Title:
Zur Lehre vom Gemüt
Creator:
Rehmke, Johannes
Work URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-288253
PURL:
https://digital.sulb.uni-saarland.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-289047
70 
Zur Lehre vom Gemüt. 
Veränderungen handelt, die wir als die wirkenden Bedin¬ 
gungen der „begleitenden“, Körperempfindung im „Gefühle“ 
kennen, und wir verstehen sehr wohl, wie es möglich ist, 
„künstlich durch Hervorrufen solcher Körperempfindungen“ 
bestimmte „Gefühle“ deren eines Stück dann eben diese 
Empfindungen bilden, zu bewirken. Die auftretende Körper¬ 
empfindung läßt dann nämlich jenes „maßgebende“ Gegenständ¬ 
liche, das mit ihr früher in einem bestimmten „Gefühl“ ver¬ 
knüpft war, als Vorstellung auftreten und damit auch das 
zuständliche Stück (Lust oder Unlust), so daß dasselbe be¬ 
stimmte „Gefühl“ tatsächlich wieder da sein kann. Wir machen 
die Erfahrung ja täglich, daß wir auf Grund von Körper¬ 
empfindungen zu „Gefühlen“ kommen, deren eines Stück eben 
jene Körperempfindungen sind, die nach dem Vorstellungs¬ 
gesetze die „veranlassende Bedingung“ für das Wiederauftreten 
des früher als „maßgebendes“ Gegenständliches im „Gefühl“ 
mit ihnen zusammen Gegebenen im vorstellenden Bewußtsein 
bilden.x) 
Die große Bedeutung solcher Körperempfindungen für das 
„Gefühlsleben“ des Bewußtseins wird hierdurch noch besonders 
ins Licht gerückt, ohne daß wir von unserer grundlegenden 
Auffassung abzugehen genötigt wären, nach der diese Körper¬ 
empfindungen selbst auch ein Stück, nämlich das „begleitende“ 
Gegenständliche der in solchen Fällen durch sie erst ver- 
anlaßten „Gefühle“ neben dem „maßgebenden“ Gegenständ¬ 
lichen sind, das in diesen Fällen die durch sie hervorgerufene 
Vorstellung ist. Die so veranlaßten „Gefühle“ kennzeichnen 
sich aber als solche besonders dadurch, daß ihr „ma߬ 
gebendes“ Gegenständliches immer nur Vorstellung und 
nicht Wahrnehmung ist. 
J) Siehe Lehmke, Lehrbuch der allgem. Psychologie, 2. Aufl., 
S. 221 ff.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.