Full text: 5.1950 (0005)

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November 1950 
Die Großkundgebung des Dffentl. Dienstes 
Lohnbewegung aut dem Höhepunkt 
(Fortsetzung von Seite 1) 
schlagen. Die Sitzung tand am 4. 11. statt 
und der Verwaltungsrat gab der Auszah 
lung seine Zus immung. Einzelheiten übet 
die Höhe der Wirtschaftsbeihilfe wurden» 
den Mitgliedern des I. V.-Eisenbahn be 
reits durch Rundschreiben bekanntgege 
ben und bewegen sich zwischen 2000.—« 
und 5000.— Frs. Außerdem beschloß de* 
Verwaltungsrat die Einstellung sämtliche* 
Epurlerten bis Ende dieses Jahres. 
Verband Oeffemtliche Betriebe und Var. 
Wallungen 
In zahlreichen Verhandlungen konnte 
für die Ana 3 stellten und Beamten 
bisher ke rne liehe Einstimmung erzielt 
werden, daher haben die Vorstände der 
Verbände des Oeffent’lchen Dienstes bei 
der Gewerkschaften für Montag, den 13, 
11., eine Sitzung cmberaumt, in der sie 
isich über die ■no’werd'ge'n Beschlüsse an 
gesichts der Lage, d : e sich zugespitzt 
hat, schlüssig werden wollen. 
Für die Arbeiter erscheint im nächsten 
Amtsb’att als N aderschlag der kürzlich 
s a'tge unde-en Verhandlungen ein« Vex- 
tordnung, die eine Erhöhung der Löhne! 
von durchschnittlich ll,8°'o ab 1. 10. 1950 
bringt. Mit der ab 1. 7. 1950 eingeführtea 
ZQ^oigen Grundlohnerhöhung ist damit 
der Stundenlohn insgesamt um 27 o/g im 
Durchschnitt erhöht worden. 
Für das Hilfspersonal im Krankenhäu 
sern ist in den Verhandlungen eine 37 
pro/entige Erhöhung der Bariöhre erreicht 
worden-. Ein Teil dieser 37o'o Ist bereits 
durch die Nachzahlung der Stundenzu- 
flage gemäß Anordnung zur Hebung der 
Kaufkraft vorweg genommen worden. Di« 
Verpflichtung zur Teilnahme der Ver 
pflegung in Krankenhäusern ist wesent 
lich eingeschränkt, sodaß auch hier ein« 
kleine Verbesserung eintritt 
Es ist mit der baldigem Veröffentlichung 
e*ner neuen Verordnung zugunsten der 
Waldarbeiter zu rechnen, in der Z8it- und 
Stücklöhne um durchschnittlich 30 o/o er 
höht werden. 
Fa^hgrunpe Banken, Sparkassen und 
Versicherungen. UebeT das Ergebnis der 
verschiedenen V-ehand * 1 ungen wird durch 
(Rundschreiben den einzelnen Vertrau 
ens’euei in den nächsten Tagen genau* 
'Auskunft gegeben. 
Der Verband für Bühne, Film, Musik und 
andere K , - ; ustsch-’ff?rcle im Saarland teilt 
mit, daß d e im Stadttheater Saarbrücken 
beschäftigten Kolleginnen und Kollegea, 
die Regelungen erhaben, di« im Oeffentli- 
chen Dienst für die Arbeiter bzw. Anget- 
is «Ten und Beamten erzielt werden. — 
Bei Radio Sca b'ückan wird ab 1. 7. 1950 
der Tarif der Radio-Diffusion-Francois« 
eingeführt, der eine wesentliche Erhöhung 
der Vergütungen mit sich bringt. Dia bis 
her nicht zur Auszahlung gebrachte 
Dienstalterszulage wird ab 1. 7. 1949 
nachnezahlt. Wegen der Abgeltung der 
Um der Vergangenheit geleisteten UebeT« 
.stunden schweben noch Verhandlungen, 
Der ab 1. 6. 1950 im Kraft befindlich« 
Tarif für die Angestellten der Lichtspiel 
theater wurde gekündigt mit dam Zel 
der Neufestsetzung der Bezüge in Au 
sreichung an die gestiegenen Lebenshal 
tungskosten. Ueber den Verlauf der Ver 
handlungen und das Ergebnis werden di« 
Ko’leginnen und Kollegen der Fachgruppe 
'durch Rundschreiben informiert. 
Innerhalb des I. V- Baugewerbe kam *■ 
'für die Heizungsindust lj am 3. Novem 
ber vor dem Schlichtungsausschuß zu et- 
mem vorbildlichen Schiedsspruch, in dem 
erklärt wird: Zwischen dem Verband dal 
Zentralheizungs-, Lüftungs- und sanitären 
Tns‘alkjtk>ns-Unfcemehraungea und der 
Firma Sam central einerseits, sowie dem 
Industrieverband Baugewerbe der Ein 
heit sgev/erkschalt, der Gewerkschaft 
Christlicher Bau- und Holzarbeiter und 
dem Verband der kaufmännischen und 
techn. Angestellten andererseits, wird 
vereinbart: 1. Die Löhne, wie sie durch 
die Vereinbarung vom 12. Juni 1950 fest- 
.•gesetzt worden sind, werden mit Wirkung 
vom 1. Oktober 1950 um 7o/o erhöht. 2. Die 
durch Schiedsspruch vom 15. Juli 1950 
festgesetzten Gehälter der Angestelltem! 
/werden mit Wirkung vom 1. Oktober 195Q 
lum 7 o/o erhöht 
Nachdem d e beiden Lohnabkommen ln 
der G^anhischm Industrie restlos durch 
geführt sind, steht die Beratung des Rah- 
mentcmfs zur Debatte. Es ist damit zu 
rechnen, daß innerhalb von 14 Tagen ein 
Abschluß erzielt werden kann. Bei diesem 
ManteltaHf geht es darum, nicht nur di* 
bis jetzt verankerten Positionen zu halten, 
sondern ganz besonders in sozialer Be 
ziehung wesentliche Verbesserungen zu 
■erreichen. 
Für die Arbeiter des I. V. Verkehr und 
Transpo t wurde eine Lohnerhöhung von 
10 To bewilligt. Eine Erhöhung für die Au 
ges tePtengehäKer steht noch aus. Ein 
zufriedenstellendes Ergebnis der langwie- 
rigen Besprechungen wird erwartet. 
Zu den Forderungen des I. V. Groß- und 
Einzelhandel nahmen wir in der letzten 
Ausgabe Stellung. Der I. V. Groß- und 
Einzelhandel setzt sich mit allen Mitteln 
•a r . e ™‘® Lohnerhöhung von 15o/ 0 ein. Di* 
Arbeitgeberörganisation lehnt* diese For 
derung ab. Seitens des I. V. wurde der 
Der Saarbrücker Johannishof war schon wi«w 
tierholt der Ort großer Manifestationen, und es 
ist daher nicht so einfach, von einer Kundge- 
bung, die in dem weiten großen Saal stattfindetd 
zu sagen, daß sie aua dem Kähmen herausragt. 
Von der Kundgebung jedoch, die am Montag,! 
dem 30. Oktober 1950, von den beiden Ge-' 
werkschaften für den Oeffentlichen Dienst eirv? 
berufen war, lä$t sich behaupten, daß sie ein 
Erlebnis war, eine jder größten Saalkuudg«-? 
bungen. 
Es ging an diesem Tage darum, jene, die Ina 
Oeffentlichen Dienst tätig sind, über den Stand 
der Verhandlungen zn unterrichten, eine klare 
Stellungnahme zu beziehen, sowie die Ansicht 
ten und den Willen der Versammelten zu den 
gerechten Forderungen festzustellenj ferner 
ging es darum, Regierung, Parlament und der 
gesamten Oeffentlichkeit die Lage und den 
Als. 1. Referent sprach Kollege lleekler, G«J 
Sehäftsführer dea I. V. Oeffentliche Betrieb«. 
Seine Darlegungen wiesen mit zwingender Lo 
gik nach, daß die augenblicklichen Zustände 
unmöglich anhalten könnten. Der Sprecher be 
tonte u. a.t 
„Die im Oeffentlichen Dienst beschäftigten 
Arbeiter, Angestellten und Beamten, besondere 
die letzteren, sind es gewohnt, daß sie und ihre 
Arbeit in der Oeffentlichkeit einer Kritik 
unterzogen werden, die oft in ihrer Unsachlich 
keit, Verdrehung und Gehässigkeit kaum in 
überbieten sind. Die Kreise, die an der Ver 
breitung dieses Zerrbildes interessiert sind, mö 
gen es sich gesagt sein lassen, daß, wenn yrir 
gewisse Berufe und ihre Rolle im Wirtschafte-’ 
leben unter die Lupe nehmen würden, ein äu 
ßerst anschauliches Bild von den die Allgo-i 
ineinheit schädigenden Auswirkungen und 
Auswüchsen einer falsch verstandenen soge 
nannten freien Wirtschaft entstünde. 
Wenn von einem aufgeblähten Verwaltunge- 
«pparat gesprochen wird — zugegeben, daß 
Ausdruck dea Willens und der Entschlossenheit 
zu zeigen. 
£Jnd das Resultatf 
Es lohnt sich für jeden Gewerkschaftler, sich 
über die Kundgebung, auf die mau stolz sein 
kann, zu informieren. 
Versammlungsleiter, Beigeordneter Detheid, 
unterstrich die Bedeutung der überaus starken 
Beteiligung aus dem ganzen Saarland. Sie zeige 
einmal das Interesse an der gewerkschaftlichen 
Arbeit und Zielsetzung und zum anderen dag 
starke Vertrauen in die gewerkschaftlichen Or 
ganisationen, die unter schwierigen Umständen 
sich mit aller Energie für die Belange der im 
Oeffentl. Dienst Beschäftigten einsetzen, um 
deren Notlage, vor allem hervorgerufen durch 
die Teuerung, unter allen Umständeu zu mil 
dern. 
ein Körnchen Wahrheit darin liegt ~ so stellen 
wir fest, daß, wenn in demselben Ausmaß wie 
im Oeffentlichen Dienst Posten schon eingespart 
wurden und noch werden, auch im Bereich 
der privaten Wirtschaft einzelne selbstän 
dige Berufe auBgekämmt worden wären, sich 
diese Maßnahme in ihren finanziellen Auswir 
kungen auf die Allgemeinheit sehr segensreich 
Busgewirkt hätte. (Beifall.) Für Reformen 
sind wir immer zu haben. Sie dürfen sich aber 
nicht so auswirken, daß alle Einsparungen, Ein 
schränkungen sich fast ausschließlich in un 
serem Lehensbereich auswirken. 
Wir fordern, daß die Nöte unseres Staate« 
gleichmäßig auf di« Schultern aller verteilt 
werden. 
Seit dem 20. November 1947 stehen wir ln 
einer Situation, in der, gemessen an den frü 
heren Bezügen und unter Berücksichtigung der 
Btändig steigenden Lebenshaltungskosten, ein 
Sinken der Kaufkraft festzustellen i*t, das zu 
ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. 
Voraussetzung, daß der Hohe Kommissar zu4 
stimmt, wird eine einmalige Zulage ge-‘ 
währt; diese Zulage soll ungefährt das Drei^ 
fache dessen betragen, was die beiden Gewerk 
schaften laufend mo natlich gefordert 
haben. Ueber die genaue Höhe der Zulage und 
die Abgrenzung des Personenkreises findet noch 
eine abschließende Besprechung statt. 
Lehren aus den Verhandlungen 
Die Verhandlungen lehren uns: Landtag und 
Regierung haben uns ausdrücklich vom Tarif 
vertragsrecht ausgeschlossen und uns damit di« 
Möglichkeit genommen, nach ergebnislosem 
Verlauf von Verhandlungen den Schlichter an-j 
Zurufen, um einen Schiedsspruch zu erreichend 
Landtag und Regierung haben also die ver 
dammte Pflicht und Schuldigkeit, weil sie selbst 
an diesem rechtlosen Zustand schuld sind, da 
für zu sorgen, daß uns auf dem Verordnung*^ 
wege gegeben wird, was die Kollegen draußen 
in der privaten Wirtschaft auf Grund des Tarife 
Vertragsgesetzes durchsetzen können. 
So wie das Tarifvertragsgesetz, fehlt un« 
auch ein Betriebsrätegesetz das fortschrittlich : 
und demokratisch die Beziehungen zwischen >- 
uns und unserem Arbeitgeber regelt. 
Wenn der Arbeitnehmer sieht, daß alle Ver^ 
handlungen seiner Vertreter nicht zu einem Er-| 
folg führen, dann greift er zum letzten Mittel, 
das ihm die Verfassung garantiert, zum Streik. 
Auch wir haben aus der Verzweiflung heraus in 
der letzten Zeit an einem Warnstreik teilge^ 
nommen, der den Verantwortlichen zeigen soll^ 
te, daß es so nicht weitergeht. Und was war 
das Ergebnis? Der Ministerrat hatte besehlos-j 
een, daß den beteiligten Arbeitern und Ange 
stellten die versäumte Arbeitszeit nicht bezahlt 
wird und daß gegen Beamte disziplinarisch vor- 
gegangen wird. Glücklicherweise ist dieser Be 
schluß wieder aufgehoben worden. Aber auch 
an diesem Beispiel sehen wir, wieviel noch zu 
tun ist, damit wir eine echte Demokratie wer^ 
den, und wir verlangen von Landtag und R«4 
ierung, daß, wenn schon so viel von DenioJ 
ratie geredet wird, sie endlich auch einmal 
uneingeschränkt eingeführt wird für uns Ar^ 
beiter, Angestellte und Beamte des Oeffentliche« 
Dienstes.“ 
Die sechswöchigen Verhandlungen 
Nun in den Verhandlungen der beiden Ge 
werkschaften. die seit sechs Wochen geführt 
werden. In den ersten Verhandlungen zeigt« 
es sich, daß für die Arbeiter des Oeffentlichen 
Dienstes der Widerstand gegen eine Erhöhung 
der Löhne gering war. Die beiden Gewerk 
schaften haben daraufhin ihr« Forderung auf 
Gewährung einer einheitlichen monatlichen 
Teuerungszulage ln Hohe von 4000 Frs. für 
alle im Oeffentlichen Dienst Beschäftigten lu- 
rüekgestellt, über die Erhöhung der Stunden 
löhne verhandelt und das bereits bekannte Er^ 
gebtiis erzielt. 
Die Erhöhung der Bezüge der Beamten und 
Angestellten war, darüber waren sich alle einig, 
Zurfickgestellt worden, bis die Erhöhung de« 
Arbeiterlöhne erreicht sei. Auf Grund dieser 
Stundenlohnerhöhungen haben wir die neuen 
f öhne den vergleichbaren Angestelltenvergfltim- 
gen gegenübergestellt und kommen in den drei 
untersten Gruppen auf eine Durchschnittsdiffe 
renz von 3860 Frs. zu Ungunsten der Beamten 
und Angestellten. Dafnit war die Forderung 
auf Erhöhung der Teuerungszulage von 1000 
Frs. auf 5000 Frs. als gerechtfertigt anzusehen. 
Schließlich wurde in einer Sitzung, an der 
Vertreter aller Ministerien mit Ausnahme de« 
Finanzministeriums teilgenommen haben, prin 
zipielle Einigung darüber erzielt, daß die For-j 
derurtg auf Gewährung einer einheitlichen mo 
natlichen Zulage von 4000 Frs. gerechtfertigt 
sei und dem Ministerrat zur Beschlußfassung 
vorgelegt würde. Es wurde uns versprochen, 
daß bis spätestens End« der vergangenen Wo 
che ein diesbezüglicher Ministerratsbeschluß 
vorliege. Um so erstaunter waren wir, als wir 
als Ergebnis der Ministerratssitzung erfahren 
mußten, daß beschlossen worden sei, sofort mit 
dem Hohen Kommissariat Fühlung aufzuneh 
men, um di« Möglichkeit der Einführung eine« 
ßchlichtuaxgsaussch'uß angeruten, der dn* 
Erhöhung von 15«/* beschlossen hat. 
Der I. V.-Holz verlangte für di« holzvwr- 
arbeitend* Industrie «dn>e 20o/ 0 ige Lohn 
erhöhung. Durch Verhandlungen wurde 
erreicht, daß ein* 15o/ 0 ig« Erhöhung auf 
die Löhne ab 1. August,^ die bereits um 
7 n 'o erhöht waren, erfolgt. Die Angestell 
ten erhalten 15<v 0 auf die Gehälter vom 
1. November. Die'enigen Arbeitnehmer, 
die mit Bauarbeiten beschäftigt sind, er 
halten zu den schon erhöhten Löhnen 
inoch ein* 5o/ 0 ig* Zulage. 
Beim I. V* Leder und Bekleidung kam es 
in der Leder-Industrie zu Besprechungen, 
die ohne Ergebnis endeten. Eier I. V. rief 
den Schlichtungsausschuß an, der am 15. 
November Zusammentritt. Mit einem posi 
tiven Snruch wird gerechnet. Für die Tax- 
til-tnäust ie gelangen die berechtigten 
Forderungen auf Lohnerhöhung am 18. 11. 
vor den Schlichter. Mit dem Schneider- 
fach verband wurde ein« Lohn vereinbar 
rung abgeschlossen, wonach mit Wirkung 
vom 15. Oktober di« Löhne und Gehälter 
für das Herrenschnekierhandwerk um 15 
Prozent erhöht werden. 
Für di* Gruppe Chemie des L V. Fabrik 
arbeiter werden di* Löhne und Gehälte* 
ab 1. November um 10 To erhöht. Die Lohn 
vereinbarungen mit dem Chamot e- und 
Dteaswertc in Homburg und der Papier- 
Ictbrlk in Wörschweiler stehen vor dem 
Abschluß. Mit der Firma Vtllaroy und 
BoCh in Merzdg und Mettlach werden dem 
nächst wieder Verhandlungen aufgenomn 
men. 
solchen Zulage zu prüfen und ferner eine Prü 
fung anzustellen, welche rechtlichen Voraus- 
Setzungen erfüllt sein müssen, damit eine «olch« 
Zulage ausgezahlt werden kann. 
Der Ministerrat vom 30. Oktober hatte nun, 
nachdem die beiden Gewerkschaften bei ver 
schiedenen Ministern vorgesprochen und ihnen 
die Berechtigung unserer Forderung nachgewie- 
Sea haben, folgende« beschlossen» Unter der 
Berechtigte Forderungen 
Geschäftsführer Bieg (CGS) hatte die Auf^ 
gäbe übernommen, im einzelnen die Lohn- 
und Preisverhältnisse zu schildern, um die BeJ 
rechtigung der Forderungen zu erhärten. Ef 
wies darauf hin, daß gerade die Lage der un 
teren und mittleren Schichten sich seit Jahren 
ununterbrochen verschlechtert habe. Der Oefr 
fentliche Arbeitgeber müßte mehr noch als di« 
privaten Unternehmer für ein« gerechte Bezah 
lung Sorge tragen. 
Dauerhafte Lösungen notwendig 
Kollege Kiesgen (Ätl) wies mit allem 
Nachdruck «ul die Gefahr einer wir.« haftli hi n 
und sozialen Nivellierung hin, die unausweich 
lich eine Leistungsnivellierung zur Folge ha 
ben müßte und betontet „Mit den Provisorien 
der Zulagen usw. muß endlich Schluß gemacht 
werden. Wir brauchen eine endgültige Re 
gelung zur Anpassung der Löhne und Gehäl 
ter an die Preise. Eine weitere Forderung ist 
die auf Mitbesti mmung und Gleichbe- 
berechtigung, ein zeitgemäßes Statut für Be 
amte und Angestellte in einer dem Oeffentlichen 
Dienst angepaßten Form. 
Für die freie Wirtschaft hat der Staat das 
Tarifvertragsrecht usw. anerkannt und damit 
die Mitbestimmung und Gleichberechtigung. 
Die Ablehnung dieser Rechte für uns würde 
für Beamte und Angestellte die Degradierung 
zu einer minderberechtigten Kaste bedeuten. Di« 
bisherige Entwicklung zeigte leider eine un 
entschlossene Angestellten- und Beamtenschaft, 
die sich oft zersplitterte und in Eigeninteressen 
pich fast erfolglos um ihre Recht« bemühte. Aber 
Jetzt muß endlich das erreicht werden, w-as 
man auch der freien Wirtschaft zugestanden 
bat. Das Verhältnis zwischen Staat, Beamten 
und Angestellten muß «in wechselseitiges und 
kein einseitige« «ein, wenn das Berufsethos er 
halten werden soll. W ir sehen keinen Grund, 
warum den Beamten und Angestellten das Recht 
der Mitbestimmung in sozialem, personellem 
oder tariflichem Sinn streitig gemacht werden 
»oll. Der Beamte und Angestellte kann vor po 
litischer und persönlicher Willkürmöglichkelt 
nur geschützt sein, wenn er sein Mitbestim- 
mungsrecht mittels der gewählten Vertretungen 
geltend machen kann. Wir wissen, daß das 
bisherige Beamtenrecht und die Ordnung für 
die Angestellten manche Mängel hat. Es ist 
an derZeit, daß ein Statut gewährt wird, damit 
die demokratischen Grundforderungen erfüllt 
werden. 
Klarstellungen 
zur Gründung des Beamtenbundes 
Mit Fragen des neuen Beamtenbundes befaßt« 
sich Verbandsvorsitzerider Schmidt (CGS). 
Seine Darlegungen gaben vollinhaltlich auch 
die Auffassung der Einheitsgewerkschaft wie 
der. Nachdem der Redner festgestellt hatte, daß 
nach der Annahme der Konventionen «ine Er 
höhung der Dienstbezüge doch wohl nicht mehr 
der Zustimmung des Hohen Kommissar« be-, 
dürfe, fuhr er forti 
,,E« bestand durchaus kein« Notwendigkeit, 1 
tönen neuen Beamtenbund zu gründen, wie da« 
kürzlich geschehen ist. Es liegt durchaus nicht 
tm Beamteninteresse, sich wie ehedem abzu- 
schließen, zumal dis Gewerkschaften sich stet« 
vorbehaltlos dafür eingesetzt haben, daß di« 
Grundlagen dea Berufsbeamtentum« erhalten 
bleiben. Eis wäre nm einen Staat schlecht be 
stellt, wenn er auf die Wertbemeasung in de* 
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Beamtenor- 
ganisation sehen müßte, statt auf die charafc^ 
terlichen Eigenschaften, di« IJnparteiischkeit, 
und die Pflichterfüllung nach Verfassung und 
Gesetz. Wie soll z. ß. die Arbeit in einer 
Amtsstelle harmonisch verlaufen, wenn 
der Beamte und der Angestellte des Büros zwei 
verschiedene Wege gehen? Was wir wollen, ist 
die Pfelge der guten Gemeinschaft zwischen 
Beamten, Angestellten und Arbeitern zum 
Wohle des Gemeinwesens. Es heißt, die Zeichen 
der Zeit stark verkennen, wann einige Beam 
ten glauben, mit den Angestellten in dieser Be 
ziehung nicht Zusammenarbeiten zu können, 
oder gar die schwielige Arbeiterhand scheuen 
und sich absondern. Gerade der Beamte hat di« 
soziale Pflicht, mitzuhelfen, daß sich Ange 
stellte und Arbeiter aus ihren relativ größeren- 
Schwierigkeiten herausschaffen können. lrn 
fdirigen ist nicht anzunehmen, daß die klein« 
Gruppe eines Beamtenbundes in der Lage sein 
wird, ohne die Stütze der übrigen stark orga 
nisierten Angestellten und Arbeiter besondere 
wirtschaftliche und soziale Fortschritte errei 
chen können. 
Wohin gelangt der, der sich vom Volk ab^ 
schließt, vor allem dann, wenn er einen Posten 
begleitet, der ihn verpflichtet und ihm ein« 
gerechte Beurteilung nur möglich macht, wenn 
er mit dein Volk eng verbunden ist? Deshalb 
Ist es notwendig, daß die Unorganisierten den 
Weg zu den Gewerkschaften des Oeffentlichen 
Dienste« finden, statt zu zersplittern. 
* 
Di« Referenten ernteten für ihr« Ausführun 
gen wiederholt lebhaften Beifall. Für jeden ob 
jektiven Betrachter war da* Erscheinen der 
überaus zahlreichen Kundgeber aus allen Ab 
teilungen des Oeffentlichen Dienstes der siohtJ 
bare Beweis für die Feststellung, daß es sich 
hier um die wirklichen Wahrnehmer der Ge- 
samtinteressen der im Oeffentlichen Dienst Be 
schäftigten handelte. Die Aussprache ergab di« 
Einmütigkeit der Organisierten des Oeffcntli-J 
eben bienstes, mit der Durchsetzung ihrer FoH 
derungen ernst zu machen. 
Nach den Schlußworten dea Kollegen Delheld 
fand die Gesamtauffassnng ihren Niederschlag 
in einer Resolution, die auf Seite 1 wlederg«4 
geben ist. 
Nach dieser Großkundgebung kam es zu wetV 
teren Verhandlungen mit den zuständigen Stel 
len. Dabet wurde mit allem Nachdruck der von 
beiden Gewerkschaften in der Johnnnishof-Raj 
«olution vertretene Standpunkt verfochten. 
Verkaufs freie Sonntag« vor Weihnachten 
tm Bundesgebiet. 
Es liegt bisher nur eine Mitteilung für 
Nordrheim-Westfalen vor. Danach soll 
der Geschäftsverkehr am 10. und am 17, 
Dezember von 14—18 Uhr freigegeben 
werden und am Sonntag, dem 24. De 
zember, soUem. die Geschäfte geschlos 
sen sem. 
Veispiedumgen und Ergebnisse
	        

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