Full text: 2.1947 (0002)

Februar 1947 
gelte 6 
»Dlfl Arbeit* 
industrieverband Holz 
Gründungs-Versammlung in Saarbrücken 
10000 Mitglieder im Ver¬ 
band öffentlicher Betriebe 
und Verwaltungen 
Trotzdem dieser Verband erst im 
Dezember 1946 gegründet wurden, 
ist sein Anwachsen bemerkenswert. 
Die Arbeiter, Angestellten und Be 
amten der öffentlichen Betriebe 
und Verwaltungen haben die Not¬ 
wendigkeit ihrer Organisation be* 
griffen und heute sind 10 000 Mit» 
glieder Zeuge dieser Erkenntnis. 
In der kurzen Zeit des Bestehens 
dieses Verbandes wurden 30 Orts* 
Verwaltungen geschaffen und bil* 
den ein fesstes Fundament dieser 
Organisataon. Um die fachlichen 
Belange wirksam unterstützen zu 
können, ergab sich die Notwendigkeit, 
Fachgruppen zu schaffen, die heute 
mit einem eigenen Fachgruppenvor* 
stand die kommenden Aufgaben 
lösen werden 
Die Fachgruppe „Gemeinde 
und Staatsarbeiter“ wird 
bei der notwendigen Neugestaltung 
des Tarifrechtes und bei der kom= 
menden Reform der Sozialgesetz* 
gebung, das Vertrauen ihrer Kollegen 
bedürfen, um alle Fragen im Inte¬ 
resse der Werktätigen zu meistern. 
Die Fachgruppe der Angestell* 
t e n ist ebenfalls im Hinblick auf 
die vielen Zukunftsaufgaben bereit, 
dem Angestellten sein Dasein ver» 
bessern zu helfen. 
Die Fachgruppe der Beamten hat 
die schwierigsten Aufgaben zu lö* 
sen, denn gerade hier sind viele 
Widerstände, die meistens von 
außen herangetragen werden, zu 
überwinden. 
So sind die Aufgaben der Fach* 
gruppen groß und dringend. An alle 
Angehörigen der öffentlichen Be» 
triebe und Verwaltungen ergeht der 
Mahnruf, mitzuhelfen am Wiederauf* 
bau, auch des eigenen Lebens. Nur 
durch die Organisation können die 
Probleme gelöst werdn, die heute im 
Vordergrund stehen. Wir fordern: 
Die Neugestaltung des Tarif* 
rechtes! 
Mitwirkung bei der Entnazifizie* 
rung der öffentlichen Betriebe 
und Verwaltungen. 
Inkraftsetzung des Betriebsräte¬ 
gesetzes für alle Arbeitnehmer, 
Arbeite/, Angestellte und Beamte 
der öffentlichen Dienste. 
Mitbestimmungsrecht in allen 
Verwaltungen. 
lagung der Jungpostler 
Im Dezember des vergangenen 
Jahres fand in Saarbrücken die 
Gründurigs - Versammlung des In- * 
dustrieverbandes Holz der Einheits¬ 
gewerkschaft der Arbeiter, Ange¬ 
stellten und Beamten statt. Herr 
Schonard begrüßte die aus allen 
Teilen des Saarlandes herbeigekom¬ 
menen Delegierten des Holzgewer¬ 
bes und gab einen Rückblick über 
die geleisteten Vorarbeiten zum Auf¬ 
bau der Organisation. 
Zum Thema: „Warum Einheitsge¬ 
werkschaft“ sprach Kollege Ober¬ 
meier. Da wieder die legale Mög¬ 
lichkeit zum Aufbau der Gewerk¬ 
schaften gegeben ist, wird'auch die 
Industriegruppe Holz bald wieder 
eine Stelle einnehmen, die sie nach 
aller Tradition innehatte. Die neue 
Gewerkschaft ist weder die Fort¬ 
setzung der Arbeitsfront, noch die 
alte Gewerkschaftsbewegung, son¬ 
dern der' Grundgedanke ist die Ge¬ 
werkschaftseinheit, frei von welt¬ 
anschaulichen und parteipolitischen 
Bindungen. Ohne diese Einheit wird 
keine Wirtschaftsdemokratie ge¬ 
schaffen werden können, die die 
Mitbestimmung der Gewerkschaften 
in der Produktion garantiert. Die 
Enteignung der Schwerindustrie und 
ihre Ueberführung in die Hände der 
Selbstverwaltungsorgane stellt große 
staatspolitische Anforderungen an 
die Gewerkschaften. Diese Ma߬ 
nahmen verhindern die Bildung von 
Kartellen und Trusts, das Wieder¬ 
aufleben des Imperialismus und der 
damit verbundenen Kriegsgefahr. 
In allen Betrieben müssen die Ge¬ 
werkschaften mitbestimmend an der 
Produktion sein, denn an einer 
Steigerung der Produktion, welche 
dem Unternehmer die Tasche füllt, 
sind wir nicht interessiert, sondern 
daran, daß sie unserem Volke zugute 
kommt. Daher ist den Betriebsräten 
das Kontrollrecht einzuräumen. 
Wenn die Gewinne vieler Unter¬ 
nehmungen höher sind, als im 
Kriege, müsse man feststellen, daß 
die Tarife einer gründlichen Prüfung 
bedürfen. Die Spannung zwischen 
den Löhnen und Preisen muß durch 
eine radikale Preissenkung ausge¬ 
glichen werden. 
Der Beschluß der Verwaltungs» 
kommission des Saarlandes, daß die 
Beamten vom Betriebsrätegesetz aus» 
genommen sind, ist eine reaktionäre, 
undemokratische Maßnahme. Der 
unselige Kastengeist wird dadurch 
gefördert und anstatt Diener des 
Volkes zu sein, wird der Beamte 
zum Volksfeind. Darum wehrt sich 
die Gewerkschaft mit allen Mitteln 
gegen diese Regelung, die eine Spal¬ 
tung der Arbeitnehmerschaft be¬ 
deutet. 
Uebergehend zur Frage der Säube¬ 
rung, verwies der Referent auf die 
Rede des Generalsekretärs des Welt¬ 
gewerkschaftsbundes, Louis Saillant, 
auf der Interzonenkonferenz der Ge¬ 
werkschaften aus allen vier Zonen 
in Mainz hin, in der er die unge¬ 
nügende Entnazifizierung der deut¬ 
schen Wirtschaft feststellte. Auch 
im Saarland läßt die Säuberung der 
Wirtschaft von reaktionären Ele¬ 
menten viel zu wünschen übrig. Der 
Redner wandte sich gegen die Art 
der Säuberung, wie man sie bei uns 
durchführt, daß man den Kleinen 
hängt und die großen Verantwort¬ 
lichen unbehelligt läßt. Er führte 
den Fall B. Seibert, ehemaliger Prä¬ 
sident der Gauwirtschaftskammer, 
an, der unter das Gesetz 52 fällt. 
Bis heute hat man trotz mehr¬ 
maligen Protestes der Gewerkschaf¬ 
ten noch nichts unternommen, wo¬ 
gegen man Hunderte der kleinen 
PGs. hart bestrafte. Die Beseitigung 
der führenden Nationalsozialisten 
aus der Wirtschaft gibt die Garantie 
zum Aufbau einer demokratischen 
Wirtschaft, die dem Volk gehört und 
ihm dient. 
Mit der Mahnung an die älteren 
Mitglieder, der Jugend mit Rat und 
Tat zur Seite zu stehen, schloß Kol¬ 
lege Obermeier seine Ausführungen. 
Der Senior der Holzarbeiterorgani¬ 
sation, Herr Tubach, gab einen in¬ 
teressanten Rückblick auf die Ge¬ 
werkschaftsbewegung der Gruppe 
Holz. Er verurteilt, daß das Be- 
triebsräfegesetz die Beamten aus¬ 
schließen solle. Dadurch entstehe 
eine Diskrepanz zwischen den poli¬ 
tischen und wirtschaftlichen Orga¬ 
nen. In den Handels- und Hand¬ 
werkskammern müsse der konser¬ 
vative Geist verdrängt und durch 
den echten, demokratischen Geist 
ersetzt werden, denn heute sind die 
am angriffslustigsten, die Grund hät¬ 
ten, sich zurückzuziehen. Die Grün¬ 
dung von sozialen Baubetrieben auf 
genossenschaftlicher Grundlage wird 
von Herrn Tubach empfohlen. 
Nach Annahme der Salzungen 
wurde der provisorische Vorstand 
gewählt. Herr Schonard wurde zum 
1. Vorsitzenden und Herr Hoffmann 
zum 2. Vorsitzenden gewählt. 
Im Sitzungssaal der Einheitsge¬ 
werkschaft in Saarbrücken trafen 
sich die Delegierten*Abordnungen 
der Jungpostler der Einheitsgewerk» 
schaft des Saarlandes am 4. Februar 
zu einer ersten Tagung. In einem 
kurz gehaltenen Referat führte Kol» 
lege Scholl, der Jugendleiter der 
Einheitsgewerkschaft den Jungpost» 
lern die Ziele und die Notwendigkeit 
der Einheitsgewerkschaft vor Augen. 
Kollege Weiter, der Verbands* 
Vorsitzende fand mit seinen von 
Kamerad zu Kamerad gesprochenen 
Worten allgemeine, freudige Zu* 
Stimmung. 
Auch Präsident Wacker, der es 
sich nicht nehmen ließ.persönlioh an 
der Tagung teilzunehmen, überzeugte 
die Anwesenden von der Notwen* 
digkeit der gewerkschaftlichen Or* 
ganisation und eines entscheidenden 
Mitbestimmungrechtes der Einheits¬ 
gewerkschaft im Wirtschafts* und So¬ 
zialleben unserer Saarheimat. Seine 
Ausführungen fanden begeisterte 
Aufnahme. Kollege Emmrich, der 
Bezirksobmann des Industriever* 
bandes Post» und Fernmelde wesen, 
sprach dann über spezielle Angelegen* 
heiten der Post. Er forderte zu em* 
»iger Mitarbeit auf, die festgestelten 
Mißstajode zu beseitigen. 
Einstellung von Jugendlichen als Lehrlinge, 
Anlernlinge, Praktikanten und Volontäre 
Die Einstellung von Jugendlichen 
als Lehrlinge, Anlernlinge, Prakti¬ 
kanten und Volontäre ist nach der 
Verordnung über die Tätigkeit der 
Arbeitsämter in Arbeits- und Lohn¬ 
fragen vom 1. 6. 1946 an die vor¬ 
herige Zustimmung des Arbeits¬ 
amtes gebunden. Die Lehrfirmen 
sind gehalten, ihre Anträge auf Ver¬ 
mittlung von Lehrlingen, Anlern¬ 
lingen, Praktikanten und Volontären 
zu folgenden Terminen bei ihrem 
Arbeitsamt einzureichen: 
1. für die Einstellungen zum 1. Au¬ 
gust, die im Anschluß an die 
jeweils Mitte Juli erfolgenden 
Schulentlassungen vorgenommen 
werden, bis zum 1. Januar 
jeden Jahres, ln diesem 
Jahre ausnahmsweise 
bis zum 1. März; 
2. für die unter Umständen nicht 
zu vermeidenden Einstellungen 
in der Zwischenzeit mindestens 
6 Wochen vor dem beabsichtig¬ 
ten Einstellungstermin. 
Die Vordrucke sind bei dem zu¬ 
ständigen Arbeitsamt oder dessen 
Nebenstelle anzufordern. 
Lehrberechtigt sind im Handwerk 
nur solche Betriebe, in denen ein 
Lehr befugnisträger vorhanden Ist. 
Für Industrie und Handel wird die 
Ueberprüfung der Ausbildungsfähig¬ 
keit in jedem Emzelfalle durch die 
Wirtschaftsorganisation vorgenom¬ 
men. 
Für den Gesamtbedarf an Lehr¬ 
lingen, Anlernlingen, Praktikanten 
und Volontären (getrennt nach kauf¬ 
männischen und gewerblichen) ha¬ 
ben die Betriebe je eine Karte 
auszufüllen und dem zuständigen 
Arbeitsamt zu übermitteln. Hierbei 
ist auf die ordnungsmäßige 
und gewissenhafte Aus¬ 
füllung der Antragsvor¬ 
drucke ganz besonders zu achten. 
Unvollständig ausgefüllte Antrags¬ 
formulare müssen von den Arbeits¬ 
ämtern zurückgegeben werden. 
Den Industriebetrieben wird emp¬ 
fohlen, den Nachwuchsbedarf ge¬ 
gliedert nach Lehr- und Anlern¬ 
berufen, Praktikanten und Volon¬ 
tären auf einer Liste mit Durch¬ 
schlag gesondert aufzuführen und 
mit den Antragskarten bei dem zu¬ 
ständigen Arbeitsamt einzureichen. 
Berechtigte namentliche Anforde¬ 
rungen von Jugendlichen können auf. 
dem Antragsformular eingetragen 
werden, damit von seiten des Ar¬ 
beitsamtes die arbeitsmarkt- und 
berufspolitischen Belange überprüft 
werden. 
Die Einhaltung der vorgenannten 
Termine ist dringend notwendig, da¬ 
mit die beteiligten Stellen im Inter¬ 
esse der Jugendlichen und der ge¬ 
samten Wirtschaft eine sinnvolle 
Berufslenkung vornehmen können. 
Auch die kaufmännischen und ge¬ 
werblichen Berufsschulen sind an 
der Einhaltung der Termine stärker 
denn je interessiert, weil sie ihren 
Lehrplan und die Aufteilung der 
Fachklassen zu einem bestimmten 
Termin endgültig abschließen müs¬ 
sen und wegen Nachzüglern Lehr¬ 
pläne und Fachklassen nicht umge¬ 
stellt werden können. 
Handelskammer 
Handwerkskammer 
Einheitsgewerkschaft 
Landesarbeitsamt 
An der Sdiwelle des Berufes 
Abschlußfeier der LehTlintje 
Im Wartburgsaal fand am 8. Fe» 
bruar die Abschlußfeier für Lehr» 
linge und Anlernlinge der kaufmän* 
nischen und industriellen Berufe 
statt. Zum ersten Mal nach dem 
Kriege öffnet sie wieder Hunderten 
junger Menschen den Weg zum Be¬ 
rufsleben. Ein Vertreter der Han« 
delskammer begrüßte dieAnwesenden 
Prüflinge als qualifizierten Nach» 
wuchs im Aufbau unserer Wirt* 
schaft, in dessen Dienst sie ihre 
Kräfte als Facharbeiter oder Kauf* 
leute stellen werden. 
Mr. Rieth von der Militärregierung 
gaib dem Wunsche Ausdruck, daß 
der arbeitende Mensch in dem Auf» 
Am 1. und 2. März findet in der 
Turnhalle in Völklingen die 1. Ge¬ 
neral - Versammlung des Industrie- 
Verband Metall statt. Beginn 9 Uhr. 
Delegierte, die noch nicht gemeldet 
sind, müssen sofort eingereicht wer¬ 
den. Nur die vom Industrie-Verband 
ausgestellten Delegiertenkarten ha- 
Gültigkelt. 
Industrie verband Metall 
gez. Fllegler 
bau der demokratischen Wirtschaft 
mitbestimmend werden und nicht 
immer Amboß bleiben soll. Die Ge* 
werkschaften werden sich in die 
Wirtschaften einbauen und das neue 
Statut der Handelskammer wird den 
Arbeitnehmern Sitz und Stimme 
geben. Die paritätisch zusammen* 
gesetzten Dreierausschüsse, werden 
die Träger der Wirtschaft sein. 
Unsere beiden Völker müssen 
sich gegenseitig achten und lieben 
lernen, dann wird der Haß ver¬ 
schwinden und der Weg frei zur 
Völkerverständigung. Herr Ober* 
regierungsrat P f a f f appellierte im 
Namen der Direktion für Arbeit und 
Wohlfahrt an die Jugend, als Avant¬ 
garde im Aufbau mitzuwirken, denn 
solange Menschen anpacken, können 
wir wieder freudig in die Zu¬ 
kunft blicken. 
Kollege Wacker führte aus, daß 
die Einheitsgewerkschaft bereit ist, 
der arbeitenden Jugend mit Rat und 
Tat zur Seite zu stehen, ihre Helfe¬ 
rin und Beraterin zu sein. Durch 
Arbeit haben wir das Recht, an 
allen Errungenschaften teilzunehmen 
und die Voraussetungen für ein an« 
ständiges Leben zu schaffen. Wir 
müssen zusammenstehen, um eine 
bessere Zukunft zu erringen. Die 
ganze Welt blickt auf Deutschlands 
Jugend und die Gewerkschaften 
rufen der Jugend zu, zu ihnen zu 
kommen und Wegbereiter der glück* 
licheren Zukunft sein.
	        
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