Full text: 1.1946 (0001)

AUFBAU UND WIRTSCHAFT 
Wieder „Konsum 
von Geschäftsführer Kiefer 
Es gibt viele Arbeiterfrauen im 
Saargebiet, die schon seit ihrer Mäd¬ 
chenzeit gewohnt waren, im Konsum 
zu kaufen. Für viele Arbeiterhaus¬ 
halte war es eine Selbstverständlich¬ 
keit, zum Einkauf von Brot und all 
den anderen Lebensmitteln regelmä¬ 
ßig — ja oftmals ausschließlich den 
Weg in ihre Genossenschaft zu gehen. 
Bei guten und besonders sparsam 
veranlagten Familien war es im Lauf 
der Jahre schon zur Tradition ge¬ 
worden, daß, wenn der Sohn oder 
die Tochter heiratete, zum Heirats¬ 
gut auch das Konsumbuch für den 
neuen Hausstand gehörte. So hat sich 
die Notwendigkeit zum Sparen als 
genossenschaftliches Gedankengut 
bei vielen Familien unserer Heimat 
von den Eltern auf die Kinder ver¬ 
erbt 
Den Konsum, wie man ihn seit 
Jahrzehnten im Saargebiet gekannt 
hat, gibt es nicht mehr. Wohl sind 
seine Verkaufsstellen noch da (d. h., 
wenn sie nicht unter den Trümmern 
liegen), aber es fehlt die Genossen¬ 
schaft. Warum wohl? — wird sich 
mancher frühere Genossenschaftler 
schon gefragt haben. Bis zur Auf¬ 
lösung ihrer Betriebe bestanden im 
Saargebiet 28 Konsumgenossenschaf¬ 
ten. Kein Genossenschaftsmitglied 
hat auf die Frage nach den Gründen 
der Auflösung eine wahrheitsgemäße 
Antwort bekommen können, als die 
DAF die Konsumgenossenschaften 
zerschlug und sich ihr Vermögen an¬ 
eignete. Jetzt aber werden sie wie¬ 
derkommen. Die Militärregie¬ 
rung hat über die Einheits¬ 
gewerkschaft die Erlaubnis er¬ 
teilt, daß im Saargebiet sofort 
zwei Konsumgenossenschaften wie¬ 
der gegründet werden können, und 
zwar: 
a) die Konsumgenoss e n - 
schaft ASKOin Saar¬ 
brücken, 
b) die Konsumgenossen¬ 
schaft Neunkirchen- 
H e i n i t z. 
Die Genossenschaft in H e i n i t z 
übernimmt alle früheren konsum¬ 
genossenschaftlichen V erkaufsstellen 
in den Kreisen Ottweiler, 
St. Ingbert, St. Wendel und 
Homburg sowie die Läden der 
früheren Sevag-Neunkirchen. 
Die Konsumgenossenschaft AS K O 
Saarbrücken übernimmt alle 
konsumgenossenschaftlichen Ver¬ 
kaufsstellen in den Kreisen Saar¬ 
brücken-Stadt, Saarbr.- 
Land, Saarlouis und M e r z i g. 
Kleinere Abweichungen bei den ge¬ 
bietsmäßigen Aufgliederungen sind 
den Genossenschaften gestattet. 
Die Gründung dieser zwei neuen 
Konsumgenossenschaften soll mög¬ 
lichst bald erfolgen. Der Aufbau der 
beiden Konsumgenossenschaften ge¬ 
schieht auf genosssenschaftlich- 
demokratischer Grundlage, d. h. die 
Mitgliedschaft ist freiwillig. Die 
Selbstverwaltung und die Selbstver¬ 
antwortung sollen ihre Grundzüge 
sein. In H e i n i t z hat die Grün¬ 
dungsversammlung bereits stattge¬ 
funden, die für Saarbrücken 
wird in den nächsten Tagen folgen. 
Die von der DAF aus dem Besitz 
der früheren 28 saarländischen Kon¬ 
sumgenossenschaften gegründeten 
zwei Betriebe, der Gemeinschafts¬ 
werk-Versorgungsring G. m. b. H. 
Saarbrücken und Neunkirchen, sind 
von der Militärregierung unter Se¬ 
quester gestellt worden. Mit der Se¬ 
if questerverwaltung hat die Militär¬ 
regierung erfreulicherweise zwei Ge¬ 
nossenschafter beauftragt. Diese ge¬ 
ben die Gewähr dafür, daß das ge¬ 
nossenschaftliche Vermögen, das sich 
das Gemeinschaftswerk vor Jahren 
aneignete, für die neu zu gründenden 
Konsumgenossenschaften erhalten 
bleibt. 
Ein trauriges Kapitel def Genos¬ 
senschaftsgeschichte wird damit ab¬ 
geschlossen werden. Das Unrecht, 
das man den Konsumgenossenschaf¬ 
ten des Saargebietes und ihren Mit¬ 
gliedern mit der zwangsweisen Auf¬ 
lösung ihrer Betriebe zugefügt hat, 
wird von der Militärregierung durch 
ihre Genehmigung zur Bildung neuer 
Genossenschaften wieder gutgemacht. 
In jahrzehntelanger, erfolgreicher 
Tätigkeit haben sich die Konsum¬ 
genossenschaften des Saargebietes 
im Dienst der Verbraucher 
bewährt. In weiten Kreisen der ar¬ 
beitenden Bevölkerung sind sie des¬ 
halb noch in guter Erinnerung. 
Freunde und Förderer des Genossen¬ 
schaftsgedankens sind nun mit dem 
Neuaufbau der saarländischen Kon¬ 
sumgenossenschaften beschäftigt. 
Ihre in langjähriger Genossenschafts¬ 
arbeit erworbenen Erfahrungen stel¬ 
len sie jetzt wiederum in den Dienst 
der Gemeinschaft. Sie sind bestrebt, 
den guten Ruf der Konsumgenossen¬ 
schaften wieder herzustellen, dessen 
sie sich einstmals erfreuen konnten. 
Verbraucher aller Kreise, Menschen 
aller Anschauungen waren früher in 
unseren Konsumgenossenschaften 
zusammengeschlossen. So soll es 
auch künftig wieder werden. 
Alle früheren Mitglieder der Kon¬ 
sumgenossenschaften rufen wir zur 
Mitarbeit auf. Aus den schon bisher 
eingegangenen zahlreichen Anfragen 
über die Neubildung der Konsum¬ 
genossenschaften läßt sich schließen, 
daß dieser Ruf zur Mitarbeit mit 
Freude gehört wird und man ihm 
gerne Folge leistet. Die Verwaltungen 
der beiden neuen Konsumgenossen¬ 
schaften werden sich dieser Mitarbeit 
um so lieber annehmen, weil sie wis¬ 
sen, daß es nur in gemeinsamer Ar¬ 
beit möglich sein wird, aus den 
Trümmern des Zusammenbruches 
den geplanten Wiederaufbau 
unserer Betriebe zu verwirklichen. 
Mit einem gesunden Optimismus 
gehen wir dann ans Werk zur Er¬ 
neuerung unserer Genossenschaften. 
Sie sollen und werden wieder groß 
und leistungsfähig werden, damit sie 
ihre Aufgaben in der Zukunft erfül¬ 
len können, 
Die Arbeitsmarktlage 
Hohe Kräfteaiiforderungen 
Das Landesarbeitsamt Saar teilt mit: 
Bei den Arbeitsämtern waren Ende 
Juni 1266 männliche Personen als 
verfügbare Arbeitssuchende 
gemeldet. Hierbei handelt es sich um 
Arbeitskräfte, die im Zuge ihres Ar¬ 
beitsplatzwechsels, ihrer Entlassung 
aus der Kriegsgefangenschaft oder 
der Wiedererlangung ihrer vollen 
Arbeitsfähigkeit bei den Arbeits¬ 
ämtern kurzfristig als Arbeits¬ 
suchende registriert worden sind; sie 
bilden also keine Arbeitsreserve. 
Dagegen sind bei den Arbeitsämtern 
noch rund 5000 nicht voll arbeits¬ 
fähige männliche Personen regi¬ 
striert die nur für leichte Arbeiten, 
z. T. nur für eine sitzende Tätigkeit 
geeignet sind. Für diesen Personen- 
kreis werden sich die Beschäftigungs¬ 
möglichkeiten erst bei Belebung des 
Groß- und Kleinhandels und einer 
stärkeren Ingangsetzung der Ferti¬ 
gungsindustrie bessern. Zweifelsohne 
wird auch eine Besserung in der Er¬ 
nährungslage dazu beitragen, einen 
größeren Teil dieser Personen wie¬ 
der bei mittelschweren Arbeiten zu 
verwenden. 
Die Kräfteanforderungen bei den 
Arbeitsämtern sind unverändert 
hoch geblieben. Ende des Monats 
waren noch 7528 offene Stellen zu 
besetzen. Nach Berufsgruppen und 
Wirtschaftszweigen gegliedert ergab 
sich folgender Kräftebedarf 
am 30, 
Juni: 
Offene 
Zu- 
Stellen Weisung 
Bergbau 
1181 
866 
Baugewerbe 
2 409 
820 
Baustoffindustrie 
102 
34 
Hütten- u. Mstallind. 
779 
1 389 
Sonstige Wirtschafts 
- 
zweige 
3 057 
3 853 
zusammen: 
7 528 
6 962 
Dieser hohe Krättebedarf kann erst 
allmählich und bei zahlenmäßig 
stärkerer Rückkehr von Arbeitskräf¬ 
ten aus der Kriegsgefangenschaft ab¬ 
gedeckt werden, wobei von den Ar¬ 
beitsämtern noch die bevorzugte 
Beschaffung von zirka 600 Arbeits¬ 
kräften für die Großaktion zur 
Entminung des Saargebietes und 
die fortdauernde Verstärkung der 
Grubenbelegschaft zu berücksich¬ 
tigen sind. 
Schließlich fordert auch der loth¬ 
ringische Bergbau eine ver¬ 
stärkte Zuweisung von Saarland!-» 
sehen Arbeitskräften für die an¬ 
grenzenden Gruben. Diese -Arbeits¬ 
kräfte werden als Grenzgänger auf 
den lothringischen Gruben arbeiten, 
wie dies vor dem Jahr 1935 der Fall 
war. 
Konsultative Aktivität 
Der mit Genehmigung des Herrn 
Gouverneur Grandval und auf Ini¬ 
tiative der Hauptverwaltung der 
Einheitsgewerkschaften ins Leben 
gerufene Landesernährungsausschuß 
hat sich seit seiner Gründung in 
wiederholten Sitzungen mit den vor¬ 
dringlichsten Fragen der Volks ver¬ 
sorg ung befaßt und in seiner Eigen¬ 
schaft als beratendes Organ der mit 
der Erfassung und Verteilung der 
Naihrungsgüter beauftragten Dienst¬ 
stellen, in Anregungen und Vor¬ 
schlägen die Diskussion über die 
Ernährungslage aus dem Bereich 
unkontrollierter Erörterungen auf die 
Ebene einer ernsthaften und von 
Sachkenntnis getragenen Kritik ge¬ 
führt. Der weitgefaßte Rahmen der 
im Ausschuß vertretenen Ämter und 
Organisationen, hat sich in den leb¬ 
haften und aufschlußreichen Debat¬ 
ten wiedergespiegelt. Die Teilnahme 
der führenden Emährungsoffiziere 
der Militärregierung bestätigt die 
Bedeutung, die die höchsten Instan¬ 
zen unseres Gebietes der Arbeit des 
Ausschusses auch für ihre eigenen 
Entscheidungen im Interesse der 
Verbesserung unserer Ernährungs- 
lage zuzuerkennen bereit sind. Die 
Wirksamkeit seiner Tätigkeit wird 
sich nicht unmittelbar in den Erlas¬ 
sen und Maßnahmen der zustän¬ 
digen Behörden niedersehlagen, viel¬ 
mehr ist es nach seinem Pro¬ 
gramm Aufgabe seiner Beratungen, 
auf Mißstände hinzuweisen und Ver¬ 
besserungen vorzubereiten, so u. a, 
über die Bildung von Bauernaus- 
schiissen Erzeugung und Erfassung 
zu intensivieren, der Unsitte wilder 
Kompensationen entgegenzutreten 
und in einer verschärften Kontrolle 
des Groß- und Kleinhandels die 
schwarzen Märkte zu beseitigen, um 
jegliche Fehlleitung und Verwirt- 
schaftung auszuschalten. Es gehört 
weiter zu seinen Aufgaben, alle 
Werks-* und Betriebsküchen seiner 
Kontrolle zu unterstellen, ihre zu¬ 
sätzliche Versorgung zu fördern und 
sich vor allem der Prüfung der Ver¬ 
teilungssysteme mit dem Ziel ihrer 
Umgestaltung auf der Grundlage dea* 
Berufstätigkeit und der besonderen 
sozialen Bedürfnisse zu widmen. 
Es wäre verfrüht, jetzt schon die 
Arbeit des Ausschusses einer kriti¬ 
schen Betrachtung zu unterziehen. 
Sein besonderer Wert aber darf selbst 
bei dem konsultativen Charakter, der 
ihn zwangsläufig auf bestimmte 
Aufgabengebiete beschränkt, nicht 
unterschätzt werden. Denn in seinen 
Mitgliedern begegnen sich Verwal¬ 
tung und Bevölkerung zu einer 
freien Diskussion um die Ernäh¬ 
rungsprobleme, die, im Interesse 
einer raschen Lösung den Vorzug 
der Ursprünglichkeit und Unmittel¬ 
barkeit besitzt. 
Wirtschafts nach rich ten 
Der Kredit der Export-Import-Bank 
an Frankreich 
(A.EP) Im französisch-amerikanischen 
Finanzabkommen war bekanntlich 
vorgesehen worden, daß Frankreich 
außer den von den Vereinigten Staa¬ 
ten selbst zugestandenen Summen 
auch noch einen Credit von der in¬ 
ternationalen Ex- und Importbank in 
Höhe von 650 Millionen Dollar erhal¬ 
ten sollte. Dieser Kredit ist nunmehr 
von der Bank eingeräumt worden. 
Davon sollen verwendet werden: 470 
Millionen Dollar für den Ankauf von 
Material und 100 Millionen Dollar für 
den Ankauf von Rohstoffen. Die übrig 
bleibenden 800 Millionen Dollar wer¬ 
den zur Deckung der durch diese Ab¬ 
schlüsse entstehenden Kosten ver¬ 
wendet. 
Französisch-beilgisch-Iuxemburgische« 
Handelsabkommen 
(AEP) Der belgische Außenminister 
Spaak hat seine Zustimmung zu dem 
kürzlich in Paris zustandegekom¬ 
menen Handelsabkommen zwischen 
Frankreich, Belgien und Luxemburg 
erteilt. Das Abkommen sieht einen 
gegenseitigen Warenaustausch im 
Werte von lÖ1/2 Milliarden für die am 
1. Juli 1946 beginnende Laufzeit von 
12 Monaten vor. 
Die Gewerkschaftszeitung „Die 
Arbeit“ beabsichtigt einen Inse¬ 
ratenteil einzurichten, der sich 
mit besonderer Aufmerksam¬ 
keit dem Arbeitsmarkt zuwen¬ 
den wird. — Stellenange¬ 
bote od. Stellengesuche 
können bereits für die nächste 
Ausgabe an die Geschäftsstelle 
der Zeitung „Die Arbeit“, Saar¬ 
brücken 3, Brauerstraße 6 — 8 
od. an „Union-Reklame“, Saar¬ 
brücken 3, Passage-Kaufhaus, 
gerichtet werden. — Der Preis 
für den 4mal gespaltenen Mil- 
iimeterraum beträgt 1.— RM„ 
Reklame - Anzeigen 2.— RM. 
Herausgeber: Hauptverwalt, der Einheits¬ 
gewerkschaften, Saarbrücken 3, Brauer¬ 
straße 6— 8. — Verantwortlich für den 
Gesamtinhalt: H. W a c k e r. — Druck: 
Saarländische Verlagsanstalt u. Druckerei 
(Sequester), Saarbr. 3, Kön.-Luisen-Str. 1. 
/
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.