Full text: 2.1947 (0002)

C In Jahr geht zur Neige, das den 
*- Industrieverband „Baugewerbe" 
mit voller Kraft an der Arbeit sah 
lind das unbestritten mit einem er¬ 
folgreichen Abschluß, für die Tätig¬ 
keit der Eeinheitsgewerkschaft und 
des Industrieverbandes insbesondere, 
endet. 
Nachdem wir nun zum vierten 
Male in 27 Jahren abgetrennt und 
engeschlossen, befreit und einge- 
«chlossen waren, sollte es eigentlich 
ausgeschlossen sein, daß wir noch 
einmal nach Irgendeiner poli¬ 
tischen Richtung hin angeschlossen 
werden. Der wirtschaftliche An¬ 
schluß aber soll der Anfang in einer 
Entwicklung sein, der die große 
Frage „Europa“ folgen muß, wenn 
den armen ausgebluteten Völkern 
unseres alten Erdteiles noch einmal 
ein Sattessen möglich werden soll. 
Den Bauarbeiter aber bedrückt 
zum Abschluß des Jahres 1947 die 
bange Sorge um Lohn, Brot, Klei¬ 
dung und Wohnung. Wo aber stehen 
wir heute und was will und wird 
ihm die Gewerkschaft verschaffen? 
Diese Frage kann an dieser Stelle 
nur frei von politisch-religiösen Ein¬ 
flüssen und nur vom wirtschafs-poli- 
tischen Standpunkt aus beantwor¬ 
tet werden, frei von täglich wech¬ 
selnden Einflüssen. 
Der Aufbau des Bauarbeiterlohnes 
war nach der alten RBT. neben einer 
gut und leicht faßbaren Übersicht, 
sowohl auf Zeitlohn, als auch auf 
Leistung aufgebaut. Das nunmehr 
eingeführte franz. Lohnsystem baut 
sich im wesentlichen auf Zeitlohn 
auf und bedient sich für die Abgel¬ 
tung der Leistung der verstärkten 
Ausnutzung durch Einstufung, ohne 
Sich weiter an Titel oder Rang zu 
stören. Als bestimmender Faktor für 
die leistungsmäßige Einstufung ist 
der Koeffizient als Wertmesser ein¬ 
gebaut. So wird nun bei der ersten 
Lohnabrechnung ein harter Kampf 
um die Einstufung entbrennen, der 
Jedoch mit großer Wahrscheinlich¬ 
keit, nach Ablauf von zwei bis drei 
Lohnperioden abgeschlossen sein 
dürfte. Hier haben die neuen Be¬ 
triebsräte ein Arbeitsfeld vor sich, 
auf dem sie in jedem Falle eine 
erste grundsätzliche Bewährung zu 
beweisen haben. In diesem Kampf 
wird aber in jedem Falle derjenige 
Obmann am erfolgreichsten seine 
Position ausbauen können, der eine 
gute und voll organisierte Arbeitneh¬ 
merschaft hinter sich hat. Die Lohn¬ 
höhe wird bis zu einem bestimmten 
Grade stets Kampfgegenstand der 
Gewerkschaft sein, da die Entwick¬ 
lung für Sondervereinbarungen mit 
Unorganisierten sehr bald keinen 
Spielraum mehr läßt. 
Das Preisproblem 
muß und wird eine tragbare Lösung 
finden und zwar in kürzester Frist, 
da sonst die Produktionssteigerung 
unmöglich gemacht wird. Eine Wäh¬ 
rungsstabilisierung ist im euro¬ 
päischen Raum insgesamt erforder¬ 
lich und in dieser Frage wird zwei¬ 
fellos der Franken als erste Währung 
eine Reform erleben müssen, um der 
wirtschaftlichen Stellung Frank¬ 
reichs in Europa als Stütze zu dienen. 
Das Preis- und Lohnproblem einer 
Volkswirtschaft ist aber in seiner 
Doppelwirkung das Grundelement 
des wirtschaftlichen Gleichgewichts. 
Hier gilt es für die Gewerkschaft, 
mit den besten Kräften in die mit¬ 
Zum Jahresende im Baugewerbe 
bestimmende Position der Wirtschaft 
einzutreten. 
Demokratie In der 'Wirtschaft 
bietet dem Saarvolk und der Welt 
die beste Sicherheit gegen alle Frie¬ 
densstörer. Diese Demokratie aber, 
haben wir noch lange nicht. Das, 
was bis heute an demokratischen 
Einrichtungen' aüfgebaut wurde, Ist 
ein blasser Schein, der dazu noch 
oft trügt. Hier ißt in erster Linie 
der demokratische Geist erforder¬ 
lich und wir alle müssen diesen 
Geist, den Willen zur Demokratie, 
erst einmal richtig an uns selbst 
reifen und stählen. Hier muß noch 
vieles nicht ausgewechselt, sondern 
geistig erworben werden. Haben wir 
aber erst einmal in unserem eige¬ 
nen Hause die demokratische Denk- 
und Handlungsweise in richtigem 
Gebrauch, so wird die Anerkennung 
der Nachbarvölker nicht ausbleiben. 
Zweifelsohne wird bei dieser gei¬ 
stigen Umstellung die Tatsache ver¬ 
schwinden müssen, daß die Lehr¬ 
meister und' Hausnachbarn durch 
schlechte Beispiele die Umerziehung 
gefährden. 
Rulturfragen 
waren stets ein völkerverbindendes 
Mittel. Ist es also verwunderlich, 
wenn im Saarland und seitens der 
Einheitsgewerkschaft aufs beste un¬ 
terstützt, das kulturelle Leben stark 
aufblüht und sich im Wechsel der 
beiden großen Kulturvölker Deutsch¬ 
lands und Frankreichs auf das beste 
bewährt? 
Die Berufsausbildung 
hat wesentliche Fortschritte zu ver¬ 
zeichnen. Das kommende Jahr wird 
aber ein wesentlich verstärktes Pro¬ 
gramm aufweisen, so daß unsere Ju¬ 
gend wieder einen festen Halt an 
ihrem Beruf und einen stabilen Auf¬ 
bau ihrer Existenz erhält. 
Die Jugend selbst 
hat sich im letzten Jahr in allen 
Lagen gut gehalten und soll im kom¬ 
menden Jahr in verstärktem Maße 
zu der Arbeit in der Gewerkschaft 
herangezogen werden. Sie soll am 
Aufbau selbst helfen, um so sich 
eine eine Organisation zu schaffen, 
die ihr die Oewähr für eine bessere 
und siehere Zukunft bietet. 
Welche berechtigten Forderungen 
stehen für den Bauarbeiter und ihre 
Angestellten zum Jahreswechsel 
noch offen? 
Nachstehende Punkte, die in ihrer 
Struktur berufsbedingt sind und 
einer sofortigen Lösung zugeführt 
werden müssen: 
1. Beseitigung der Ortsklasse 3 und 4 
lind Umbau auf 2 Ortsklassen, da 
das Saarland bei seinem indu- 
Bouarbeiterjugend herhören! 
Zur Vorbereitung des zweiten 
Gewerkschafts - Jugendkongresses 
und des Verbands-Jugendtages 
finden in den Monaten Dezem¬ 
ber bis Januar Kreisjugend- 
Konferenzen statt. Die Tagesord¬ 
nung lautet unter anderem: 
1. Wahl des Krelsjugcnd-Vcrtre- 
ters und des Kreisvorstandes. 
2. Wahl der Delegierten zum 
zweiten Gewerkschaftsjugend¬ 
kongreß. 
3. Wahl der Delegierten zum Be¬ 
zirksjugendtag des Industrie- 
Verbandes Baugewerbe. 
Wählt Eure Jugend-Obleute in 
den Betrieben! Kommt alle zu 
den Kreis-Konferenzen! 
Es geht um Euer Mitbestim¬ 
mungsrecht in Betrieb und Bau¬ 
stelle. Ort und Zeitpunkt der 
Kreiskonferenzen werden den 
Betrieben zugestellt. 
Industrieverband Baugewerbe 
Abt. Jugend. i 
Abschluß der Betriebsrätewahlen 
P\ie Ortsverwaltung Saarbrücken 
l-'kann einen erfolgreichen Ab¬ 
schluß der Betriebsratswahlen ver¬ 
zeichnen, die einmütig von den ge¬ 
samten Bauschaffenden im Zeichen 
der Einheit standen. Wir danken 
hiermit jedem Bauarbeiter für das 
in uns gesetzte Vertrauen und be¬ 
sonders jedem Funktionär der durch 
seine aufopfernde und tatkräftige 
Mitarbeit einen großen Anteil an 
diesem Erfolg für sich verbuchen 
kann. Wir werden in Zukunft dieses 
in uns gesetzte Vertrauen durch eine 
gesunde Gewerkschaftsarbeit inner¬ 
halb der Organisation zu würdigen 
wissen. 
Auf Grund der durchgeführten 
Wahlversammlungen können wir 
auf einen erhöhten Mitgliederzu¬ 
wachs zurückblicken, der uns als 
Beweis gilt, daß die Bauschaffenden 
den Gedanken der Einheit begriffen 
haben. 
Durch die Einführung des neuen 
Währungssystems, verbunden mit 
den französischen Tarifen, wird uns 
als Gewerkschaft eine große Last 
von Aufgaben auferlegtr die wir nur 
meistern können durch eine stark 
und einheitlich ausgerichtete Orga¬ 
nisation. 
Wir appelieren hiermit an alle un¬ 
sere Mitglieder, weiterhin durch ihre 
aktive Kleinarbeit in den Betrieben 
dazu beizutragen, eine lOOprozentige 
Erfassung der Belegschaft in der 
Einheitsgewerkschaft zu ermög¬ 
lichen. 
Die Zukunft wird es unter Beweis 
stellen, daß wir unsere ganze Kraft 
zur Durchsetzung aller stehenden 
Forderungen einsetzen, tun unser 
großes gestecktes Ziel zu erreichen, 
das lautet: „Sozialisierung der Bau¬ 
wirtschaft zum Nutzen aller Bau¬ 
schaffenden“. 
Des weiteren möchten wir nicht 
versäumen, unserem Verbandsvor¬ 
sitzenden Kollege Munari, für seine 
gerade Haltung und seine Arbeit, die 
er geleistet hat, im Namen unserer 
Mitglieder unseren Dank auszuspre¬ 
chen und wünschen, daß er auch 
weiterhin denselben Weg zum Wohle 
unserer Organisation beschreiten 
wird. 
Zu dom bevorstehenden Weih¬ 
nachtsfest und Jahreswechsel wün¬ 
schen wir einem jeden Mitglied ein 
frohes und erfolgreiches neues Jahr. 
Die Ortsverwaltung. 
striellen Aufbau und der Gliede¬ 
rung seiner Bevölkerung eine 
stärkere Aufteilung nicht recht¬ 
fertigt; 
2. Die Schlechtwetterregelung muß 
sofort (falls inzwischen nicht er¬ 
folgt) In Kraft treten, da der Bau¬ 
arbeiter der Witterung ausgesetzt 
und bei starkem Frost eine Bau¬ 
tätigkeit unmöglich ist; 
3. Angleichung der Gehälter der 
kaufmännischen Angestellten an 
die Sätze der übrigen Arbeitneh¬ 
mer, da dieser Tarif eine unge¬ 
rechte Beurteilung der Lohnsätze 
aufweist; 
4. Verbesserung der Urlaubsregelung 
für kaufm. und techn. Angestellte 
gemäß den gesundheitlichen For¬ 
derungen,. wie dies in der deut¬ 
schen RBT. für Angestellte ver¬ 
ankert und anerkannt war; 
5. Allgemeiner Ausbau der Sozial¬ 
versicherung und Erfüllung der 
Forderungen. Einführung der Fa¬ 
milien- und Kinderzulage, ähnlich 
der Regelung in Frankreich. 
Wir sind überzeugt, daß das Jahr 
1948 uns auf unserem schweren 
Wege stets Erfolge bringen wird, 
wenn sich die Bauarbeiter und An¬ 
gestellten vereint im Industriever¬ 
band Baugewerbe der Einheitsge¬ 
werkschaft, ihrer Stärke bewußt 
sind und mit vereinten Kräften in 
den Berufskampf gehen. Es wird 
uns auch in Zcikunft nichts ge¬ 
schenkt werden und wir werden in 
unserer Gewerkschaft jene Kraft 
finden, die wir ihr selbst geben. 
Zipfel. 
Tagung der Betriebsräte 
des Kreises Ottweiler 
Am Samstag, dem 6. Dez. 1947, 
fand in Neunkirchen eine Tagung 
der Betriebsräte und Betriebsver¬ 
trauensmänner des Kreises Ott¬ 
weiler statt. Von den 64 anwesen¬ 
den Betriebsratsmitgliedem und Be¬ 
triebsvertrauensmänner wurde fol¬ 
gende Entschließung einstimmig an¬ 
genommen: 
1. Die augenblicklich herrschende 
Schlechtwetterlage bringt wieder 
für viele Bauschaffende Lohnaus¬ 
fall mit sich, welcher unerträglich 
ist. 
2. Die Zoneneinteilung bedeutet für 
die beiden letzten Gruppen, da 
Lohn und Preis in keinem Ein¬ 
klang stehen, eine untragbare 
Härte. 
3. Familienbeihilfe und Rente bei 
Ableben eines Bauschaffende ist 
eine Notwendigkeit, welcher unbe¬ 
dingt mehr Beachtung geschenkt 
werden muß. 
4. Die Einstufungen für das Bau- und 
Baunebengewerbe, sowie für die 
Baustofferzeugende-Industrie soll 
von den einzelnen Fachrichtungen 
getätigt werden und als maßgebend 
anerkannt werden. 
Die anwesenden Betriebsrntsmit- 
glieder und Vertrauensmänner bitten 
den Industrie-Verband Baugewerbe, 
sich für die obigen Forderungen ein¬ 
zusetzen. 
Einstimmig wurde dem Bezirks¬ 
vorstand und dem 1. Vorsitzenden 
Kollege Munari, größtes Vertrauen 
entgegengebracht und für seine auf¬ 
opferungsvolle Arbeit in der schwe¬ 
ren Zeit gedankt. Das Wohl des Tn- 
dustrie-Verbandes soll auch in der 
Zukunft für Kollege Munari rich¬ 
tunggebend sein. 
Der Wille zur Einheit wurde von 
allen Anwesenden bekundet.
	        

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