Full text: 5.1950 (0005)

April 
1950 
.DIE ARBEIT 1 
Seite 3 
D IDE STIMME DER VIER B AN ID IE 
j.V. öffentliche Betriebe 
Entwurf einer Tarifordnung 
Erläuterung und lebhafte Diskussion der DchtspielhausangesteUten über den neuen 
Entwurf. 
Die Einheitsgewerkschaft hat heute fast 
olle Berufsgruppen innerhalb der Industrie- 
Verbänden erfaßt. So befinden sich in 
den Reihen des I. V. Oeffeniliche Betriebe 
und Verwaltungen nicht nur die Fachgruppe 
der Forsten, der Landwirtechait, der Ban 
ken, Sparkassen und Versicherungen, son 
dern die Kino-Angestellten haben eich eben 
falls zu einer Pachgruppe zusammenge 
schlossen. Auch eie haben Sorgen und 
Nöten, sind fast lOOprozentig organisiert und 
wollen sich von der Einheitsgewerkschaft 
vertreten wissen. Zur Debatte steht zur /.eit 
der Entwurf der Tarifordnung- Doch darüber 
in folgendem Versammlungsbericht mehr. 
Die Fachgruppe der Lichtspielhausange- 
slellten der Einheitsgewerkschaft veran 
staltete in Saarbrücken eine gutbesuchte 
Delegiertenversammlung, die sich in der 
Hauptsache mit der neuen Tarifordnung 
beschäftigte. Vorsitzender Magold eröff 
net* die Versammlung. Gewerkschaftsse 
kretär Hektor sprach über Stundenlohn, 
Urlaub, Entlassung und Einstellung, Fest 
legungen und Abänderungsvorschläge in 
nerhalb des neuen Entwurfs eines Tarif 
vertrages und gab den 71 erschienenen 
Delegierten die notwendige Aufklärung. 
D e neue Tarifordnung, eie für alle Licht 
spieltheater des Saarlandes Geltung hat, 
sieht vor allem eine Regelung der Arbeits 
zeit vor. Die 48-Stundenwoche darf nicht 
überschritten werden, es sei denn, daß die 
vom Arbeitgeber angeordnete Mehrarbeit 
durch einen Zuschlag von 25 Prozent bzw. 
50 Prozent vergütet wird. Die Arbeitszeit 
ist bei drei Vorstellungen auf acht Stun 
den, bei zwei Vorstellungen auf 5,5 Stun 
den’ und bei einer Vorstellung auf drei 
Stunden festgelegt. Der Stundenlohn be 
trägt für Vorführer mit fachlicher Ausbil 
dung und einem Prüfungszeugnis gestaf 
felt nach den verschiedenen Ortsklassen 
70 bis 100 Frs. Der Stundenlohn für Um 
roller, Platzanweiser, Kontrolleure, Garde 
robefrauen und Portiers je 56 Frs. und für 
Kassierer 64 Frs. Durch einen Zuschlag 
zum Grundlohn (Stundenlohn) von 3 bis 
15 Proz. erhöht sich dieses Einkommen. 
In Theatern mit mindestens sechs Spiel 
tagen in der Woche ist bei regelmäßig 6 
bis 11 Vorstellungen wöchentlich in jeder 
zweiten Woche ein freier Tag zu gewäh 
ren. In Theatern mit regelmäßig 12 und 
mehr Vorstellungen fällt in jede Woche 
ein freier Tag. Bei einer Beschäftigungs 
zeit von mindestens vier Wochen oder 25 
Arbeitstagen ist dem Lohnempfänger nach 
dem 21. Lebensjahr pro Monat ein Tag, 
vor vollendetem 21. Lebensjahr 1l/g und 
vor Vollendung des 18. Lebensjahres für 
jeden abgeleisteten Monat zwei Urlaubs 
tage zu gewähren. Die Gewährung von 
Zusatzurlaub ist ebenfalls genau geregelt. 
Hinsichtlich der Kündigung gelten die je 
weils bestehenden gesetzlichen Bestim 
mungen. Gewerkschaftssekretär Hektor 
stellte anschließend die neue Tarifordnung 
zur Diskussion, wobei er scharf die Ver 
zögerungstaktik der Unternehmer kritisier 
te, die zum Schaden der Angestellten die 
Tarifordnung so lange hingezogen hatten. 
Die Geduld der Fachgruppe sei aber end 
lich erschöpft, und es sei angebracht, ihre 
Forderungen, falls die Verzögerungstaktik 
weiter beibehalten wird, eine Streikparole 
auszugeben. — In der Diskussion wurde 
vor allem die Frage der Zweitaufführungs 
theater eingehend besprochen, und die 
Versammlung zeigte sich mit der entspre 
chenden vorliegenden Aufstellung nicht 
ganz einverstanden. Diese Frage fand in 
sofern große Beachtung, weil Zweitauffüh 
rungstheater mit niedrigeren Lohnstufen 
arbeiten. 
* 
Eine Mitteilung 
Die Fachgruppe der Banken, Sparkassen 
und Versicherungen teilt mit, daß *14 
neuer Tarifvertragsentwuri für Banken und 
Sparkassen ausgearbeitet wurde. 
Die Ausarbeitung eines neuen Tarifvetft- 
tragsentwurfs für Versieherungsangestellfe 
ist in Kürze fertiggestellt. 
I. V. Post- und Fernmeldewesen 
Erbitterung unter dem Personal 
Wann kommen die Anstellungen und Beförderungen? 
Im Rechnungsjahr 1949 erhielt die Post- 
und Telegraphenverwaltung des Saarlan- 
des 300 von den im Rechnungsjahr 1948 
gestrichenen 331 Planstellen zurück. Der 
Ersatz war allerdings nicht vollwertig, da 
laut § 6 des Haushaltsgesetzes lediglich 
die Umwandlung von 300 Arbeiter- und 
Angestelltensteilen in Beamtenstellen vor 
gesehen war. Dies hätte zur Folge gehabt, 
daß lediglich die Eingangsgruppen A lö, 
A 9 und A 8 b hätten besetzt werden kön 
nen, wohingegen die Absetzungen im 
Rechnungsjahr 1948 auch die übrigen Be 
soldungsgruppen erfaßten. Den Vorstel 
lungen und Eingaben von Gewerkschaf 
ten und Verwaltung gelang es, den Land 
tagsbeschluß vom 10. 6. 1949 herbeizu 
führen, demzufolge die 300 Eingangs st ei 
len. als Beförderungsstellen ausgebracht 
wurden. Die Zuweisungen erfolgten am 24. 
7. 1949. Damit war sowohl den auf ihr* 
Ernennung als auch den auf eine Beför 
derung Wartenden Rechnung getragen. 
Es ist verständlich, daß die PTV exet 
mit dem Tage der Zuweisung die vorbe 
reitenden Arbeiten in Angriff nahm, woll 
te sie doch vermeiden, daß unter dem 
Personal falsche Hoffnungen geweckt 
würden. Aber bereits am 5. 9. 49 gingen 
16 Vorschlagusten an die Regierung ab; 
weitere folgten in der Reihenfolge, wie die 
notwendigen Vorarbeiten zum Abschluß 
gekommen waren. Mitte Dezember konn 
te ca. ein Drittel aller Ernennungen und 
Beförderungen ausgesprochen werden. 
Seitdem hat sich nichts mehr ereignet. 
Die anfängliche Enttäuschung über die 
schleppende Behandlung der eingereich 
ten Vorschläge ist mit fortschreitender 
Zeit in tiefe Erbitterung umgeschlagen. 
Was ist geschehen? Der Landtag hat 
am 27. Januar 1950 eine Sperre beschlos 
sen. Er will hinsichtlich der Stellenpläne 
für 1950 erst dann seine Entscheidungen 
treffen, wenn er die notwendige Gesamt 
prüfung vorgenommen hat. Diese in Rede 
stehende Sperrebestimmung ist wohlge- 
merkt in den Haushaltsplan für 1950 ein 
gebaut worden und soll u. a. demzufolge 
auch nur für das Rechnungsjahr 1950 
Gültigkeit haben. Trotzdem wurde sie 
auch auf unsere Rückstände aus 1949 
ausgedehnt. 
Wenn wir uns fragen, ab dies die Ab 
sicht des Landtags war, so müssen wir 
die Frage mit einem eindeutigen Nein! 
beantworten. Schließlich war es der Fi 
nanz- und Haushaltsausschuß des Land 
tags, der die Anstellungs- und Beförde- 
rungsverhältnisse bei. der PTV nach ein 
gehender Prüfung als ungünstig bezeich 
nte und für 1950 die Zuteilung weiterer 
Planstellen in Aussicht stellte. Das Ziel 
War, den Stellenverlust aus 1948 auszu- 
gleichen und eine schrittweise Verbesse 
rung der Personalverhältnisse herbefzg- 
ren. Wir können nicht glauben, daß dies* 
nach reiflicher Prüfung gefaßte Absicht 
von »0 kurzer Lebensdauer gewesen seih 
soll. Noch unglaublicher erscheint es und. 
Maß der Landtag mit dieser Sperrbestim- 
mung etwas, dem er im Haushaltsjahr 
1949 seine Zustimmung bereits gegeben 
hat, hemmen oder aufheben wollte. Wenn 
dies der Fall wäre, so hätte er das 
zum Ausdruck gebracht. Da er es nicht 
tat, müssen wir annehmen, daß Gasfüh 
rende Organe übers Ziel hinausgeschos 
sen sind und das Kind mit dem Bade 
ausgeschüttet haben. 
Wie lange aber solllen cg. 800 Bediet> 
stete noch auf ihre länget ßttügen Anstel 
lungen und Beförderungen warten? 
Kraftfahrer fragen an 
An die Adresse des Verkeh rem ln is t e r iums. 
Wir gestehen offen, daß wir uns mit dem 
Verkehrsministerium ungern ln einen 
Schriftwechsel einlassen. Bel keiner an 
deren Behörde wird die Geduld auf ein« 
derartig harte Probe gestellt. 
So sind wir am 10. 10. 1949 an das At- 
beitsministerium mit einer Eingabe heran 
getreten, die die Bezahlung cber Ueberia- 
gerzeit des Kraftfahrpersonals zum Ge 
genstand hat. 
Die Stellungnahme der OPD passierte 
gut dem Rückweg das Verkehrsminista- 
rium und liegt nun schon Monate dort 
fest. Die Vermutung Hegt nahe, daß sich 
zentimeterdicker Staub darauf gelegt hat, 
weshalb wir uns erbieten, den Vorgang 
mit der nötigen Anzahl von Staublappen 
wieder freizubuddeln, damit wir noch vor 
Ablauf des 10. 10. 1950 beim ATbeitsmini- 
sterium die Angelegenheit zu Ende brin 
gen können. 
Nochmals Graupäßlerproblem 
Vor einem Jahr war dieses Problem noch 
kein richtiges Problem. Bis dahin blieb es 
aut die Paß färbe beschränkt. Anders 
wurde die Situation im leinten Viertel des 
Jahres 1949, als plötzlich — gewisserma 
ßen über Nacht — langjährige Beamte mit 
grauen Pässen nicht mehr befördert wer 
den konnten. 
Wenn wenigstens das „Tempo“ der Ein 
bürgerungen heraufgesetzt worden wäre, 
könnte man von einem halbwegs gelunge 
nen Ausgleich sprechen. Aber nach gut 
einem halben Jahr vergeblichen Wartens 
wagen wir die Feststellung, daß die Hoff 
nungen enttäuscht wurden. 
Als wir auf unserer Generalversamm 
lung Anfang November 1949 das Thema 
behandelten, antwortete Minister Dr. Sin 
ger, daß gewisse Gründe es hätten ge 
raffen erscheinen lassen, Vorsicht an den 
Tag zu legen. Der Kollege John antwor 
tete damals in seinem Schlußwort, daß, 
wer auf diese Art den. Nationalismus aus- 
treiben wolle, einem Manne gleiche, der 
mit Benzin dem Brand seines Hauses zu 
Leibe gehe. An dieser Ansicht halten wir 
auch heute noch fest. Dann unterbreiteten 
wir unsere Stellungnahme dem Personal 
amt der Regierung des Saarlandes, frei 
lich mit dem Erfolg oder besser Mißer 
folg, daß man bis heute keine Zeit (?) zu 
einer Antwort gefunden hat. Das Problem 
also hat sich vertieft, weil es undurch 
sichtiger denn je geworden ist. 
Wenn wir heute erneut darauf zurück 
kommen, so erstens wegen dem Schick 
sal der Betroffenen, das uns nicht gleich 
gültig sein kann, zweitens aber aus kon 
kretem Anlaß. Das Amtsblatt der Regie 
rung des Saarlandes — Nr. 21 —« meldet 
nämlich, daß ein Postbediensteter den ro 
ten Paß bekommen hat. Viele andere fra 
gen sich mit uns: Lichtblick oder Aus 
nahme? Die nächsten Wochen werden 
uns so oder so die Antwort geben. Je 
nachdem, wie sie ausfällt, müssen wir um 
einige Grade deutlicher werden. 
Eine notwendige Aufklärung 
An dos 
Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt 
Referat A 3 
Saarbrücken 
AUeestraße 15. 
Betr.: Bezahlung der Mehrarbeitsstunden, 
Eine Beschwerde, die an uns herange 
tragen wurde, veranlaßt uns, in nachste 
hender Sache um Ihre Entscheidung nach 
zukommen: 
Die Arbeitszeit bei der Post- und Tele 
graphenverwaltung, insbesondere im Post 
fachdienst, ist auf die Erfordernisse der 
einzelnen Dienstzweige abgestimmt und 
daher häufig von Woche zu Woche ver 
schieden. So kann es Vorkommen, daß 
in der ersten Woche 41, in der zweiten 
53, in der dritten 43 und in der vierten 55 
Stunden abgeleistet werden müssen. Als 
Lohnberechnungsgrundlage wurde bisher 
einheitlich die 48stündige Arbeitszeit an 
genommen. 
Mit dieser Auslegung der Lohnanord 
nung vom 18. 6. 48 können wir uns nicht 
einverstanden erklären. Nach unserer 
Auffassung ist die Lohnanordnung so zu 
verstehen, daß die Woche — unabhän 
gig davon, ob Wochenlohn- oder Monats 
lohnzahlungen erfolgen — als Rechnungs 
einheit zu gelten hat. Demnach müssen 
Arbeitsstunden, die während dieses Zeit 
raumes über die 4Q Stunden hinaus gelei 
stet werden, auch für diesen Zeitraum ver 
rechnet werden. Eine Uebertragung von 
Arbeitsstunden der einen Woche auf eine 
andere und umgekehrt zu dem Zweck,eine 
einheitliche und für alle gleiche wöchent 
liche Stundenzahl von 48 zu erreichen, ist 
demnach unzulässig. Diese Handhabung 
mag zwar gewisse Erleichterungen beider 
Ausrechnung der Löhne zur Folge haben, 
ist aber für das Personal wegen der Ver 
schiedenheit des Mehrarbeitszuschlags 
(41.—48. Stunde 25 o/o, 49.—56. Stunde 50* 0) 
von Nachteil. 
Wir legen Wert darauf, abschließend 
festzustellen, daß die Arbeitszeitregelung 
als solche von uns nicht in Zweifel gezo 
gen wird und es uns lediglich darauf an*, 
kommt, dem Personal den zustehenden 
Lohn zu sichern. 
Mit vorzüglicher Hochachtung! 
I. V. Post- u. Fernmeldewesen 
gez. John. 
I, V. Baugewerbe 
Unsere Lohnforderungen 
Die am 34. 3. 1950 slattgefundene General 
versammlung des Industrieverbandes Bauge 
werbe befaßt* eich eingehend mit dem bevor 
stehenden freien Tarifvertragsgesetz. Nach 
längerer Diskussion brachte man allgemein zum 
Ausdruck, daß der zukünftige Tarifvertrag für 
das Bau- und Baunebengewerbe einfach und 
sachlich erstellt werden muß, damit dieser 
Vertrag einem jeden Arbeitnehmer die Möglich 
keit gibt «einen Tariflohn und die Arbeitsbe 
dingungen klar zu ersehen. 
Hierdurch bedingt tagt* am 7. 4. 1950 der 
neu gewählte Verbandsausschuß im Sitzung*- 
saal unseres Gewerkechaftsbauses mit dem 
Tagesordnungspunkt „Stellungsnahme zum neuen 
Tarifvertrag.“ Nach lebhafter Diskussion aller 
Vorstandsmitglieder über die Lohn- und Preis* 
Gestaltung war man sich darüber einig, daß 
die Löhne und Gehälter unserer Schaffendes 
dringend einer Neufestsetzung bedürfen. Mit 
Zustimmung des gesamten Verbandsausschus* 
6 es wurde der geschäftsführende Vorstand be 
auftragt, sofort nach den Osterfeiertagen unter 
Zugrundelegung des Maurerecklohnes von 120.— 
Frs. unsere Lohnforderungen dem Arbeitgeber« 
verband mit Wirkung vom 10.. 4. 1950 einzu* 
reichen. Aufgrund dieses Beschlusses wurde 
gm M. 4. 1950 nachstehendes Schreiben an 
den Arbeitgeberverband übersandt* 
An den 
Arbeitgeberverband de* 
BauiftcluBtri© des Saarland©8 
Saarbrücken 8 
Ufsvlinenetraße 31. 
Betr.t Neuregelung der Lob ne und Gehäl 
ter im saarländischen Baugewerbe. 
Die heute sich noch nach den Lohnver 
fügungen ln Anwendung befindlichen Löh 
ne und Gehabter im saarländischen Bau 
gewerbe bedürfen dringend der Neufest 
setzung. Weit davon entfernt auch nur 
annähernd eine Existenzgrundlage darzu- 
stellen, reichen dieselben nicht einmal da 
zu aus’, um den Bauarbeitern die Möglich 
keit zu geben, damit das Allernotwendig- 
ste zu ihrem und ihrer Familien Lebensun 
terhalt zu beschaffen. Auftragsgemäß for 
dern deshalb die Unterzeichneten Bauar 
beiterverbände eine Neufestsetzung der 
Löhne und Gehälter auf der weiter unten 
iri Vorschlag gebrachten Grundlage. 
Die von uns vorgeschlagenen Sätze ent 
behren ebensowenig der Berechtigung, wie 
ihnen die Realisierung abgesprochen wer 
den könnte. Sie entbehren schon deshalb 
nicht der Berechtigung, weil mit ihnen 
nicht mehr gefordert wird als das, was 
die Bauarbeiter in den Jahren vor Aus 
bruch des letzten Krieges besaßen, in ei 
ner Zeit, als man ihre Löhne und daran 
ihren Lebensstandard auf den tiefsten 
Stand heruntergedrückt hatte. In dieser 
Tatsache schon allein liegt die Berechti 
gung der erhobenen Forderung voll und 
ganz begründet. . , 
Vielleicht wenden Sie ein, die Bauwirt 
schaft könne in diesem Sinne eine Neu 
regelung der Löhne nicht ertragen. Dem 
ist aber nicht so. Die Preise für Bau 
materialien und damit die Baupreise über 
haupt betragen heute bis weit über das 
200fache dessen, was sie einmal in Mark 
betrugen. In Vergleich hierzu bieiben die 
geforderten Lohnsätze noch sehr weit zu 
rück. Der Anteil der Löhne an den Bau 
kosten beträgt heute kaum die Hälfte des 
sen, was er einmal betragen hat. Ein Ein. 
wand in vorerwähntem Sinne wäre un 
haltbar. 
Unter Wegfall der Lohnzonen fordern 
wir für das saarländische Baugewerbe ab 
10. April 190 folgende Lohnsätze: 
1. Gelernte Arbeiter: 
a) Maurer, Zimmerer, Betonbauer. An 
streicher u. Steinbrecher pro. Std. 
120 Frs. 
b) Pflasterer pro Std. 140 Frs, 
0) Steinhauer pro Std. 135 Frs, 
d) Gipser und Stukkateure 
pro Std. 132 Frs, 
e) Rammer pro Std. 118 Frs. 
f) Zimmerer im Betonbau 
pro Stunde 126 Frs. 
2. Ungelernte Arbeiter: 
Erd- und Bauhilfsarbeiter 
pro Std. 108 Frs. 
8. Poliere und Schachtmeister: 
monatlich 33.280 Frs. 
oder pro Stunde 160 Frs. 
4. Oberpoliere und Oberschachtmeister: 
monatlich 36.610 Frs, 
oder pro Stunde 176 Frs. 
Für die kaufm. Angestellten sollen die 
Gehälter, für die Lehrlinge die Lehrlings- 
beihilfe und für alle in der vorstehenden 
Aufstellung nicht besonders angeführten 
Berufsgruppen die Lohnsätze in demsel 
ben prozentualen Verhältnis erhöht wer 
den. 
Wir bitten Sie höfhehst, die Erledigung 
dieser Angelegenheit als besonders vor 
dringlich zu betrachten und mit uns einen 
Zeitpunkt für eine baldmögliche diesbe 
zügliche Besprechung zu vereinbaren. 
EG. gez. Schäfer. CGS. gez. Horn.** 
* 
Kollegen, der Vorstand appelliert hiermit an 
alle Mitglieder unseres Verbandes, daß sie 
sich die Tragweite dieser Lohnforderung be 
wußt sein müssen und fordert dazu auf, 
durch aktives Werben in den Betrieben und auf 
den Baustellen unsere Einheit zu stärken, um 
somit gegenüber dem Arbeitgeberverband den 
Beweis zu erstellen, daß alle Lohn- und Ge 
haltsempfänger unseres Industriezweiges sich' 
1000/oig hinter die vom Vorstand gestellte 
Lohnerhöhung stellen und zu jeder Zeit dazu 
bereit sind unter Anwendung aller moralisch 
und sittlich einwandfreien gewerkschaftlichen 
Kampfmitteln für die Verwirklichung der ge 
stellten Forderungen im Interesse aller Schaf 
fenden einzutreten. 
Zur ßeitragsfrage 
Werte Kollegen! 
In den kommenden Tagen weiden durch die 
Betriebs- und Hauskassierer unseres Verbandes 
einem jeden Kollegen die am 26. 3. 1950 von 
der Generalversammlung beschlossene Satzung 
unseres Industrieverbandes ausgehändigt und 
sehen wir uns veranlaßt, auf folgendes hin 
zuweisen. 
Die in den Salzungen festgesetzten Beitrag«
	        

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