Title:
Die Krise des Idealismus
Creator:
Liebert, Arthur
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-319078
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-319623
oben Grundzüge der philosophischen Denkhaitung. 
nämlich ihre Kraft zur Kritik, ihre Stimmung der 
Freiheit, ihr Heroismus und nicht zuletzt jene Ei¬ 
gentümlichkeit, die darin besteht, der Anwalt des 
Gewissens der Menschheit zu sein und sein zu sol¬ 
len, sie sind es, die nicht bloß die Philosophie in 
den Zustand der Krise führen, sondern die Krisen kom¬ 
men auch der Entwicklung der allgemeinen Kultur 
entscheidend zugute. Die Krisen spenden die Samen, 
die auch das geschichtliche Leben vor der Vertrock¬ 
nung schützen; sie verhelfen mit dazu, der allgemei¬ 
nen geistigen Entwicklung eine Erneuerung oder zum 
mindesten einen Umschwung durch die wohltätige 
Erweckung des Gewissens zu schaffen und ihr auf diese 
Weise ihre lebendige Bedeutung und ihren geschicht¬ 
lichen Charakter zu sichern. Wo anders als in der 
Philosophie kann der Geist sittlicher Kritik und ver¬ 
antwortungsvoller Freiheit seine Stätte haben? Und 
wo er herrscht und zum Ausdruck gelangt, da ist ech¬ 
tes philosophisches Denken am Werke. Und was 
würde aus der allgemeinen geistig-geschichtlich¬ 
menschlichen Kultur ohne diesen philosophischen 
Geist der Freiheit und Kritik? Wo er unterdrückt 
wurde, d.h. wo die Philosophie nicht ihrem eigenen 
Logos und Ethos folgen durfte, trat eine Verkümme¬ 
rung der Kultur ein. Da jedoch der Mensch und die 
Philosophie die Kraft des Logos und des Ethos auf 
die Dauer nicht verleugnen und nicht preisgeben kön¬ 
nen, ohne sich selber zu verleugnen und preiszugeben, 
so wird auf Grund dieser ewigen Mächte die Stockung 
überwunden durch den Eintritt einer Krise und durch 
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