Full text: 1947 (0002)

Es dürfte sich so allmählich her* 
umgesprochen haben, daß die Be» 
triebsvertreter der Saargruben — in 
andern Industriezweigen wird es 
ähnlich sein — keine beneidenswerte 
Aufgabe haben. Wenn beispielsweise 
50 Fahrradmäntel zur Verteilung, 
kommen, dann können nur 50 Fers 
soncn bedacht werden, nicht 51 oder 
gar die ganze Belegschaft. In einem 
anderen Falle sollen 100 Pfeifen ver* 
teilt werden, im selben A.ugenblick 
sind alle Pfeifenrauoher, einschließs 
lieh der Frauen in der Werksküche. 
Wer Betriebsobmann ist, weiß, daß 
bei jeder Entscheidung, die getroffen 
werden muß, kritisiert wird. Das ist 
aber immer schon so gewesen. Vieh 
leicht heute mehr denn je. Vielleicht, 
eine verständliche Reaktion. Wie 
aber schreibt Johann Peter Hebel 
über einen „seltsamen Spazierritt“?: 
Ein Mann reitet- auf seinem Esel 
nach Hause und läßt seinen-Buben 
zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein 
Wanderer und sagt: „Das ist nicht 
recht, Vater, daß Ihr reitet und läßt 
Euren Sohn laufen. Ihr habt stärkere 
Glieder“. Da stieg der Vater vom 
Esel herab und ließ den Sohn reiten.. 
Kommt wieder ein Wanderer und 
sagt: „Das ist nicht recht, Bursche, 
daß du reitest und lassest deinen 
Vater zu Fuß gehen. Du hastNjüngere 
Beine.“ Da saßen beide auf und 
rittenjeine Strecke. Kommt ein drits 
ter Wandersmann und sagt: „Was ist 
das für ein Unverstand, zwei Kerle 
auf einem so schwachen Tiere? Sollte 
man nicht den Stock' nehmen und 
euch beide hinab jagen?'.' Da stiegen 
beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, 
rechts und links der Vafer und Sohn 
und in der Mitte der Esel. Kommt 
ein vierter Wandersmann und sagt: 
„Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist 
es nicht genug, wenn zwei zu Fuß 
gehen?' Gehts nicht leichter, wenn 
einer von euch reitet?“ Da band der 
Vater dem Esel die vorderen Beine' 
zusammen, und der Sohn band.ihm 
die hinteren Beine zusammen, zogen 
einen starken Baumpfahl durch, der 
an der Straße stand, und trugen den 
Esel auf der Achsel heim. 
- So weit kanns kommen, wenn man 
es allen Leuten will recht machen. 
Aloys Schmitt. 
Arbeiterbeförderung 
mit Omnibussen 
Infolge der schlechten Zugverbin¬ 
dungen auf zahlreichen Strecken, 
mag es im ' Ostertal sein,' noch St. 
Wendel oder nach der Pfalz, ist man 
dazu übergegangen, Omnibusse nach 
allen Richtungen einzusetzen. So von 
St. Wendel nach Winterbach—Als¬ 
weiler^ die Strecken über die Höhen¬ 
straße Baltersweiler, Forschweiler 
für die Kameraden von. Galsweiler 
und Grüggelbom, Reitscheid—Frei¬ 
sen ist Endstation. Vor einem Jahr 
nun war die Kraftpost St. Wendel 
nicht mehr in der Lage, £ den Arbei¬ 
terverkehr auf dieser Linie aufrecht 
zu erhalten*. Die Verwaltung der 
Grube König, sprang ein und stellte 
einen umgebauten Renault-Lastwa¬ 
gen zur Verfügung, um die Leute 
von Grüggelbom nach St. Wendel 
zur Bahn zu bringen. Sieben Mo¬ 
nate ging es mit dem Grubenomni¬ 
bus ohne irgendwelche Störung oder 
Unterbrechung. In diesen sieben 
Monaten führte die Post aber in 
Grüggelbom die Privatfahrt^n.durch. 
So wurden die Fußballer im. Orte 
Grüggelbom • durch die Postomni¬ 
busse zu ihren Spielen abgeholt und 
wieder zurück gebracht. Dann1 aber 
schob sich die Post wieder mit- 
einem Omnibus ein, um die Linie 
Grüggelborn—St, Wendel aufzuneh¬ 
men. Aber, Kameraden, denkt jap 
Stimmen aus der Belegschaft 
nicht, daß die Postomnibusse nach 
Grüggelbom fahren, o nein, sie fah¬ 
ren über die Höhenstraße. Von dort 
aus können ja die Grüggelborner 
und die Galsweiler Kameraden lau¬ 
fen, sind Wind und Wetter ausge- 
setzt, und kommen unter Umständen 
völlig durchnäßt zum Omnibus von 
Freisen—Reitscheid, in denf sie wie 
die Heringe zusammengedrängt wer¬ 
den. Wieviel Arbeiter faßt der Om¬ 
nibus, .wieviel sind zugelassen und 
wieviel fahren mit? 
Ein anderes Schmerzenskind v ist 
die Strecke Limbach. Solange die 
Post die Strecke befahren hat, ist 
die Strecke stiefmütterlich behan¬ 
delt worden. Ist auf der Strecke 
Rohrbach oder sonstwo ein Wagen 
ausgefallen, wurde er auf Kosten 
der Strecke Limbach—Neunkirchen 
ersetzt. So könnte ich ein halbes 
Dutzend Beispiele anführen, aber es 
würde zu weit führen, auf' weitere 
Einzelheiten einzugehen. 
Georg Appel. 
Kohlwald 
Ob maf) sich wohl klar darüber 
ist, wofür eine Betriebsvertretung 
eingespannt werden kann. Wir als 
Betriebsvertretung hätten dem Drei¬ 
hundertsten • vom uns registrierten 
Frager nach einem Bezugsschein für 
einen Wecker, oder Uhr aus Privat¬ 
besitz, einen ^Wecker oder eine Uhr 
gegeben,. wenn er auch der Letzte 
gewesen wäre. Steht doch'da in 
jedem Uhrmacher-Schaufenster ein 
Wecker und eine Uhr für Bergarbei¬ 
ter. Gegen einen Bezugsschein könnte 
man die so notwendig gebrauchten 
Gegenstände bekomrpen, Fast ein 
ganzes Jahr warten wir aber auf 
die Bezugsscheine. Die Bezugsscheine 
kommen nicht, aber bestimmt nach 
drei Tagen der Neuangefahrene und 
verlangt einen Bezugsschein für 
einen Wecker und, wenn möglich, 
auch für eine Uhr. Wir registrieren 
nicht mehr, sondern sagen jedem 
Neuangefahrenen schon gleich bei 
der Anfahrt,, daß die Angelegenheit 
Suchdienst der UNNRA 
Die Dienststelle Arolsen bei Kassel 
sucht: • v- • 
Stefan iak, Leonarda, 25 J., Po¬ 
len, letzter Aufenthalt: Spiczmierz, 
Abt. - Kaczka; Stefanski, Zbig- 
niew, 25 J., Polen, letzter Aufenthalt: 
Rheinland; S t e ne e 1, Jozef, .32 J., 
Polen-, letzter Aufenthalt; unbekannt; 
S t e p i e n , Genowefa, 33 J., Polen, 
letzter Aufenthalt: Jakubow, ' bei 
Kielce; S t e p i e n , Magdalena, 62 J.,. 
Polen, letzter' Aufenthalt: Jakubow, 
b. Kielce; Stepien, Stefan, 24 J., 
Polen, letzter Aufenthalt; Branden¬ 
burg; Stepien, Stanislaw, 22 L, 
Polen, letzter Aufenthalt: Jakubow, 
b. Kielce; Stepien, Stefan, 39 J., 
Polen, letzter Aufenthalt: unbekannt; 
Stepniewskl, Eugeniusz, 46 J., 
Polen, letzter Aufenthalt: Breslaü; 
Gewerkschaftsarbeit, die man 
Es gab zu allen Zeiten Außensei¬ 
ter, die der Gewerkschaftsbewegung 
fern “standen. Diese gibt es auch 
freute. Zur Verteidigung werden 
viele.Gründe ins Feld geführt, doch 
stellen sie der Intelligenz des Be¬ 
treffenden, nicht, gerade ein gutes 
Zeugnis aus. Meist handelt es sich 
um grobe Unwissenheit, eine kaum 
vertretbare Interessenlosigkeit, ■ Un¬ 
kameradschaftlichkeit gegenüber den 
organisierten Kameraden und kras¬ 
ser ‘ Egoismus. Bei dem einen rückt 
dieser, bei dem anderen jener Grund 
mehr, in den Vordergrund. Sie wer¬ 
den damit zu Hemmschuhen ihres 
eigenen Fortschritts. Aber das könnte 
gleichgültig sein, wenn nicht die Ge¬ 
samtheit mit darunter zu leiden 
hätte. An diesem Punkte wird ihr 
Außenseiter tum zu einem Vergehen 
an der Gesamtheit der Arbeitneh¬ 
merschaft. Die Macht der Gewerk¬ 
schaften beruht auf der 2üahl der 
Organisierten, ihrer. Intelligenz und 
Begeisterung und ihrer aktiven Teil¬ 
nahme an den Entscheidungen. 
Die Summe aller Erfolgsarbeit der 
Gewerkschaften zu ermitteln, ist ein 
umfangreiches und langes Unter¬ 
längen. Sie kann nicht Gegenstand 
einer kurzen Abhandlung sein. Vie¬ 
les davon ist uns schon so in Fleisch 
und Blut übergegangen, daß nur der 
Eingeweihte ■ sie noch als Gewerk¬ 
schaftsarbeit erkennt. Nehmen wir 
z. B. den Tarifvertrag. 
Wenn ein Arbeitnehmer heute 
einen Arbeitsvertrag eingel^t, so 
braucht er sich über Lohn oder Ge¬ 
halt, «'Arbeitszeit, Urlaub und Kündi¬ 
gung mit dem Arbeitgeber nicht 
mehr zu unterhalten. Es ist eine 
Selbstverständlichkeit, daß der Tarif 
für alle diese Dinge auch in seinem 
Falle Geltung hat. War das immer 
so selbstverständlich? Die Unbe¬ 
kümmertheit, mit der man dieser 
Errungenschaft heute, begegnet, 
könnte es so erscheinen lassen. Nie¬ 
mand denkt mehr an die gewaltige 
gewerkschaftliche Arbeit, die gelei¬ 
stet werden mußte; um das kollek¬ 
tive Arbeitsrecht zu schaffen. 
Der Tarifgedanke innerhalb der 
gewerkschaftlich organisierten Ar¬ 
beitnehmerschaft . ist alt. Schon in 
der Prühzeit der Bewegung ging das 
Streben dahin, die Lohn- und Ar¬ 
beitsbedingungen zwischen den Ge¬ 
werkschaften und den Arbeitgeber¬ 
verbänden zu. regeln. Man mußte 
zunächst auf jeglichen gesetzlichen 
Schutz der Abmachungen verzichten 
und stützte sich nur auf die. eigene 
Organisationskraft und die Disziplin 
der Gewerkschaftsmitglieder- Die 
Tarife wurden zunächst mit den ein¬ 
zelnen Betrieben abgeschlossen. Es 
folgten die Tarife auf örtlicher 
Grundlage, Einen größeren Sprung 
in der Entwicklung brachte die Zeit 
nach dem ersten Weltkriege. Die Be¬ 
triebstarife verschwanden wie .’.er. 
Die Tarife wurden jetzt auf beruf¬ 
licher oder industrieller Grundlage 
errichtet. Ihr Geltungsbereich er¬ 
streckte sich nun auf den Ort, den 
Bezirk oder auf das gesamte Reichs¬ 
gebiet. Im Jahre 1932 hatten wir 
10 152 Tarifverträge, die annähernd 
14 Millionen Personen umfaßten. 
. Die Verordnung über die Allge- , 
meinverbindlichkeit von Tarifver¬ 
trägen vom 23. Dezember 1918 
brachte auch den gesetzlichen Schutz, 
indem sie den Rechtsanspruch für 
alle durch einen Tarifvertrag inner¬ 
halb seines Geltungsbereiches erfa߬ 
ten Personen und Betrieben aus- < 
sprach. Die 'Allgemeinverbindlich¬ 
keit eines Tarifvertrages wurde auf 
Antrag durch den Reichsarbeitsmi¬ 
nister ausgesprochen. Für die An¬ 
tragstellung waren die vertrags¬ 
schließenden Organisationen zustän¬ 
dig. Sie konnten die Allgemcinver- 
bindlichkeit eines Tarifvertrages be- 
mit den Uhren und Weckern ein 
schlechter Witz sei. 
Die Betriebsvertretung, 
Kohlen für Ledige. 
Daß man als Bergmann, der selbst- 
Kohlen gräbt, frieren muß, ist nicht 
etwa aus der Luft gegriffen, sondern 
_ ewige Klage aller Ledigen, v< r 
allem der älteren Junggesellen. Was 
s:nd auch schon 25 Zentner Kehlen 
für einen Bergmann im Laufe eines 
Jahres? Im vorigen Jahr bei gerin¬ 
gerer Kälte wurden 35 Zentner Koh¬ 
len zugebilligt. Das ist die Mindest-' 
. forderung aller frierenden Bergleute, 
soweit sie noch nicht verheiratet 
sind und fremde Hilfe in-Anspruch 
nehmen müssen. 
Sterniak, Jerzy, 25 J., Polen, letz¬ 
ter Aufenthalt: Krs. Hannover. 
Kollegen! Die Zentral-Vermißten- 
Suchstellen der UNRRA wird uns ■ 
künftig jeden Monat zehn Namen 
mit Angaben von vermißten Perso¬ 
nen zugehen lassen’. 
Soweit irgend ein Kollege von den 
Genannten uns Nachricht zukommen v 
lassen kann, bitten wir, uns um¬ 
gebend dieselben zur Weiterleitung 
zuzusenden. “ 
Die Hauptverwaltung. 
r • 
' Hassel oder Assel Emil / 
Im Saargebiet geboren. Gefällen 
am 1. 9. 1944 bei der Einnahme der 
Stadt Angouleme (Frankreich). 
Beerdigt auf dem Friedhof Nontron 
(Dep. Charente). Eltern oder sonstige 
Familienangehörige des Toten werden 
gesucht. ‘ v. . - 
vergessen hat 
antragen. Sie wurde ausgesprochen, 
wenn das öffentliche Interesse es er¬ 
forderte. 
Die Mitglieder der vertragsschlie- 
-ßenden Parteien sind dann zur Er¬ 
füllung des Vertrages verpflichtet. 
Für den Fall, daß der Arbeitgeber 
sich weigerte, den vereinbarten Lohn 
zu zahlen,' stand dem Arbeitnehmer 
1ndu$tcUi/et(xxHd 
dtc Tatcikac^eitec , 
. \ * - - 
Laut Beschluß des Bezirksvor¬ 
standes wurde die Bezirksdelegier¬ 
tenkonferenz. nun endgültig auf den 
29. März 1947 vormittags 9 Uhr 
Tagungsort ist Sulzbach 
Lokal Volkshaus, Schnappacherweg 
(Straß enbahnhaltestelle), festgesetzt. 
Die einzelnen Betriebe und Orts¬ 
gruppen bitten wir, nun die noch 
notwendigen Nachwahlen vorzuneh¬ 
men, damit rechtzeitig Meldung, wie 
durch Rundschreiben bekannt gege¬ 
ben wurde, erfolgen kann. ■ . 
Delegierten-Ausweise sowie Ge¬ 
schäfts- und Kassenberichte und . 
Statutenentwurf werden den einzel¬ 
nen Dolegierten vor dem Bezirks- - 
delegiertentag zur Einsicht zugestellt. 
der Klageweg offen, der ihm sehr 
schnell zu seinem Recht verhalf. 
Dieser kollektive Schutz verpflich¬ 
tet aber auch zu kollektivem und 
gemeinsamen Kandeln. Jeder muß 
Mitglied*. seiner Gemeinschaft und 
damit seiner Gewerkschaft sein, denn 
nur das gemeinsame Handeln ga¬ 
rantiert den Inhalt eines Arbeitsver¬ 
trages, erstrebt die Verbesserung des 
Vertrages und schützt vor Lohn¬ 
druck in Krisenzeiten.
	        
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