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DIE ARBEIT“ 
Februar 1950 
■i 
Die Körperbehinderten-Organisation 
Weg und Zielausrichlung der Vereinigung der Körperbehinderten, Unfallbeschädig 
ten und -Rentner im Saarland Von HEINRICH ZIMMER. 
Es ist ein Problem von entscheidender 
Bedeutung, wenn man die heutige Orga 
nisationsbildung der Vereinigungen kör 
perbehinderter oder körperbeschädigter 
Menschen überprüft und hierbei feststellt, 
daß die Betreuung durch getrennt mar 
schierende Verbände erfolgt. Vor allen 
Dingen wollen wir erwähnen, daß gerade 
in unserer Heimat sehr große Unterschie 
de in der fürsorgerischen Betreuung be 
stehen, wobei der schwerwiegendste Pol 
die Verausgabung unterschiedlicher 
Schwerbeschäaigten-Ausweise ist. Es ist 
dies eine unserer wesentlichsten Fordei 
rungen, und der Landtag des Saarlandes 
wird sich alsbald mit unserer Eingabe be 
fassen. Die Entstehung der Vereinigung 
der Körperbehinderten, die heute die zu 
sätzliche Namenstührung „Unfallbeschä 
digter und Rentner” angenommen hat, war 
eine dringende Notwendigkeit denn die 
Belange der Unfalibeschädigten und der 
von Geburt oder durch Krankheit Behin 
derten wurden durch niemanden gewahrt. 
Man soll die Betreuung nicht als eine 
Selbstverständlichkeit oder als eine Ver 
pflichtung ansehen, denn sie kann nur 
dann wirksame Wirklichkeit werden, wenn 
ein großer Stab intelligenter Funktionäre 
zur Verfügung steht. 
Wenn eine Einheitsbewegung im Saar 
land bestünde, dann wäre zugleich die 
Frage gelöst, ob man allen körperbehin 
derten bezw körperbeschädigten Perso 
nen ohne Rücksicht auf die Schadensur 
sache eine Beschädigtemente gewähren 
kann. Wir verkennen nicht, daß der So 
zialetat unseres Landes nicht nur ausge 
lastet, sondern überlastet ist, aber wir ver 
treten den Standpunkt, daß das Recht des 
Lebens in einem Staat, der als sozial ge 
ordnet anzusprechen ist, keine Distanzie 
rung erfahren darf. 
Die Jugendbetrauung 
und hier vor allem die Erfassung der 
schulpflichtigen körperbehinderten Kinder 
wird von uns mit größerem Nachdruck be 
trieben und zugleich den Gesundheitsäm 
tern empfohlen, bei der erstmaligen ärzt 
lichen Feststellung oder Betreuung die 
Personalien an unsere Vereinigung weiter- 
zuleiten. Es wird in. den nächsten Mona 
ten die Eröffnung des Körperbehinderter^ 
he-mss in Homburg mit einer Anzahl Bet 
ten durchgeführt. 
Zur Rechtsvertretung. 
Es gibt genug der Fälle, die eine Rechts 
beratung oder eine Rechtsvertretung bei 
den Spruchkammern erfordern, und hier 
sprechen wir nur "den Personenkreisen das 
Recht der gerechten Entscheidung zu, die 
die Erfahrung in eigener Person machen 
mußten, das heißt, die als Unfall- oder 
Körperbeschädigte im Range des Beisit 
zers fungieren. Daß diese Beisitzer aus 
der Gruppe körperbeschädigter Menschen 
verhorgehen müssen, wird eine unserer 
Hauptforderungen sein. Es soll hierbei 
aber auch gesagt werden, daß die soziale 
Einstellung in jedem Falle erst die Grund 
lage der gerechten Entscheidung ergibt. 
Zugleich verknüpfen wir mit diesem Punkt 
unsere Forderung der Zusammensetzung 
des Schwerbeschädigtenausschusses, der 
neben Gewerkschaftsvertretern auch Ver 
treter der Vereinigung der Kriegsbeschä 
digten ausweist. Warum man bei dieser 
Zusammensetzung eine Beachtung unserer 
Organisation nicht vorgenommen hat, ent 
zieht sich melier Kenntnis, aber es trägt 
den Anschein, daß die Bedeutung unse 
res Einsatzes nicht in vollem Maße er 
kannt wird. Wir fordern noch in diesem 
Punkt eine Klarstellung und Hinzunahme 
unserer Vertretung. 
Es is. für Körperbehinderte heute einmal 
mit einer gewissen Befriedung festzustel 
len, daß der vielfach und in verschiedenen 
Formen zur Anwendung gekommene Aus 
spruch „Krüppel“ nicht mehr so stark in 
Erscheinung tritt. Man muß von Regie- 
rungsseite an alle Dienststellen die ent 
sprechende Anweisung erteilen, und so 
fern es bei gewissen Gesetzen der Ur 
text sein sollte, eine Abänderung dahin 
gehend vorzunehmen, daß an SteTe dieses 
bereits anrüchig gewordenen und dem be 
troffenen Personenkreis als oftmals min 
derwertig bezeichnenden Wortes, nur 
noch der Ausdruck „Körperbehinderter“ 
oder „Körperbeschädigter“ 'angewandt 
wird. 
Die Lage der Unfallrentner 
bedarf einer besonderen Beachtung und 
ist, wenn man den Umrechnungsfaktorder 
Renten mit dem sich als Umrechnungs 
faktor ergebenden Preisgebilde in - dan 
Vergleich stellt, als untragbar zu be 
zeichnen. Sehr wesentlich wirkt sich bei 
unseren Unfallrentnern die immer noch 
in Kraft befindliche Brünningsche Notver 
ordnung aus, die gewissen Beschädi 
gungskategorien die Zahlung der Unfall 
rente verweigert. Als außerordentlich 
schwer ist das Los der Rentenempfänger 
zu bezeichnen, die aus berufsgenossen- 
schaftlichen Verbänden der deutschen 
Bundesrepublik ihre Rentenansprüche ab- 
leiten. Das Lebensniveau ist als stark 
gefährdet zu bezeichnen. Wir erwarten be 
sonders in dieser Frage, daß die saar 
ländische Regierung zu einer besonde 
ren Vereinbarung gelangt, die diesen 
P.entnern ihre wohlerworbenen Ansprüche 
sichert. Die Rechtsberatung unserer ge 
samten Organisation haben wir durch ein 
gehende Besprechungen innerhalb des 
Kreises der verantwortlichen Männer da 
hingehend geklärt, daß die Einheitsge 
werkschaft als die führende Organisation, 
m der Frage der Betreuung des schaffen 
den Volkes zugleich mit den sich aus 
unserem Einsatz ergebenden Momenten 
betrau*, wird. Somit ergibt sich, daß wir 
bei den zuständigen Stellen auf eine selb 
ständige Vertretung verzichten können. 
Das Schwerbeschädigtengesetz 
Das in der alten deutschen Fassung im 
mer noch in Kraft befindliche Schwerbe 
schädigtengesetz ist immer wieder Ge 
genstand von Besprechungen unserer 
Funktionäre, die ohne Abweichung in der 
Endkonsequenz die Feststellung tragen, 
daß dieses Gesetz einer positiven Ab 
änderung unterzogen werden muß. Die 
Schwierigkeiten, die sich gerade für die 
Anerkennung als Schwerbeschädigter er 
geben, sind oftmals enorm und es bedarf 
vieler Wege, um aus der Verklauselung 
einzelner Paragraphen dieses Gesetzes 
das Beste herauszuholen. Hier ist der § 8 
als der Moment der Wesentlichkeit her 
vorzuheben, denn in ihm benennt man 
ausführlich den Beschädigtenkreis der ge 
mäß dem § 3 dieses Gesetzes die Gleich 
stellung fordern kann. Die Voraussetzung 
zur Erlangung der Gleichstellung sind ein 
mal die Ausstellung eines Gutachtens 
durch die Gesundheitsämter. Gleichzeitig 
möchten wir erwähnen, daß der Verfah 
rensweg einer Vereinfachung bedarf. Be 
sonders berührt uns die Einforderung von 
Gebührnissen für die Ausstellung derarti 
ger Atteste, die nach Lage der Verhält 
nisse Personenkreise betreffen, deren 
Einkommensverhältnisse nicht die güns 
tigsten sind. Hier erwarten wir gleichfalls, 
daß eine Neuregelung vorgenommen wird 
und durch diese Neuregelung eine Be 
friedung des von uns zu betreuenden Per 
sonenkreises erfolgt. So sehr man im öf 
fentlichen Leben die erforderliche Rück 
sichtnahme auf Schwerbeschädigte ver 
mißt, so sehr richten wir die Bitte an die 
gesamte Bevölkerung, mit mehr Pietät den 
Beschädigten gegenüber sich zu verhal 
ten. 
Sonderurlaub und Regisrierung 
Durch den Schutz des Schwerbeschädig 
tengesetzes sollen Härten vermieden wer 
den, die vor allen Dingen auf der arbeits 
rechtlichen Grundlage zu suchen sind. Es 
muß allen Schwerbeschädigten, die amt 
lich anerkannt sind, zugleich der im öf 
fentlichen Dienst gewährte Sonderurlaub 
zugesprochen werden. Wenn wir unser an 
fängliches Bestreben, einen Sonderpara 
graphen im Betriebsrätegesetz einzubauen 
aufgegeben haben, so handelten wir in 
der Erkenntnis, daß es möglich sein muß, 
durch den saarländischen Landtag „ein 
Sondergesetz zu beschließen, das die Ge 
währung mit einheitlicher Ausrichtung 
bringt. Zugleich muß eine klare Zielaus 
richtung als Anweisung an alle Betriebe 
geschaffen werden, die besonders auf die 
Einhaltung der Bestimmung über die 
Beschäftigung Schwerbeschädigter hin 
weist Diese Kontrolle in den Betrieben 
ist oftmals durch die Arbeitsämter nicht 
in vollem Umfange ermöglicht, und es ist 
zugleich eine Aufgabe der Vereinigung an 
im Saarland überhaupt, ihre Schwerbe- 
schädigten-Vertrauensmänner zu beauf 
tragen, aus den einzelnen Betrieben her 
aus die Registrierung der Schwerbeschä 
digten vorzunehmen und somit die Ar- 
biet der Behörden zu erleichtern. 
Be schädigtenrente 
Eme oft behandelte Frage finden wir 
in dem Fehlen einer Gesetzesverfügung 
über die Einführung einer Beschädigten 
rente. Es wird in diesem Falle nicht in 
kurzer Frist möglich sein, eine zufrieden 
stellende Lösung zu finden. Sie bedeutet 
aber nicht den Verzicht auf eine zufrie 
denstellende Erfüllung unserer Forderung, 
Ihre Einzelheiten kann man heute noch 
nicht bekanntgeben, denn es muß eine 
genaue Kontrolle ausgeübt werden, wenn 
man den Kreis der zu Betreuenden, bzw. 
zu Entschädigenden feststellen will. Zu 
gleich sei erwähnt, daß für eine Beschä 
digtenrente nur Personenkreise vorge 
sehen werden können, die keine Betreu 
ung auf berufsgenossenschaftlicher 
Grundlage erfahren. 
Gewerkschaftskongreß in Rom 
Das Problem des Arbeiteraustausches — 
Vorschläge der deutschen Freiarbeiter 
In Rom findet vom 17. bis 20. April ein 
Kongreß der Freien Gewerkschaften statt. 
Der Freie Italienische Gewerkschaftsbund 
wird bei dieser Gelegenheit erneut seinen 
Vorschlag einbringen, den er schon auf 
dem Gründungskongreß der Gewerkschaf 
ten in London vorlegte, der wesentliche 
Erleichterungen für den internationalen 
Arbeiteraustausch verlangt. Diese Vor 
schläge werden als sehr dringlich be 
zeichnet. Die Forderung geht dahin, dis 
Schwierigkeiten des Reiseverkehrs und 
des Geldtransfers im Arbeiteraustausch 
innerhalb der europäischen Länder auf 
zuheben, oder doch mifidestens wesent 
lich zu erleichtern. Insbesondere sollen 
die Formalitäten bei der Beschaffung von 
Reisepapieren erleichtert und die dabei 
entstehenden Kosten wesentlich verringert 
werden. Die französische Gewerkschafts 
organisation Force Öuvriere hat den ita 
lienischen Gewerkschaften in dieser Frage 
bereits ihre Unterstützung zugesagt. 
In diesem Zusammenhang sei erwähnt* 
daß der Vorstand der ' C. G. T.-Force 
Öuvriere in Paris auch von den ihm ange 
schlossenen deutschen Freiarbeitern um 
ein Einwirken in dieser Richtung ange 
gangen worden ist. Nach ihrem Vorschlag 
sollen die bisher bestehenden Bestimmun 
gen über die Geldüberweisungen nach 
Deutschland gelockert werden. Sie ver 
langen ferner, daß bei Urlaubsfahrten 
nach Deutschland die zeitraubenden For 
malitäten auf ein Minimum beschränkt 
und die Kosten für die Beschaffung der 
Reisepapiere bedeutend ermäßigt werden. 
Eine Rundfrage unter den deutschen Frei- 
ar beitem hat ergeben, daß sie vor An 
tritt ihrer Urlaubsfahrten allein schon min 
destens fünftausend Franken für Fahrten 
zur Präfektur, Beschaffung des Reisepas 
ses und des Visums, die Reise nach Paris 
zum Generalkommissariat für deutsche 
Angelegenheiten und für Lohnausfall aus 
geben müssen. Da für die italienischen 
Arbeiter zwar nicht ganz die gleichen, 
aber im wesentlichen doch ähnliche 
schwierige Bedingungen zutreffen, dürfte 
damit gerechnet werden, daß auch die 
Gewerkschaften der übrigen Länder für 
diese Sache eintreten. 
röte JJfteaieeqetneUide teiit mitt 
26. Februar Miete 1 
28. Februar Miete 3 
„Was Ihr wollt?“ v. Shakespeare 
Einzahlungen zur 3. Rate müssen bis am 
L0. März getätigt sam. Die Mieten, die 
bis zu diesem Zeitpunkt nicht erneuert 
wurden, sind verfallen. 
Herausgeber: Hauptverwaltung der Ein 
heitsgewerkschaft, Saarbrücken 3, Brauerstr. 6-8. 
Verantwortlich für den Gesamtinhatt: Heinrich 
Wacker. Redaktion: Sozial- und Wirtschafts 
politik C. Schuhler, Industrieverbände, lugend 
sowie Feuilleton I. P. Wambach. - Druck: 
Druckerei Saar-Zeitung Dr. Nikolaus Fontaine, 
SCHI AFFEN DE? 
Em Gewerkschaftskongreß warnte schon vor 1933 vor einer Beteiligung an 
Versicherungseinrichtungen irgendwelcher Art, die lediglich Mittel zum Zweck 
sind, z.B. die den Versicherungsgedanken wesensfremde Verbindung der Versorgung 
bei Tod und Unfall mit dem Bezüge einer Zeitschrift oder Zeitung (Abonnenten 
versicherung), unzulängliche Sterbekassen, die sich der Aufsicht entziehen, und 
unzureichende Kollektivversicherungen, die auf lange Sicht die Erwartungen der 
Versicherten nicht erfüllen. Der Kongreß verpflichtete die Gewerkschaftler zur 
Mitarbeit am eigenen Versicherungsunternehmen und zwar 
durch Abschluß von Versicherungen, 
durch Werbung für seine hohen Ziele. 
Die Absichten der Gründer unseres Unternehmens, der Gewerkschaften und Kon 
sumgenossenschaften, wurzeln in dem elementaren Grundsatz gemeinnützigen Wir 
kens, daß 
alle Gewinne restlos den Versicherten 
JfCiJj 
GeweikschatUicii-Genossenschaitlicae LebensveisichemngsaktiengesellscJiaft 
zugute kommen müssen, jegliche Erwerbstendenz also ausgeschlossen ist. So wird 
unseren Versicherten bei niedrigen Prämien eine Lebensversicherung zum Selbst 
kostenpreis geboten. Guter und preiswerter Versicherungsschutz ist ein starker 
Rückhalt, Vor allem muß sich der Ernährer der Familie versichern, aber auch Frau 
und Kinder sollten nicht vergessen werden. 
Unser Unternehmen, vor rund 40 Jahren durch einen Akt gewerkschaftlich-genossen 
schaftlicher Solidarität entstanden, ist eine der größten Versicherungsgesellschaf 
ten ihrer Art. Mit einem weitverzweigten, engmaschigen Netz von Organisations 
und Inkassostellen und vielen, meist ehrenamtlichen Halfern im gesamten Geschäfts 
gebiet, einer bewährten Tradition sowie der Bereitschaft zur Förderung gemein 
wirtschaftlicher und gemeinnütziger Bestrebungen, wie Unter 
stützung des genossenschaftlichen Kleinwohnungsbaues, der Konsumgenossen 
schaften u.ä., wendet sich die ..Volksfürsorge“ an alle Bevölkerungskreise und 
fragt niemand nach seinem politischen oder religiösem Glaubensbekenntnis.
	        
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