Full text: 2.1947 (0002)

Jugsndfunktiosiäre greift ein! 
Jn einem saarländischen Betrieb, 
in dem größtenteils Jugendliche 
\md Lehrlinge beschäftigt sind, 
wurde seit 8 Monaten von diesen 
Lehrlingen Sonntagwache am Tor¬ 
haus gemacht. Diese Einteilung zur 
Sonntagsarbeit ging im Anfang gut, 
weil die damaligen Schwierigkeiten 
von den Jugendlichen eingesehen 
wurden und man hatte den Jugend¬ 
lichen auch versprochen, daß diese 
Regelung so schnell \vie möglich ge¬ 
klärt werde und sagte, daß es nur 
vorübergehend sei. Nach einigen Mo¬ 
naten tauchte dann bei den Jugend¬ 
lichen die Frage auf: „Wie hat sich 
die Direktion die Regelung gedacht, 
die Jugendlichen von der nicht in 
ihre Ausbildung fallende Arbeit zu 
befreien?" Nach einer geraumen Zeit 
wurden die Jugendlichen wegen die¬ 
ser Angelegenheit bei der Direktion 
vorstellig. Die Direktion jedoch gab 
die ausweichende Antwort, daß sie 
aus finanztechnischen Gründen diese 
Sonntagswache weiter beibehalten 
müßte 
handlungen mit der Betriebsleitung, 
daß den Jugendlichen während der 
Arbeitszeit und außer der Berufs¬ 
schule eine zusätzliche Ausbildung 
gewährt wird. Dies ist besonders er¬ 
freulich, da sich der Betrieb zur Zeit 
noch im Aufbau befindet. 
Es ist hier auf Grund der Initia¬ 
tive des Betriebsrates gelungen, den 
Jugendlichen eine zusätzliche Aus¬ 
bildung zu geben und wir hoffen, 
daß diesem Beispiel d i e Betriebe, in 
denen diese zusätzliche Ausbildung 
noch nicht gegeben wird, recht bald 
folgen werden. 
Die Jugendlichen der 
Firma Kaiser führten am 2. De¬ 
zember ihre 1. Jugendversammlung 
durch und wählten aus ihrer Mitte 
den Jungkollegen Karl Lehberger, 
St. Ingbert, Kaiserstraße 316, als 
Jugendvertrauensmann. Ein Ver¬ 
treter vom Jugendsekretariat sprach 
in seinem kurzen Referat über 
den Zweck und das Ziel der 
Einheitsgewerkschaft und insbe¬ 
sondere über die Jugendfrage. Die 
Diskussion zeigte eine sehr gute 
und rege Beteiligung. Als Haupt¬ 
punkt wurde die Frage der Berufs¬ 
ausbildung diskutiert. Da diese Ju¬ 
gendlichen besonderen Wert auf eine 
gute Berufsausbildung legen und 
sich im Betrieb geeignete Kräfte zur 
Durchführung dieser Ausbildungs¬ 
kurse befinden, setzte sich der Ju¬ 
gendvertreter auch mit diesen Kräf¬ 
ten in Verbindung und konnte nach 
Rücksprache mit der Betriebsleitung, 
die sofort ihre Zusage gab, erreichen, 
daß in diesem Betrieb außer der Be¬ 
rufsschule Ausbildungskurse wäh¬ 
rend der Arbeitszeit eingelegt wer¬ 
den. Hier ist besonders zu bemer¬ 
ken, daß der Betrieb große tech¬ 
nische Schwierigkeiten zu überwin¬ 
den hat und trotzdem sich tatkräftig 
für eine gute Lehrlingsausbildung 
einsetzt. - Ba - 
Karl Lehberger, St. Ingbert, Kaiser¬ 
straße 316. 
Ein Beispiel, welches zur Nachah¬ 
mung empfohlen wird. Organisiert 
in allen Betrieben Jugend Versamm¬ 
lungen und wählt Eure Jugendver¬ 
trauensleute. —Ba— 
Jungkollegen und -Kolleginnen 
Die letzten Prüfungsergebnisse 
der Gesellen- und Gehilfenprü¬ 
fungen haben sehr schlechte Re¬ 
sultate gezeigt. Um dieses Übel 
zu beseitigen, will das Jugend¬ 
sekretariat ab Januar 1948 Abend¬ 
kurse in Deutsch (Rechtschrei¬ 
bung und Grammatik), Rech¬ 
nei), (4 Grundrechnungsarten), 
techn. und kaufm. Rech¬ 
nen, sowie Facharbeiter¬ 
ausbildungskurse einlegcn. 
Da hierbei große technische 
Schwierigkeiten bestehen, bitten 
wir Euch, uns behilflich zu sein 
und zwar in d e r Form, daß Ihr 
uns geeignete Lehr- und Fach¬ 
kräfte angibt, die in der Lage 
sind, solche Kurse durch¬ 
zuführen, damit wir uns mit den 
Lehrkräften in Verbindung setzen 
können, um die Kurse möglichst 
schnell anlaufen zu lassen. 
Aus den Betrieben 
Mit dieser Antwort gaben sich die 
Jugendlichen jedoch nicht zufrieden 
und wandten sich in dieser Angele¬ 
genheit an das Jugendsekretariat. 
Das Jugendsekretariat griff diese 
Sache sofort auf und nach Vor¬ 
sprache des Jugendvertreters wurde 
dann die Sache gleich geregelt. 
Bei der Aussprache jedoch drohte 
der Arbeitgeber, daß er die Jugend¬ 
lichen, die nur 5 Tage in der Woche 
arbeiteten, nun 6 Tage beschäftigen 
werde, was von ihm als eine Vergel¬ 
tungsmaßnahme dargestellt wurde. 
Als Abschluß dieser Besprechung 
versprach der Betriebsleiter, daß die 
Jugendlichen keine Sonntagswache 
mehr zu machen brauchten und da¬ 
mit ihi’e Angelegenheit ihre Erledi¬ 
gung gefunden habe; 
Durch die Initiative der jungen 
Gewerkschaftler im Betrieb ist diese 
Sache aufgegriffen und schließlich 
geregelt worden. Jugendliche nehmt 
euch in allen Betrieben ein Beispiel 
an diesem Fall, ergreift die Initiative 
und kämpft mit dem Jugendsekre¬ 
tariat der Einheitsgewerkschaft für 
die Verbesserungen der Arbeitsbe¬ 
dingungen der jugendlichen Arbeiter 
und Arbeiterinnen in allen Betrie¬ 
ben! Ba— 
Jugend-Vertrauensmänner 
in allen Betrieben 
Am 2. Dezember 1947 führten die 
Jugendlichen der Firma 
G e m a ihre 1. Jugendversammlung 
im Betrieb durch. Auf dieser Ver¬ 
sammlung, an der sich etwa 40 Ju¬ 
gendlichen beteiligten, wurde der 
Jungkollege Erwin Deffland, St. Ing¬ 
bert, Hahnackerstr. 60, als Jugend¬ 
obmann gewählt. Eine Kollegin vom 
Jugendsekretariat hielt ein kurzes 
Referat über das Ziel und den 
Zweck der Einheitsgewerkschaft und 
ging insbesondere auf die .Jugend¬ 
frage ein. Im Anschluß an das Re¬ 
ferat wurde eine Diskussion durch¬ 
geführt, wobei sich die Jugendlichen 
sehr rege beteiligten und besonders 
die Frage der Berufsausbildung 
herausstrichen. 
Besonders bemerkenswert ist, daß 
sich der gesamte Betriebsrat an die¬ 
ser Versammlung beteiligte und die 
Jugend sehr tatkräftig unterstützte. 
Der Betriebsrat führte bereits Ver- 
In nachfolgenden Betrieben wur¬ 
den von der Jugendbclegsebaft in 
Jugendversammlungen Jugendver¬ 
trauensmänner gewählt: 
1. Am 3t). 10. bei der Firma Nie¬ 
ten- und Kettenfabrik, Saar¬ 
brücken 6. Gewählter Vertrauens¬ 
mann: Heinz Hoff mann, Saarbrük- 
ken 6, Rubensstraße 48. 
2. Am 13. 11. bei der Firma Ar- 
noth-u. Becker, Saarbrücken. 
Gewählter Vertrauensmann: Walter 
Weißhaar, Dudweiler, Neuhauser¬ 
weg 11b. 
3. Am 22.11. bei der Firma Turm¬ 
wald, Lockweiler. Gewählter Ver¬ 
trauensmann: Peter Berwanger, 
Kretnisch, Ortsstraße 60. 
4. Am 28. 11. Kraftwerk 
Wehrden, Völklingen - Wehrden. 
Gewählter Vertrauensmann: Hugo 
Kesternisch, Völklingen, Frankfurter 
Straße 27. 
5. Am 1. 12. Firma Basler, St. 
Ingbert. Gewählter Vertrauensmann: 
Egon Dahlmen, St. Ingbert, Elvers- 
berger Sti'aße 76. 
6. Am 1. 12. Firma Omlor, St. 
Ingbert. Gewählter Vertrauensmann: 
Heinz Siebenschuh, St. Ingbert, An 
der Donau 4. 
7. Am 2. 12. Firma G e m a , St. 
Ingbert. Gewählter Vertrauensmann: 
Erwin Deffland, St. Ingbert, Hal¬ 
mackerstraße 60. 
8. Am 2. 12. Firma Schneider¬ 
werke St. Ingbert. Gewählter Ver¬ 
trauensmann: Karl Heinz Graß, St. 
Ingbert, Schützenstraße 4. 
9. Am 2. 12. in dem St. Ingber- 
ter Eisenwerk, St. Ingbert. Ge¬ 
wählter Vertrauensmann: Otto Grub, 
St. Ingbert, Grubenstraße 8. 
10. Am 2. 12. Firma Kaiser, St. 
Ingbert. Gewählter Vertrauensmann: 
In einer unserer letzten Nummern 
brachten wir einen Artikel „Trocken 
Brot und Pellkartoffel“, in dem wir 
schilderten, wie in Gegenwart eines 
amerikanischen Offiziers, Arbeiter 
und Angestellte in Göppingen auf 
ihrem Weg zur Arbeit überprüft wur- 
dep. Dabei wurde festgestellt, daß sie 
ausschließlich trocken Brot und Pell¬ 
kartoffel mit sich führten. 
Ein Kollege der Burbacher Hütte 
schreibt folgendes dazu: 
„.Ta, sieht es bei uns denn anders aus? 
Auch hei uns wäre einmal eine Kon¬ 
trolle am Platze. Ich würde Vorschlä¬ 
gen. die Taschen unserer Beleg¬ 
schaftsmitglieder der Burbacher Hütte 
einmal untersuchen zu lassen. Ein 
Stückchen trocken Brot könnte man 
vielleicht finden, jedoch nicht bei allen, 
aber keine Pellkartoffel, denn sowas 
gibt es bei uns schon lange nicht mehr. 
Wir haben .jetzt Anfang Dezember und 
sind schon einige Wochen ohne Kar¬ 
toffeln. M. M. 
-K 
Ein anderer Kollege nimmt zu einer 
Karrikatur „Beamte sind Diener des 
Volkes“ der „Neue Saar“ vom 7. 11. 
Stellung. Er schreibt u. a. „Es ist eine 
grobe Entstellung, die sich die „Nevie 
Saar“ leistete. Welcher mit gesundem 
Menschenverstand erkennt das Übel 
der Bürokratie nicht? Der Beamte 
ist ein Treuhänder des Volkes aus 
dem Volk und für das Volk — ein Be¬ 
rufsstand, der seit zwei Jahren in em¬ 
siger hingehender Arbeit am Wieder¬ 
aufbau unserer vollständig desorgani¬ 
sierten Verwaltung mitgewirkt hat. 
¡Gewiß gibt es bedauerliche Einzel¬ 
fälle nachgeordneter Dienststellen, diö 
auch nicht entschuldigt werden sollen, 
aber bei der damals überstürzten per¬ 
sonellen Besetzung und den räumli¬ 
chen und technischen Schwierigkei¬ 
ten sich ergeben haben. Kommen der¬ 
artige „Fälle“ der aufsichtsführenden 
Dienststellen zur Kenntnis, so ist aber 
auch sofort Abhilfe geschaffen worden 
Parteien, Presse, Funk, insbesondere 
Gewerkschaften und die Volksvertre¬ 
tung wird der Beseitigung ungeeig¬ 
neter Kräfte mithelfen. 
Niemand hat das Recht, einen gan¬ 
zen Berufsstand zu diskretisieren. Die 
saarländische Beamtenschaft wird sich 
mit ihrer Gewerkschaftsvertretung ge- 
.gen solche unqualifizierte Angriffe 
wehren. 
Bei allem Verständnis für Witz und 
Humor muß sich die saarländische Be¬ 
amtenschaft gegen solche geistlose 
Verallgemeinerung entschieden ver¬ 
wahren“. H. Sch. 
Jungkolleginnen! Jungkollegen! 
\Y/cihnachten, das Fest des Friedens, steht vor der Tür. 
** Unser Volk, die Völker der Erde, besonders die schaffen¬ 
den Menschen, sehnen sich inbrünstig einen Frieden herbei, der 
auf der Grundlage von Recht, Gerechtigkeit und Liebe eine 
Gewähr dafür bietet, von langer, unabsehbarer Dauer zu 
werden. 
Die Jugend des schaffenden Volkes ist nicht mehr gewillt, 
sich noch einmal zu Gunsten einer kleinen, verbrecherischen 
Machtclique von Rüstungsmagnaten und Bankhyänen mi߬ 
brauchen zu lassen. Sie will und wünscht den Frieden, der 
uns von den Menschen geschaffen und erhalten werden kann, 
die eines guten Willens sind. Allen denen aber, die um dieses 
Ziel ringen, reichen wir unsere Hand zu treuem Bund. 
Unsere Aufgaben Im kommenden Jahr sind groß, fast rie¬ 
sengroß. Wir werden sie nur dann bewältigen und lösen 
können, wenn wir geschlossen in der Einheitsgewerkschaft 
zusammenstehen. 
Jungkolleginnen! Jungkollegen! 
Auf unseren Schultern lastet die Mitverantwortung für die 
kommende Zeit! 
. Wir gehen in das neue Jahr hinein mit der Zielsetzung: 
Der Einheit die Treue! Für die Wiederherstellung der Men¬ 
schenwürde und Freiheit der Persönlichkeit! Für den Frieden 
in unserem Volke und unter allen Völkern! 
In diesem Sinne rufen wir Euch zu: 
Frohe Weihnacht! 
Ein glückliches Neues Jahr! 
Jugendsekretariat und 
Bezirksjugendausschuß der 
Einheitsgewerkschaft. 
i
	        

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