Full text: "Grenzgänger"

Diese Regelung dient dazu, den bereits seit geraumer Zeit im Ausland aktiven Land¬ 
wirten die üblichen Fördermaßnahmen zukommen zu lassen, für die Zukunft jedoch 
den Anreiz für weitere Expansionen zu bremsen. Konkret bedeutet dies, daß Flächen, 
die nach dem 1.1.1985 in Besitz genommen wurden, als nicht angestammt gelten und 
somit nicht förderungsberechtigt sind. Während die Landwirte für angestammte Flä¬ 
chen Anbauprämien (70 % des normalen Satzes) und Direktzahlungen (50 % des nor¬ 
malen Satzes) erhalten, sind nicht angestammte Flächen von sämtlichen Direktzah¬ 
lungen ausgeschlossen. Von den nicht angestammten Flächen dürfen außerdem le¬ 
diglich Kartoffeln, Futtergetreide, Silomais, Wiesenfütter sowie in beschränktem 
Maße Brotgetreide eingeführt werden, nicht jedoch Raps, Soja, Sonnenblumen und 
Zuckerrüben. 
3. Schweizer Landbewirtschaftung im südbadischen Grenzraum 
Expansion 
Unter den Rahmenbedingungen des angestammten Nutzlandes wickelte sich der 
Schweizer Auslandsanbau in Südbaden jahrzehntelang in bescheidenem Umfang ab, 
konzentriert auf die Randzonen um den Kanton Schaffhausen sowie um das zum 
Kanton Zürich gehörende Rafzerfeld, wo sich deutsches und schweizerisches Staats¬ 
gebiet wegen der gewundenen Grenzführung sehr eng miteinander verzahnt (Jestet- 
ter Zipfel). Durch Grenzkorrekturen und Feinabstimmungen bei Flurbereinigungs¬ 
maßnahmen, mehr noch auf Gmnd von Heiraten und Landkäufen, waren im übrigen 
Bauern beider Seiten zu Bodeneigentum im Nachbarland gekommen. Während aller¬ 
dings die Schweizer ihren Ausmärkerbesitz stetig erweitern konnten, mußten die 
Deutschen aus finanziellen Gründen, vor allem während der Inflation der zwanziger 
Jahre und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, zurückstecken. Am längsten hat 
sich die alte Tradition im Klettgau gehalten: So bewirtschafteten Erzinger Bauern 
1967 fast 10 ha Land auf der Schaffhauser Gemarkung von Trasadingen, heute sind 
es nur noch wenige Äcker und ein Rebstück. 
Die siebziger und achtziger Jahre waren durch eine über das bisherige Maß hinausge¬ 
hende Expansion von Schweizer Betrieben im Hegau, Klettgau und am Randen ge¬ 
kennzeichnet. Gründe hierfür waren: das starke Gefälle zwischen den hohen schwei¬ 
zerischen und den niedrigen deutschen bzw. EG/EU-Agrarpreisen, die Verknappung 
landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in den schweizerischen Grenzregionen, Förder¬ 
maßnahmen zugunsten der schweizerischen Landwirtschaft sowie andererseits die 
prekäre Lage der deutschen Bauern, von denen mehr als auf der Gegenseite zur Auf¬ 
gabe gezwungen waren. Das Bodenangebot wuchs infolgedessen, Pacht- und Kauf¬ 
preise waren aus schweizerischer Sicht extrem niedrig. 
Ende 1992 betrug der Schweizer Landbesitz in Südbaden 2 779 ha, davon rund 64 % 
als Pachtflächen. Allein 2 532 ha lagen im Grenzsaum östlich von Waldshut. Davon 
wiederum wurden 1 834 ha von Schaffhauser Landwirten bestellt. Bis 1997 dehnte 
sich der Schweizer Landbesitz trotz der eingeleiteten Gegenmaßnahmen weiter auf 
ca. 3 300 ha (einschließlich Wald) aus, wovon 2 303 ha vom Kanton Schaffhausen 
aus bewirtschaftet wurden. 1980 hatte die schweizerische Ausmärkerfläche in 
Deutschianderst 1 240 ha, 1967 gar nur 430 ha umfaßt. War bis in die achtziger Jahre 
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