Title:
Relativitätstheorie und Philosophie
Creator:
Driesch, Hans
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-325017
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-325250
Schon hier, bei der Frage nach „absoluter“ Bewegung, 
ist uns also der Gegensatz zwischen „praktisch nach¬ 
weisbar“ und „eindeutig denkbar“ entgegengetreten; ein 
Gegensatz, der uns im Rahmen der Relativitätstheorie 
wiederum zu beschäftigen haben wird. Weil er uns hier 
in seiner einfachsten Form entgegentrat, sind wir über den 
Begriff der „absoluten“ Bewegung etwas ausführlicher 
gewesen, — 
Es traten nun bald zu den praktischen Schwierigkeiten, 
welche der Begriff der gleichförmigen, gleichgerichteten 
Bewegung, der sogenannten gleichförmigen Translations¬ 
bewegung, mit sich bringt, Schwierigkeiten im Rahmen eines 
anderen Begriffs aus der Naturlehre hinzu, Schwierigkeiten 
mit Rücksicht auf den Begriff der Gleichzeitigkeit. 
Auch hier kommen praktische Schwierigkeiten, wenn 
auch von ganz anderer Art, das heißt solche, welche die 
empirische Nachweisbarkeit betreffen, in Frage. 
Sie liegen darin begründet, daß das Licht sich nicht 
streng momentan, sondern mit endlicher, wennschon, an 
irdischen Geschwindigkeiten gemessen, sehr großer Ge¬ 
schwindigkeit fortpflanzt, indem es in der Sekunde einen 
Weg von ca. 300000 Kilometern zurücklegt. Die prak¬ 
tischen Schwierigkeiten, um die es sich hier handelt, 
hängen also nicht mit den Schwierigkeiten, welche der 
Begriff der gleichförmigen Translation dem empirischen 
Forscher geboten hat, zusammen. 
Wir denken uns der Einfachheit halber die Erde als 
eine Scheibe von enormer Größe. Auf ihr befinden sich 
zwei physikalische Stationen, sehr weit, sagen wir 150000 
Kilometer, voneinander entfernt. Auf beiden Stationen 
befinden sich sehr gute Uhren, welche aus derselben Fabrik 
stammen und ursprünglich genau gleichen Gang hatten. 
Die Forscher auf den beiden Stationen haben verabredet, 
gelegentlich zu prüfen, ob ihre Uhren noch gleichgehen. 
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