Title:
Grundlegung der Ethik als Wissenschaft
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-341942
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-343136
stimmtheit, in der etwa zwei Bewußtseinswesen gleich sind, 
sondern diese Bewußtseinswesen als Einzelwesen im Auge: 
Einzelwesen steht zu Einzelwesen im Wesenseinssein, und 
sich in diesem Wesenseinssein mit einem anderen besonderen 
Bewußtsein wissen heißt dieses Bewußtseins wesen lieben2. Man 
wird die Tatsache der Liebe2 nicht verstehen, wenn man nicht 
zuvor das Wesenseinssein der Bewußtseins wesen verstanden 
hat: denn Liebe2 bedeutet sich wesenseinswissen mit anderem Be¬ 
wußtsein. Jedoch die Tatsache der Liebe2, die Tatsache eines 
liebenden2 Bewußtseins hat keineswegs zur Voraussetzung, daß 
es sich zuvor fraglos klar sein müsse über das Wesenseinssein 
der Bewußtseinswesen, bevor es sich mit einem anderen Bewußt¬ 
sein wesenseins wissen, also ein anderes Bewußtsein lieben2 
könne. Wer aber Liebe2 kennt, wer je liebte2, der muß be¬ 
stätigt finden, daß er sich wesenseins mit anderem Bewußtsein 
wußte, auch wenn er noch gar nicht darüber klar geworden ist, 
daß dieses Einssein jedem Bewußtsein in Beziehung zu jedem 
anderen Bewußtsein an und für sich zukommt. Ein Anderes 
eben ist „Einssein“, ein Anderes „ Sich wesenseins wissen “; das 
Einssein hat keineswegs auch das Sichwesenseinswissen zur not¬ 
wendigen Folge, sonst müßte ja Liebe2 jedem Bewußtsein, 
mit welchem anderen Bewußtsein es sich auch zusammenfände, 
zukommen. Immerhin aber dürfen wir behaupten, daß ein 
Bewußtseinswesen sich nicht eins mit einem anderen wissen 
könnte, wenn nicht die Bewußtseinswesen überhaupt wesens¬ 
eins wären; daher verbürgt die Tatsache der Liebe2 d. i. die 
Tatsache, daß ein Bewußtsein sich eins weiß mit einem anderen, 
uns die Wahrheit, daß alle Bewußtseins wesen überhaupt wesens¬ 
eins sind. 
Dieses Sicheinswissen eines Bewußtseins mit einem anderen 
wird aber nicht durch Erkenntnis erworben, ist nicht wissen¬ 
schaftlich vermitteltes „Wissen“, sondern stellt sich unter be¬ 
stimmten Bedingungen, die aus dem Zusammenleben mit 
anderem Bewußtsein für das einzelne Bewußtseinswesen sich 
107
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.