Title:
Philosophische Forschungswege
Creator:
Driesch, Hans
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321569
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-321679
Vorrede. 
YII 
deutlich44 in ihrer Gesetzlichkeit, ihrer Struktur, und 
lenken zum Besten will ich mein eigenes und anderer 
Seelenleben auf Grund ihres Erkanntseins. Mein Sklave 
soll mein „Unterbewußtsein44 werden mit allem, was es 
in sich hat, Angeborenem und Erworbenem, und nicht 
mein Herr. Denn das heißt mir Mensch sein, daß Ich der 
Herr meines Es bin. Und diese Herrschaft braucht wahr¬ 
haftig nicht meinen Zusammenhang mit der „Natur44 
zu lockern. Oder ist etwa der Ich-Herr nicht selbst 
„Natur44, wenn man dieses Wort weit, nämlich als empi¬ 
rische Wirklichkeit (oder gar als metaphysische) faßt ? 
Die dritte Gefahr, zumal für uns Deutsche von heute, 
ist die sogenannte Phänomenologie als Methode —wenn 
sie in die Unrechten Hände gerät. Diese Gefahr ist die 
größte, weil sie die verborgenste ist. Von Kulturplauderei 
und mystischer Lebensphilosophie wird man bald genug 
haben; die Phänomenologie aber hat eine höchst ernste, 
höchst gediegene Seite; es ist nur schwer die Grenzen 
ihrer Leistungsfähigkeit zu sehen, und diese werden daher 
leicht überschritten. Verführerisch ist die Phänomenolo¬ 
gie als Methode; sie verspricht schöne Ergebnisse ohne 
viel aufgewandte Mühe. „Schauen44 glaubt jeder zu 
können; wenige wissen klar, wo man wirklich schauen 
kann. 
Doch davon wird der Text dieser Schrift reden, und so 
sei denn an dieser Stelle nur schon das eine gesagt, daß 
die größte Gefahr seitens der sogenannten Phänomenologie 
in der durch keine Kritik und Selbstzucht eingeschränkten 
Schaffung von „Kategorien“, von „Vorgegebenem44, wie 
das neue Wort lautet, gelegen ist. Hier droht eine Neu¬ 
romantik, schlimmer als die alte, weil sie sich in sehr 
wissenschaftlich klingender Sprache gibt. Sieht es doch 
wahrlich oft so aus, als sei das ganze kritische Werk von
        

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