Title:
Die Krise des Idealismus
Creator:
Liebert, Arthur
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-319078
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-319330
und Kraftbewußtsein. Der Pubschlag der Geschichte 
erfährt nun einmal die entscheidenden Einflüsse nicht 
bloß aus den Antrieben, die sich aus der Zusammen¬ 
setzung seines Blutes und aus der gewöhnlichen Rich¬ 
tung seiner Blutbahn ergeben, auf ihn wirken auch 
geheimnisvolle in ihrem Emporkommen und Verlauf 
nicht klar erkenn- und bestimmbare Strömungen ein. 
Diese Strömungen entstammen der unmittelbaren In¬ 
nigkeit des Gewissens und der Verantwortlichkeit, mit 
der ein Zeitalter oder eine Generation die bisherige 
Lagerung und Geformtheit der geschichtlichen Ver¬ 
hältnisse auf nimmt, nachprüft, mit einem neuen Geist 
und Wert zu erfüllen, in eine andere Höhenlage zu 
erheben sucht. 
Jede Schwächung dieses moralischen Willens zu 
geschichtlicher Umbildung schließt, gleichgültig ob 
sie bewußt oder unbewußt erfolgt, eine Verlangsa¬ 
mung der geschichtlichen Bewegung und die Gefahr 
ihrer Erstarrung in sieh. Auf die Dauer lassen sich 
jedoch jenes metaphysisch-moralische Verantwortlich¬ 
keitsgefühl gegenüber der Geschichte und jene — oft 
revolutionäre — Bereitschaft zu geschichtlichen Wag¬ 
nissen und Neugestaltungen nicht unterdrücken. 
Denn in einem solchen Widerstande erblickt der 
Mensch eine unerträgliche Bedrohung seiner sittli¬ 
chen Freiheit und seines unantastbaren Rechtes zur 
Kritik und zu einer Einrichtung seines äußeren und in¬ 
neren Daseins, die aus den Kräften seines eigenen 
Glaubens und Willens stammt. Deshalb empfindet 
und beurteilt er die Überwindung und Vernichtung je¬ 
nes Widerstandes als eine nicht nur biologisch, son- 
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