Title:
Philosophische Forschungswege
Creator:
Driesch, Hans
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321569
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321751
Einleitung. 
3 
Sophie rundweg alles, was sie geleistet hatten, mit ihrem 
„Visum“ versehen würde. 
Denn die Philosophie nahm nur allzu bereitwillig alle 
„bestehenden Wissenschaften“, soweit sie Mode waren, 
an. Sie lief ihnen oft geradezu nach, sie „glaubte“ ihnen, 
wie das zum Beispiel angesichts der Relativitätstheorie 
von einigen Seiten geschehen ist, einer Lehre, die eine 
unmögliche, weil gegen ontologische Schau verstoßende 
Wissenschaft ist, sobald sie mehr sein will als bloße 
schemenhafte mathematische Formulierung, ruhend auf 
einer gewissen menschlichen Beschränktheit angesichts 
gewisser empirischer Feststeilbarkeiten, wie absolute 
Bewegung, Gleichzeitigkeit u. a.1). 
Was freilich nicht Mode war, das hatte es schlimm. 
Astrologie — abgetan. „Psychische“ Forschung — auch 
abgetan. Biologie — als selbständige Wissenschaft des¬ 
gleichen. Denn die „Moderne“ hatte ja ein für allemal 
gesagt — „gesagt“ hatte sie es allerdings! — daß die 
Physik, sei es als echte Mechanik, als Elektrodynamik 
oder als was sonst, hinsichtlich aller Erscheinungen der 
sogenannten Natur, d. h. der raumhaften empirischen 
Wirklichkeit, das letzte Wort haben müsse. Die Physik 
war die Bibel, die Physiker die Evangelisten und Apostel. 
Hier Kritik zu üben war Ketzerei. Dixit — und wenn es 
auch, wie die „vielen Zeiten“ und der „gekrümmte Raum“, 
als empirische Realia und nicht nur als Mathematica ge¬ 
nommen, jeder unmittelbar evidenten Ratio widersprach. 
Hier war die Philosophie die ancilla, ganz ebenso wie 
früher einmal einer anderen Herrin gegenüber. Sie führte 
nicht. 
Aber sie soll führen. 
*) Vgl. meine kleine Schrift Relat. Theorie u. Weltanschaung. 2. AufL 
1929. 
1*
        

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