Lehrstelle“ 
klingt —, die Hunderte von Abwanderungen 
während und nach der Lehrzeit in andere Be 
rufe beweisen, daß es noch an der grundliegen 
den Kenntnis des wahren Bedarfs, natürlich 
auch an der gewissenhaften Eignungsunter 
suchung gefehlt hat. Macht nicht die fort 
schreitende Rationalisierung und Typisierung 
unserer Wirtschaft den Angelernten und 
Hilfsarbeiter ebenso wichtig wie den G e- 
lernten? Ja, kann nicht fast eine mathe 
matisch genaue Verhältniszahl dieser drei Grup 
pen gefunden werden? 
Das wäre immerhin eine bedeutende Aufgabe, 
an denen Wirtschaft und Arbeitsverwaltungmit 
zuwirken hätten, um Fehlläufe einigermaßen zu 
verhindern, insbesondere aber, um Menschen vor 
schweren Enttäuschungen zu bewahren. Man 
suche auch nicht das Heil in der Subventio 
nierung von Lehrstellen, denn eine direkte Sub 
ventionierung des „guten Willens“ ohne gleich 
zeitige Gewährung von Beihilfen würde die Ver 
mittlung von Lehrlingen künftig fast unmöglich 
machen. Ganz abgesehen davon, daß zum 
Nachweis der „vermehrten Einstellung“ in den 
seltensten Fällen objektiv zutreffende Erhebun 
gen möglich sifcd. 
Solange die Unausgeglichenheit auf dem Ar 
beitsmarkt besteht, solange müssen Menschen, 
u. a. auch von der Arbeitsverwaltung beruf 
lich besser geschult, nachgeschult und um 
geschult werden. Dies gilt für die Jugendlichen 
und für die Erwachsenen. Die Berufsberatung 
steht hierbei am Anfang. Sie reguliert den 
Zustrom von unten her im Sinne des Arheits- 
marktes, stoppt also bei den Ueberschußbe- 
rafen ab, liest hier schärfer aus und verstärkt 
den Zulauf bei den Mangelberufen. Dies gilt 
von zahlreichen akademischen Berufen bis zu 
vielen handwerklichen Berufen. Dabei zeigt 
sich immer mehr: die Berufsaussichten des ein 
zelnen steigen mit der Verbreiterung seiner 
Vorbildung und Ausbildung. Eine Ueberwin- 
dung des Spezialistentums, einer der Haupt- 
qnellen der Arbeitslosigkeit und Lebensunsi- 
cherheit sollte auch für sogenannte Grandaus- 
bildnngskurge der Arbeitsverwaltung im Rah 
men berufsvorbereitender Maßnahmen ange 
strebt werden. 
Bei den Bildungsbestrebungen steht im Blick 
feld der möglichst weit auf sieh selbst ge 
stellte, wendige und vielseitig geschickte, vi 
tale und krisenfeste Arbeiter, der sich selb- 
tätig nach Bedarf auf neue Lebenslagen um 
stellt und der im Nebenberuf oder Eigenbe 
ruf eine Ausweichstelle für Notzeiten, sowie 
eine ins Gewicht fallende zusätzliche Ein 
nahme- und WohJstondsquelle erschließt. Ganz 
zu schweigen von der persönlichkeitsbildenden 
Kraft eines solchen Eigenbesitzes und Eigen 
heimes, eines solchen intuitiven und schöp 
ferischen Schaffens, das allein politische und 
bieten zugeführt und damit nicht nur Ar 
beitslosigkeit bekämpft, sondern gleichzei 
tig das Produktionsvolumen nicht unwesent 
lich erhöht. 
Gleichbedeutend steht daneben der ebenso 
dringend erforderliche zwischenbcrnfliche Aus 
gleich, von den überbesetzten Berufen za den 
Mangelberufen. Aach hier wird ein selbstän 
diges natürliches Gefälle am besten erreicht, 
wenn einerseits die erwerbsschwachen Berufe 
anziehender gemacht werden, als Magnet wir 
ken, d. h„ wenn die Arbeits- nnd Lohnbedin 
gungen günstiger und wenn andererseits dis 
Ümstiegswege verbessert und ausgebaut wer 
den. Dazu muß einmal durch Einzelberatung 
und durch Aufklärungsarbeit eine den Man 
gelberufen zugewandte günstigere öffentliche 
Meinungsbildung geschaffen und dazu ein um 
fassendes Erziehungswerk aufgerichtet werden. 
menschliche Freiheit im abendländisch n Sinne 
zu vermitteln vermag. 
Bei der Unterbringung der älteren Ange 
stellten gebt es darum, daß die Betriebe sich 
zu gesamtwirtschaftlichen, gesamtstaatlichen 
Ideen bekennen. Die Berufsberatung und Ver 
mittlung werden in der schärferen Auslese zum 
Angestelltenberuf, in der Bereinigung von un 
geeigneten Elementen und in der Unterbrin 
gungsfürsorge in den Betrieben endlich zu Er 
folgen kommen müssen. 
Neben einer besseren Anpassung der Bevölke 
rung an die gegebenen wirtschaftlichen Ver 
hältnisse muß nunmehr auch von der anderen 
Seite eine ebenso notwendige Anpassung der 
Wirtschaft an die vorhandene Bevölkerung 
folgen: gemeint ist die Arbeitsbeschaffung und 
eine bessere Arbeitsverteilung. 
Unter Arbeitsbeschaffung versteht die Oef- 
fentlichkeit in der Regel die Durchführung 
öffentlicher Arbeiten, sogenannter Notstands 
arbeiten. 
Diese mögen zur Prüfung des Arbeitswil 
lens, zur Erhaltung der Arbeitskraft, ferner 
zur Erziehung asozialer und arbeitsschwacher 
Menschen, in Einzelfällen auch zu einem bes 
seren wirtschaftlichen Aufbau eines Teilgebie 
tes, eine gewisse Rolle spielen. Im großen und 
ganzen aber wirken sie mit ihrem großen Ka 
pitalverschleiß zehrend und verschwenderisch, 
da es sich, zu einem Teil jedenfalls, um Ar 
beiten von wirtschaftlich nicht besonderer Be 
deutung handelt. Jedenfalls stehen die Not 
standsarbeiter nach Beendigung der Notstands 
arbeit wieder als Arbeitslose da. Darum muß 
es an der Arbeitsbeschaffung in erster Linie 
um die Beschaffung von Dauerarbeit gehen. 
Solange die Kapitaldecke knapp ist, sollte 
man mit einem Minimum von Geldeinsatz am 
rechten Ort und in der rechten Branche ein 
Maximum an Dauerarbeit erschließen. In der 
Nachkriegszeit ist darin schwer gesündigt wor 
den. Die Fehlinvestitionen, wie sie sich z. B. 
in der Errichtung von überzähligen Produk 
tionsstätten, die seit dem Zusammenbruch 
entstanden sind, ferner in der Ausweitung —? 
anstatt in der Vereinfachung — des Vertei 
lungsapparates bemerkbar machen, mahnen 
zur Umkehr. 
Gelder des Landesstocks 
Die Gelder des Landesstocks der Arbeits 
verwaltung sollten nur dorthin gelenkt wer 
den, wo, kurz gesagt, „billige Dauerarbeit“ 
entsteht, d. h. wo mit wenig Geld viele Ar 
beitsplätze errichtet werden, wo darüber hin 
aus durch eine solche Initialzündung gleich 
sam in konzentrischen Kreisen immer weitere 
Arbeit selbständig erschlossen, immer weitere 
Wirtschaftszweige belebt lind dadurch immer 
mehr Wohlstand geschaffen werden kann. 
Es müssen deshalb die neuralgischen Punkte 
Im Wirtschaftsgeschehen, die Herzkammern 
des Wirtschaftsorganismus, getroffen werden, 
Arbeitsbeschaffungs^ und Verteilungsmaßnahmen 
Berufsberatung — Notstands- und Dauerarbeit
	        
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