Full text: "Grenzgänger"

Schon bald hatte Amaldus - als vermeintlich treuer Sohn seiner Mutter - das anfängli¬ 
che Mißtrauen Belibastas überwunden. Bevor er aber versuchte, den perfectus unter 
einem Vorwand aus seinem Schlupfwinkel herauszulocken, begab er sich klugerwei¬ 
se zum Bischof von Pamiers, um im vorhinein Indulgenz für seine Teilnahme an ka- 
tharischen Ritualen zu erhalten.41 Um jeglichen Verdacht der Exilierten zu zerstreu¬ 
en, hatte Amaldus die Reise mit einem unaufschiebbaren Verwandtenbesuch begrün¬ 
det. Nach seiner Rückkehr beteuerte er dramatisierend, ihm hätten sich vor Furcht 
alle Haare gesträubt, als er jenen Pyrenäenpaß überquerte, der die Grenze zum reg- 
num Francie markierte.42 
Nachdem er sich den vollen Rückhalt des Bischofs von Pamiers gesichert hatte, führ¬ 
te Amaldus den arglosen Belibasta auf das Territorium des Grafen von Foix und ließ 
ihn dort festnehmen.43 Zu spät erkannte der perfectus, daß er von einem “Judas” in 
die Falle gelockt worden war. Den Vorwurf, nicht der Sohn der Sibilia zu sein,44 wird 
Amaldus mit Gleichmut hingenommen haben. 
Belibastas Tod auf dem Scheiterhaufen (1321) symbolisiert den endgültigen 
Triumph der Inquisition, der es in jahrzehntelanger Anstrengung gelungen war, auch 
die letzten Überreste des Katharismus zu liquidieren. Selbst eine charismatische 
Persönlichkeit wie Petrus Auterii hatte trotz beachtlicher Erfolge den Niedergang 
nicht längerfristig aufzuhalten vermocht, zumal sich nach seiner Hinrichtung kein 
adäquater Nachfolger fand. Mit gleicher Ernüchterung wird man das Wirken der 
katharischen Ketzerboten beurteilen müssen. Von Anfang an waren jene 
Grenzgänger, die den Kontakt mit den Exilierten aufrechterhielten, nur eine 
Verlegenheitslösung; auf Dauer konnten sie die physische Präsenz der perfecti nicht 
ersetzen. Doch immerhin beweisen die rigorosen Gegenmaßnahmen der Inquisition, 
daß die Ketzerboten mehr waren als eine bloße Randerscheinung. 
41 Ebd., S. 67 f.: Et habuit licendam a dicto domino episcopo, quod se faceret credentem dicti 
heretici et faceret omnia, que dictus hereticus vellet, excepto quod non crederet erroribus 
eius. 
4“ Ebd., S. 71: ... quando ipse transibat portus intrando regnum Francie, omnes pili sui pre ti¬ 
more erigebantur. 
43 Ebd., S. 80: ... qui Arnaldus tali pia fraude Guillelmum Belibasta perfectum hereticum de¬ 
ludens ... perduxit usque ad territorium vice comitatus Castri Boni sub dominio comitis Fu- 
xensis, ubi dictum hereticum fecit capi et detineri, ut in potestatem ecclesie reduceretur 
44 Ebd., S. 78: Et ex tunc, quo capi eum fecit, semper vocavit eum ludam proditorem ... Dice¬ 
bat etiam, quod non fuerat filius Sibilie den Balle. 
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